Schubladendenken

„Haben Sie Kinder?“ … „Nein? Dann können Sie das nicht verstehen…“

Gesprächskiller?

Nein, dieser Satz sollte zum Gespräch einladen. Es ist ein Aufruf zum Gespräch, zum nachfragen, zum Interesse zeigen.
Es ist richtig: Wer keine Kinder hat versteht einiges nicht. Oder es fällt ihm zumindest schwer

Eine Wohnung /Nachbarschaft zu finden wo Kinder willkommen sind, Arbeit und Kinderbetreuung unter einen Hut bringen, Hausaufgaben und Nachhilfe auf die Reihe bringen und oft ist es auch einfach die Finanzsituation.
Ich erinnere mich noch an jene Klassenlehrerin meiner Tochter die zu den Sommerferien eine lange Liste mit Heim gab. Alles Anschaffungen die die Eltern zum nächsten Jahr tätigen sollten und alles hochpreisig, weil die Dame nur bestimmte Marken wollte.
Schön wenn ihr Gehalt so üppig ist das sie sich das leisten könnte. Viele Eltern sind damit jedoch überfordert(gewesen) und da fehlte es ihr klar an Einfühlungsvermögen.

Als Eltern muss man sich aber über weit mehr Gedanken machen. Zum Beispiel über Unterrichtsinhalte der Lehrer. Zu allem was man als Eltern und schlicht erwachsener Bürger ohne hin tun muss gehört also auch noch die „Überwachung“ von dem was Lehrer den Kindern im Unterricht erzählen.
Und das alles ist schon für „deutsche“ Eltern viel und wenn man selbst oder das Kind dann noch mit Rassismus und Ablehnung konfrontiert ist wird es noch schwieriger, zuzüglich Sprachprobleme.

Ja, als Mutter verstehe ich wenn irgendwann nach Sprüchen wie: „Ihr Kind bräuchte…“ „Sie müssten..“ usw. die Gegenfrage kommt: „Haben Sie Kinder?“
Es ist ein Unterschied ob man eigene Kinder hat,für die man rund um die Uhr zuständig ist und die einem am Herzen liegen oder ob man morgens zur Arbeit geht, anderer Leute Kinder ein paar Stunden hat und dann daheim kinderfrei die Füße hochlegt und sich um die Kinder nicht mehr sorgen muss. Es gibt da eine Distanz die die man auch nicht überbrücken kann wenn man einige der Kinder die man täglich betreut mag und die Distanz zu jenen die man weniger mag ist noch größer.

 

Mein Lesestübchen

Schubladendenken

„Haben Sie Kinder?“ … „Nein? Dann können Sie das nicht verstehen…“

Mit diesem Satz werden Pädagogen immer wieder konfrontiert, wenn Eltern sich mit Lehrern oder Erziehern Gedanken um ein Kind machen.

Heißt das, jeder Lehrer, jeder Erzieher muss selbst Kinder haben um beruflich qualifiziert zu sein? Muss sich jede weibliche Pädagogin über die eigene Mutterrolle definieren, um mitreden zu können?

Ein Autofahrer muss keinen Mechanikerkurs besucht haben, um das Innenleben seines Autos zu kennen und wissen, wo die Schraube drückt, wenn das Vehikel auf vier Rädern muckt.

Pädagogen und Eltern haben oft unterschiedliche Sichtweisen und Wahrnehmungen, wenn sie sich gemeinsam über ein Kind austauschen und die unterschiedliche Wahrnehmung sowie der Austausch darüber – das Kind zuhause, das Kind im Kindergarten oder in der Schule – sollte zum Wohl des Kindes dienen. Die eingangs gestellte Frage ist jedoch oft ein Gesprächskiller, ein Zeichen von Schubladendenken.

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