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Erinnerungen an meine Tante

Mein Onkel ist verstorben.                                                                                    Wir hatten lange keinen Kontakt. Früher, da war er mein Lieblingsonkel. Diesen Status zu erreichen ist nicht schwer gewesen, denn er war mein einziger Onkel. Meine Tante,seine Frau, war „schwierig“. Ein direkter Mensch, der nicht schwieg sondern sagte was gesagt werden sollte. Das entsprach nicht meiner Erziehung. Ich lernte das alles daheim in den vier Wänden bleiben muss, das man immer höflich und nett ist, das man schweigt, auch wenn man sich über etwas ärgert und vor allem das man sich nicht in die Angelegenheiten anderer Leute einmischt.

Es ist nicht immer verkehrt sich erstmal an die eigene Nase zu fassen statt mit dem Finger auf andere zu zeigen, aber es ist auch nicht immer richtig zu schweigen wenn Dinge falsch laufen. Das richtige Abwägen ist wohl die Kunst dabei.

Meine Tante hat mir teilweise Dinge gesagt, die mir nicht gefielen: meine Nägel waren nicht ordentlich gefeilt und nicht kurz genug geschnitten, meine Haare zu lang und nicht richtig frisiert…

Ich erinnere mich wie sich mich oft auf ihren Schoss setzte, ihr Maniküretäschen aus der Handtasche holte- oder aus dem Handschuhfach des Autos um mich dann zu bearbeiten. Auch einen Kamm hatte sie immer dabei und damit waren meine Haare vor ihr nicht sicher.

An viele andere Dinge erinnere ich mich nicht und ich besitze auch nur wenig Fotos-vor allem von meiner Tante. Ich habe sie verstehen und schätzen gelernt, aber es hat viele Jahre gedauert. Wohl zu viele. Sie starb 2008 an Krebs.

Nun ist also ihr Mann gestorben. Ich war das erste mal seit Jahren wieder in der Wohnung und alles woran ich mich erinnerte war ein Bild im Wohnzimmer. Alles andere war mir fremd- auch der Mann der dort gelebt hatte.

Bei der Durchsicht von Unterlagen und Besitz wurde mir eines klar: er war schon lange tot. Gestorben am jenem Tag, an dem auch seine Frau starb. Was blieb war ein Körper der irgendwie weiter existierte. Ein Körper der nicht stehen blieb und doch nicht vorwärts ging.

Was ich mitnahm waren Erinnerungen. Alben mit Fotos, die ich nicht kannte, Fotos die ich mal gesehen hatte und Fotos an Begebenheiten von denen ich schon nichts mehr weiß.

Wie diese beiden Bilder:

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Ja, das kleine Kind war ich und die Frau meine Tante. Ich kann mich nicht daran erinnern vorher schon einmal eines dieser Bilder gesehen zu haben. Der Hund, mit dem wuchs ich auf. Susi. Susi war ein Goldstück, nicht nur farblich. Sie nahm mir nicht mal übel wenn ich als unbedarftes kleines Kind ihr weh tat. Als sie mit etwa 14 Jahren an Altersschwäche starb hat mich das sehr getroffen. Es kündigte sich lange an, wir waren vorbereitet, aber Verlust ist schmerzhaft ob mit Vorbereitung oder nicht.

Ich habe noch einige Bilder gefunden und ich werde wohl noch einige einstellen in nächster Zeit.

 

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