Vorbei! Unser Festbeginn

Gestern gingen für uns 30 Tage Fasten zu Ende. Der Monat Ramadan ist vorbei und nun haben wir Shawwal, den 10.Monat des islamischen Kalenders. 30 Tage, weil der Mond sich nicht an die vorgefertigte Berechnung gehalten,sondern sich erst später gezeigt hat. Und wie schon mal erwähnt ist das Ende nicht problemfrei.

Einige haben trotz fehlender Mondsichtung bereits einen Tag vorher das Fasten beendet und diverse Moscheen zogen mit. Es bleiben für das Festgebet die übrigen. Die Moschee meines Vertrauens blieb mir dieses Jahr verschlossen-weil sie geschlossen wurde. Vor Monaten schon. Ganz! Dabei hatte sie auf dem Außengelände soviel Platz für so viele die in den Räumen keinen Platz mehr für das Gebet fanden. Wo sollen all diese Menschen hin?

Eine recht „gemütliche“ Moschee, die ich grundsätzlich mag lehnte ich ab. Beim Festgebet fühlt man sich im Gebetsraum wie in einer Sardinendose. Schulter an Schulter und Knöchel an Knöchel. Keine Bewegungsfreiheit und Kinder dazwischen… Außerhalb wegen der ungünstigen Lage keine Gebetsmöglichkeit. Also die Lieblingsmoschee meines Mannes. Ich war bisher nie dort, dabei ist sie nicht weit entfernt.

Mein Mann ging vom üblichen Beginn um 8:30 Uhr aus, ich las bei einer anderen Moschee etwas von 8 Uhr und leider hat eben genau diese Moschee keine Hilfreiche HP, sondern nur eine allgemeine Wer-wir-sind- und- was- wir- anbieten Informations-HP. Also kamen wir kurz nach 8 Uhr und uns kam bereits eine Frau entgegen, die offensichtlich auf dem Heimweg war. Sie meinte, wir sollten uns beeilen, es hätte schon begonnen.

Vor dem Eingang stand ein Ordnungsdienst, der vermutlich zuletzt die feste Überzeugung hatte, mein Mann würde kein Wort Deutsch verstehen. Er meinte der übliche Eingang wäre diesmal den Frauen vorbehalten und die Männer sollten den rückwärtigen Eingang nutzen. Mein Mann, irgendwie durch den Wind, marschierte Richtung Eingang, drehte um, meinte ich solle zum rückwärtigen Eingang, der Ordnungsdienst korrigierte und mein Mann blieb bei seiner falschen Richtung. Das Spiel wiederholte sich drei Mal bis mein Mann endlich in die richtige Richtung marschierte und ich nur noch den Kopf schüttelte.

Bereits der Weg zur Moschee war in seiner  Vorstellung in einer anderen Richtung und wenn ich mir überlege wie oft er offensichtlich einen riesen Umweg gefahren ist,muss ich wieder den Kopf schütteln. Und irgendwie habe ich das Gefühl, dieser Umweg ist tief bei ihm eingegraben und er wird ihn das nächste Mal wieder nehmen. Orientierungssinn: Mangelhaft.

Tja, und nun gingen wir also in die Moschee. der Große mit meinem Mann, der Kleine wollte diesmal unbedingt bei mir bleiben. Doch kann hatten wir den Eingang passiert folgten die Probleme. Die Frauen, vor allem mit Kindern kamen uns entgegen und erklärten das es keinen Platz gäbe. Kinder weinten panisch und mussten beruhigt werden. Einige Frauen brachten Teppiche aus dem Gebetsraum mit und so blieb nur das Gebet vor der Moschee auf dem Parkplatz. Gut, das der Ordnungsdienst dort war und sich schützend vor die Frauen stellte und die Autos abwies die dort parken wollten. Es sind Firmen in Reichweite deren Belegschaft wohl üblicherweise den Parkplatz mitnutzte.

Eigentlich wollten wir nicht nur zum Gebet bleiben, sondern auch die anschließende Predigt hören. So haben wir uns für danach verabredet, aber weil mein Großer von meinem Mann beim Winken überrascht wurde, haben wir auf die Predigt verzichtet. Der Große meinte nämlich er hätte uns vor dem Fenster gesehen und wir würden warten, also sah sich mein Mann genötigt aufzubrechen.

Tatsächlich befanden wir uns am anderen Eingang und waren nie vor dem Fenster. Von der Predigt war draußen kaum etwas zu hören, daher war ich für das Auftauchen meines Mannes recht dankbar.

Ich sah einige bekannte Gesichter, viele unbekannte und ich vermute,von der geschlossenen Moschee waren einige dort.

Zuhause gab es dann ein gemütliches Frühstück. Die Kinder hatten frei, mein Mann hingegen musste noch vor dem Frühstück zur Arbeit. Es gab Ballons und Geschenke. Natürlich viel Süßes, es wird ja auch Zuckerfest genannt. Aber nicht nur. Sogar ich bekam zwei Geschenke. Eine Schachtel Pralinen mit Milchcreme-Füllung und von meiner Großen eine Kette mit Herzanhänger auf dem „Mother“ steht. Sie trägt die dazugehörige zweite Kette mit der Aufschrift „Daughter“.

