Veröffentlicht in Gesundheit

Steinreich!-Steinreich?

Ich bin steinreich, das weiß ich schon länger. Um genau zu sein bin ich reich an Steinen. In den Nieren und in der Galle.

Normalerweise stört es mich nicht, aber natürlich kann das unangenehm werden. So, wie Anfang dieser Woche. Da konnte ich vor Schmerzen nicht so recht vorwärts und rückwärts.

Nun, ich kenne das schon. Vor ein paar Jahren hatte ich bereits solche Schmerzen und auch Übelkeit und es war so schlimm, das mich letztlich ein Rettungswagen ins Krankenhaus brachte, weil ich keinen Schritt mehr gehen konnte.

Krank sein finde ich ganz furchtbar und Krankenhaus natürlich noch furchtbarer.Kein eigenes Bett, keine eigenen vier Wände,krank sein, Ärzte, Schwestern,.. Aber wenn es nicht anders geht…

Damals jedenfalls war das alles neu für mich. Die Warterei, die Untersuchungen, die Ungewissheit. Und manchmal war mir auch das Personal unheimlich.

Es war schon merkwürdig als ich zum Ultraschall sollte. Ein recht dunkler Raum, mehrer Ärzte(?), die an der Wand vor Computermonitoren hockten und plötzlich standen zwei vor mir, stellten sich vor, tasteten meinen, dank Schmerzmittel nicht mehr schmerzenden Oberbauch ab, und schnappten sich ihre Geräte. Leises, kaum verständliches flüstern,..

Immerhin verstand ich das sie auf einen Arzt warten wollten um seine Meinung abzuwarten. Die Art wie sie darüber sprachen ließ mich ahnen das es sich um eine Art Koryphäe handelt. einer von der Sorte, die andere beeindruckt und zu der sie mit Bewunderung aufsehen.

Ich verstand es ziemlich schnell nachdem ich ihn kennen lernen durfte. Kennerblick, routiniert und vom Typ her… Ich weiß nicht, an irgend wen hat er mich immer erinnert.Niemanden aus meiner Familie, eher eine bekannte Persönlichkeit aber bis heute kann ich nicht sagen wer.Auf jeden Fall war er der Typ gutmütiger Vater.

Kurzentschlossen entschied er das es unwichtig ist das wir bereits Freitag Nachmittag haben und er meinte eine Schwester solle noch mal aus dem Feierabend zurück gerufen werden, denn mich wollte er nicht bis Montag warten lassen.

Seine Entscheidung, an jenem Freitag rettete mir das Leben und dafür bin ich sehr dankbar. Auch dafür das er sich Zeit nahm um meine Fragen zu beantworten.

Ich erfuhr das er mir zwei Steine aus dem Gallenausgang gefischt hat und eben jenen Ausgang erweitert hat damit sich da nicht so schnell wieder etwas verfängt. Wir sprachen aber auch über eine Entfernung der Gallenblase und einige Ärzte die ich so traf während meines Aufenthaltes dort vertraten die Ansicht ich solle schnellstmöglich wiederkommen und sie mir entfernen lassen. Doch mein Lebensretter war ehrlich und gab zu das er mir nicht sagen könne wie die Konsequenzen aussehen.

Die möglichen Konsequenzen waren es aber die mich abschreckten. Womöglich gäbe es keine aber es kann auch schlimm werden. Eine Erzieherin aus dem Kindergarten meines Sohnes ist sehr stolz darauf das sie diese OP hat machen lassen und sie riet mir auch ausdrücklich dazu, aber ihr Leben hat aus meiner Sicht nicht mehr dieselbe Qualität wie meines. Ihr Speiseplan wurde extrem stark reduziert. Unendlich viele Lebensmittel verträgt sie nicht mehr und wenn sie mal was besonderes hat- ein Festessen,z.B. dann muss sie Medikamente schlucken zum Essen.

Nein, das gefällt mir nicht und ich muss sagen das ich seit damals absolut beschwerdefrei bin.

Zumindest bei der Galle. Diesmal hatte es also die Niere erwischt. Ein größeres Steinexemplar hängt im Harnleiter fest.

Ich habe es ohne Rettungswagen ins Krankenhaus geschafft, obwohl denen das wohl nicht so recht war. Sie waren überrascht und geradezu entsetzt das niemand mich geschickt hatte, kein Arzt mich vorab untersucht hat und ich einfach auftauchte mit meinen Beschwerden.

Ich war nicht allein. Meine Tochter hatte darauf bestanden mich zu begleiten. Sie wusste das ich starke Schmerzen hatte. Sie kennt mich. Ich schreie nicht. Ich jammere nicht. ich leide still und wer mich kennt, sieht es an meinem Gesicht. Außerdem traute sie den Menschen da draußen nicht. Was wenn ich umkippe? Weden sie einer Frau mit Kopftuch helfen? Lassen sie sie einfach liegen? Nein, sie wollte dabei sein; sicher stellen das ich wirklich gut im Krankenhaus ankomme. Und so trafen wir schließlich nach Umwegen in der Urologie auf Schwester Sabine.

Schwester Sabine, sah meinen Schmerz nicht, aber sie sah das es dauerte, das alles voll war und jedesmal wenn sie an mir vorbei ging, warf sie mir ein aufmunterndes und auch bedauerndes Lächeln zu und berührte kurz meinen Arm. Meine Tochter schickte sie ins Wartezimmer, ich durfte schon mal nahe dem Untersuchungszimmer warten und endlich war es so weit. Sie brachte mich rüber und kaum das wir den Raum betraten meinte sie“ Ach, sie brauchen  ihre Tochter zum Übersetzen, oder?“

Sie sagte es so liebenswürdig das ich mir ein lächeln nicht verkneifen konnte-trotz Schmerzen. Meine Tochter war schon auf dem Heimweg, denn mein Sohn hatte fast Schulschluss un den sollte sie in Empfang nehmen. Vielleicht hätte ich mir sonst den Spaß mit dem Dolmetschen gegönnt, aber so erklärte ich ihr nur das ich sie hervorragend verstehe.

Überhaupt war Schwester Sabine nicht die einzige sympathische dort Die Ärzte,Schwestern und Pfleger die ich an jenem Tag dort alle kennen lernen durfte, waren alle lieb und hilfsbereit. Obwohl ich mich über einen der Oberärzte geärgert habe, aber ich denke er meinte es nicht mal böse, nur hat er in mir jemanden gefunden der gern auf eine klare Frage auch eine klare Antwort möchte. Und wenn ich frage ob er weiß wie lange es noch dauert bis ich in den OP komme und er antwortet „gestern“, dann verstehe ich zwar was er sagen will, aber ein „Ich weiß es nicht“ oder ein „Es kann noch zwei Stunden dauern“ ist mir lieber. Man kann es nicht allen recht machen.

Nun, letztlich kam ich dran, bekam eine Schiene gelegt und  demnächst muss ich noch mal hin damit die wieder entfernt wird und dann soll auch eine Stoßwellentherapie gemacht werden um den Übeltäter endgültig aus dem Harnleiter zu schubsen.  Die Schiene hat zudem die Aufgabe den Harnleiter zu erweitern und so stehen die Chancen gut, das ich – zumindest rechtsseitig- keine weiteren Probleme haben werde.

Ich hoffe nicht, das demnächst dann der linke Harnleiter verstopft ist.