Refugees und Politik

Ich hatte es schon mal im Artikel Gehirngewaschen geschrieben: Was Politiker sagen ist auch Werbung und die Medien sind immer dabei.

In letzter Zeit mehren sich Berichte und Äußerungen in denen der Grundtenor Anti-Marokkanisch ist.

Nach Ewigkeiten in denen Marokko niemals Thema war wird ständig Marokko und Maghreb/Nordafrika erwähnt. Plötzlich gibt es Probleme mit „Flüchtlingen“ von dort- selbst wenn jene schon vor Jahren als Flüchtlinge herkamen. Der Begriff „Flüchtling“ wird dabei selbstverständlich verwendet und lange hier Anwesende mit Neuankömmlingen in einen Topf geworfen und auf diese Weise die Stimmung gegen Flüchtlingen nicht nur hitziger, sondern gezielt werden Flüchtlinge per se als Gefahr, als Böse, als Belastung dargestellt.

Natürlich stehen jene Schlange die nichts besseres zu tun haben als solche Berichte zu nutzen um ihre fremdenfeindlichen und islamophoben Gedanken loszuwerden.

Marokko war zuletzt ein Thema als dort wie überall in der arabischen Welt die Bevölkerung anfing sich gegen ihre Regierung zu wehren. 2010/2011 war viel Aufruhr, aber wie immer wird nur der Moment betrachtet und auf die Zukunft geblickt.

So wie momentan niemand fragt warum die Leute fliehen, so wurde nicht gefragt warum die Menschen sich gegen die Regierungen stellen und was als großes Thema blieb war die Revolution von Ägypten während alles andere ziemlich schnell versandete.

Die Politik Marokkos war nie ein Thema. Das Leben der Menschen dort auch nicht.

Marokko ist eines jener Länder die z.B. großzügig aus Europa mit Altkleidern versorgt werden. Diese werden auf den Märkten verkauft. Erschreckend wie dort innerhalb kurzer Zeit Schumacher, Näher und die Texilindustrie mehr und mehr verschwindet.

Auch die deutsche Regierung schafft es sehr gut zu akzeptieren das Arbeitsplätze verschwinden. Aber Deutschland bietet für die nun Arbeitslosen finanzielle Hilfe, Umschulungen – kurz: eine Möglichkeit weiter existieren zu können. Marokko hingegen bietet all das nicht. Wer seine Arbeit verliert muss alleine sehen wie er klar kommt.

Auch Jobcenter die Niedriglohnarbeitern zusätzlich Gelder gibt um Miete und Lebensunterhalt finanzieren zu können gibt es nicht. Das Geld reicht nicht für Schulsachen der Kinder? Pech gehabt!

Es ist ein Thema wenn in Katar für die WM Gastarbeiter schlechte Arbeitsbedingungen haben, aber wie viele Kritiker des Königshauses in Marokkanischen Gefängnissen sitzen und oft genug auch gefoltert werden, ist kein Thema. Selbst wenn sie verschwinden.

Marokko ist seit langem ein wichtiger Handelspartner für Europa allgemein und natürlich Deutschland. Wir haben viele günstige Erdbeeren, Tomaten und Paprika im Handel, oftmals auch als spanische Ware gekennzeichnet. Was die extreme Ausfuhr und die sehr günstigen Preise für die marokkanische Bevölkerung bedeuten interessiert nicht. Gerade Tomaten sind eine Art Grundnahrungsmittel die gerade für die ärmere Bevölkerung oftmals kaum finanzierbar ist. Fische werden exportiert, was aussortiert wird landet im Müll, statt es der dortigen Bevölkerung zu überlassen.

Man kann das beliebig weiterführen.

Was bleibt einem wenn man keine Arbeit und kein Geld hat? Man holt die Kinder so früh wie möglich aus der Schule, sofern sie je eine von innen gesehen haben und lässt sie arbeiten, denn jeder Dirham nützt. Alternativ kann man versuchen sein Glück in der Welt da draußen zu suchen. Meistens werden junge Männer um nicht zu sagen Teenager losgeschickt um anderswo Arbeit und Geld zu bekommen und so kommen immer auch welche nach Europa, oder nach Katar.

Der Unterschied ist nicht groß. In Deutschland wohnen sie in Massenunterkünften oder haben vielleicht das Glück als unbegleitete Minderjährige speziell in Jugendhilfeeinrichtungen untergebracht zu werden.

Unser Schulsystem basiert auf Sprache-der deutschen Sprache, die sie nicht beherrschen. Abschlüsse und oft auch schulische Vorkenntnisse sind nicht vorhanden. Was macht man mit einem 15jährigen der kaum seinen Namen schreiben und lesen kann?

Wer bietet den Teenagern was sie brauchen? Erziehung , Bildung und so albern es vielleicht klingt: menschliche Wärme. Im Grunde befinden sie sich auf einem Abstellgleis und wenn sie deutsch lernen kommt die offene Ablehnung und oft genug sogar er eiskalte Hass in voller Wucht.

Jetzt verlangt die Union von Marokko das sie Flüchtlinge zurücknehmen, damit sie in spezielle Rückführungseinrichtungen gebracht und ohne große Aktion abgeschoben werden können.Marokko zeigte sich jedoch nicht sehr kooperativ und erklärte sich lediglich bereit jene zu nehmen die Ausweisdokumente besitzen.

Das Echo folgt promt: Politiker schimpfen, Medien berichten und alles auf den Rücken von Menschen die nichts haben außer ihrem Leben.

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