Ab Heute hat uns der übliche Alltag wieder, aber nächstes Jahr gibt es wieder einen Ramadan!

 

 

Mein persönlicher Ramadan

Die Fastenzeit ist für uns Muslime etwas besonderes. 29 bzw. 30 Tage pro Jahr von Sonnenaufgang bis -Untergang fasten, das heißt vor allem: nicht essen, nicht trinken.

Ich kenne den Satz: „Ich könnte das nicht“ sehr gut, aber genau genommen ist er falsch. Jeder könnte es, wenn er wollte. Natürlich gibt es Menschen die befreit sind, weil sie z.B. auf Reisen sind, oder schwanger, …Und Kinder sind natürlich auch befreit.

Mein 8jähriger möchte gern mitfasten und freut sich auf das Wochenende, denn wir haben ihm erlaubt am Wochenende zu üben, wenn er nicht zur Schule muss und am Anfang darf er, wenn der Durst zu groß wird, auch etwas trinken. Wir beginnen langsam.

Für mich war Ramadan nie so, denn als Konvertierte wächst man dort nicht rein wie ein Kind. Natürlich wusste ich- als aus einer katholischen Familie Stammende- das es auch eine christliche Fastenzeit gibt. Nur wirkliches Fasten habe ich nie erlebt denn es gab immer etwas zu essen und zu trinken. Hunger und Durst musste ich nie erfahren und etwas gemeinsames, verbindendes, lehrreiches gab es auch nicht.

Am Anfang war Ramadan recht schwer. Zwar bekommt man recht leicht die allgemeinen Regeln, aber danach wird es schwierig. Sonnenaufgang und -Untergang. Wann genau ist das? Erst mal schauen. Freundlicherweise gibt es Kalender die man in Moscheen und Geschäften bekommen kann. Doch teilweise stimmen die Zeiten nicht 100% überein. Zwangsweise musste ich mir die Frage stellen was nun richtig ist: Die eine Zeit oder drei Minuten später. Vielleicht nehme ich einfach eine Zahl dazwischen? Wie macht man das am geschicktesten?

Und dann ist das größte Übel: der Beginn des Ramadans. Im Fernsehen heißt es zwar: „Heute beginnt für Muslime…“, aber erstens ist es dann schon zu spät weil man längst mit dem Fasten hätte anfangen müssen und zweitens sagen einige das es noch nicht soweit ist. Wie regele ich das mit der Sichtung? Stell ich mich raus und such selbst nach dem Mond? Halte ich mich an deutsches Fernsehen, oder suche ich mir einige Muslime und richte mich nach denen und was ist mit den anderen? Schaue ich in einen Kalender, für den der Mond berechnet wurde?

Inzwischen gibt es den Koordinationsrat der schon auf Jahre im Voraus berechnet wann der Ramadan zu beginnen hat. Es gibt Mondsichtung.de wo man erfährt wann  der Mond wo und wie gesehen werden kann.Wähle ich globale Sichtung oder lokale? Es bleibt bei der Frage wem man sich anschließen möchte. Dieses Jahr haben wir uns für den Koordinationsrat entschieden, aber ich gebe zu, das ich mit dieser Entscheidung nicht glücklich bin. Nächstes Jahr werde ich mich wieder an der Mondsichtung orientieren.

Doch auch wenn Anfang und Ende eine persönliche Sache bleiben ist eines wichtig: Die meiste Zeit des Ramadan sind alle Muslime der ganzen Welt im Fasten vereint.

Da der Ramadan sich jährlich um circa zwei Wochen nach vorne verschiebt sind wir jetzt also bei Anfang Juni angelangt. Für nächstes Jahr sind wir dann schon bei Ende Mai und dazu gehören natürlich immer auch die Jahreszeiten und das Wetter.

Üblicherweise findet abends nach Sonnenuntergang das Fastenbrechen statt. Mit Datteln und Wasser oder Milch. Mein Mann ist großer Buttermilchfan, da ich sie auch sehr gern trinke nehmen wir meist diese oder „normale“ Milch. Danach gibt es eine sättigende Mahlzeit die den Durst nicht anregt, also wenig Salz enthält und nicht zu scharf ist. Meist gibt es noch Obst dazu und ich mache auch gerne einen Salat. Traditionell ist hingegen  Harira, eine Suppe die üblicherweise gekocht wird. Auch wenn die Zutaten immer ein wenig variieren, so gehören Kichererbsen und Tomaten immer dazu.

Zeitig schlafen gehen ist empfehlenswert den rechtzeitig vor Sonnenaufgang klingelt der Wecker für eine letzte sättigende Mahlzeit und viel Wasser. So kommt man über den Tag.

In den Sommermonaten ist das ganze natürlich schwieriger als im Winter. Es ist wärmer, oft sogar heiß und die Zeit zwischen Sonnenaufgang- und Untergang ist recht lang. Dafür ist die Schlafenszeit dann recht knapp. Für mich zu knapp und auch die Mädchen haben entschieden das sie früh morgens keinesfalls aufstehen wollen. Deshalb ist mein Mann allein in der Küche, isst noch Bananen, trinkt Wasser und weckt mich vorher, denn neben dem Bett steht für mich eine Flasche Wasser. Davon trinke ich soviel ich schaffe und dann schlafe ich weiter.

Ich bin Frühaufsteher und darum freue ich mich wenn Ramadan wieder in die Kalte Jahreszeit rutscht. Um 4 Uhr aufstehen und gleich wach bleiben kann ich gut. Um drei Uhr aufstehen und wach bleiben schaff ich nicht. Da bin ich tagsüber zu müde habe aber kaum Gelegenheit mal etwas zu schlafen.Irgendwo ist da meine persönliche Grenze.

Gestern Abend war es hauptsächlich Müdigkeit die mich quälte und für einen Moment war ich versucht einfach ins Bett zu gehen und auf das Fastenbrechen zu verzichten. Doch diesen Fehler erlaube ich mir nicht. Die Versuchung wird jedoch jeden Tag größer, denn jeden Tag geht die Sonne etwas später unter. Auch wenn es immer nur 1-2 Minuten sind.

Ein letztes Problem das man mit persönlichen Entscheidungen von Anfang und Ende des Ramadan hat ist das Festgebet am letzten Tag. Jener Tag an dem Aid-Ul-Fitr (Bayram bei den Türken) gefeiert wird. Also muss man schauen ob man eine Moschee findet die das Fest am selben Tag begeht wie man selbst. Es ist ratsam frühzeitig los zu gehen, denn i.d.Regel ist es sehr voll und wo sich die Möglichkeit findet gibt es oft zahlreiche Gläubige die in der Moschee keinen Platz mehr finden und außerhalb beten müssen. Im Winter und bei Regen nicht unbedingt ein Vergnügen.

Gedanken(los) und Ramadan

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Es ist Aid!

Aid-ul-Fitr. Das Fest des Fastenbrechens oft auch Zuckerfest genannt.

Zuckerfest weil es nach der Fastenzeit viel zuckriges gibt. Süßigkeiten für die Kinder, Gebäck für die Erwachsenen. Natürlich nicht nur. Neue Kleidung sollten sich möglichst alle leisten und damit schon zum Festgebet in die Moschee gehen. Bevor dann die Familien feiern und mal wieder bei Verwandten vorbei schauen.

Heute ist der zweite von drei Aid-Tagen und für mich ist es die Zeit mal über einige Dinge nachzudenken. Nicht mal wirklich bewusst, aber mir fallen Dinge ein und auf. Situationen,Begebenheiten,Erinnerungen…

Letzten Freitag als ich so mit einer Reihe Nicht-Muslimen beisammen war, da war es wieder so typisch:

25°C, die Sonne scheint. Man steht oder sitzt beisammen. jemand erwähnt das er Durst oder Hunger hat, fragt ob man auch möchte. Ich faste. Ach ja, ihr habt ja wieder Fastenzeit. Echt, und du fastest die ganze Zeit? Du isst nichts und trinkst auch nicht? Danach erfährt man als Fastender das die Person mit der man sich grad unterhält das ja nun absolut nicht könnte. Den ganzen Tag nichts essen, bis Abends Wann dürft ihr wieder? So spät? Ne, das könnte sie nicht. Nicht so lange, da hätte sie ja hunger. Aber das Trinken, vor allem auf das Trinken, nicht mal einen Schluck Wasser, den ganzen Tag bis Abends und es ist doch so warm…

Der Magen knurrt, der Mund ist trocken und bevor der Gesprächspartner schließlich zur Flasche Wasser greift um den eigenen Durst zu stillen erfährt man viel über Hunger und Durst eben jener Person die nicht fastet und sich nicht vorstellen kann zu fasten.

Szenenwechsel:

Ich steh in der Küche. Ich habe kleine Kinder die noch nicht fasten. Ich bereite ihnen was zu essen, sie sitzen am Tisch und essen gut gelaunt. Ich faste.

In meinen Augen Tränen. Alhamdulillah (Gott sei Dank!) Meine Kinder können essen.

Meine Tränen gelten jenen Kindern auf der Welt die von ihren Eltern nichts zu essen bekommen können. Meine Tränen sind für die Mütter die ihre Kinder hungern lassen müssen.

Ich weiß was Hunger ist. Ich kenne Durst.

Ich erlebe freiwillig 29/30 Tage Hunger und Durst ohne sie stillen zu können. Für mich endet das Leid bei Sonnenuntergang. Nach vier Wochen ist alles wieder normal.

Normal für Deutschland.