Als ich zehn war…

lautet der Name von Zwetschgenmann´s erster eigener Blogparade für den Monat Oktober und der Titel hat mich doch sehr gereizt, weil ich gern immer wieder in Erinnerungen wühle.

Nun bin ich nicht mehr Anfang 20 und entsprechend lang ist dass dann doch schon her. Ich muss gestehen, ich musste erst einmal die Suchmaschine befragen um meine Erinnerung anzukurbeln.

Dank Youtube kenne ich jetzt die Top Songs/ Best of Songs von 1981 und damit die Namen einiger Sänger/Gruppen von denen ich gar nicht (mehr) wußte das es sie mal gab. Juice Newton, z.B., aber ich habe das Lied “ Angel in the Morning“erkannt. Air Supply,Bill Withers,Raydio,Eddie Rabbit,… Nun, dafür erinnere ich mich an ABBA, Blondie,Kool & The Gang, REO Speedwagon und einige andere.

Die Serie „Dallas“ nahm damals ihren Anfang und ich erinnere mich daran, das wir die immer ansahen. Einige Filme mit Bud Spencer und Terence Hill gab es was mich wiederum daran erinnert, das Bud Spencer vor kurzem erst starb. „Asso“ mit Adriano Celentano oder Louis de Funès mit seinen ausserirdischen Kohlköpfen. Komödien waren wohl mein Ding.  Der erste Schimanski-Tatort wurde gesendet. Ansonsten war das Fernsehereignis die Hochzeit von Prinz Charles und Lady Diana.

Zwetschgenmann´s Fragen:

Das, mit dem Ihr Euch heute in Eurem Blog beschäftigt, wie war das, als Ihr zehn ward?
Hat Euch das  damals schon interessiert oder war kein Gedanke daran?
Gab es das überhaupt schon (in Eurem Leben) und wenn ja, welche Rolle hat es gespielt? Was habt Ihr erlebt?

Nein, das war damals absolut kein Thema für mich.

Welche Hobbies hattet Ihr?

Lesen,lesen,lesen und ansonsten hatte ich Fahrrad,Rollschuhe,Roller und viel Platz zum spielen

Wo ward Ihr im Urlaub?

Urlaub fiel bei uns aus. Ein paar Jahre früher waren wir mal in Holland und später war ich auch noch weg, aber in dieser Zeit gab es keinen Urlaub.

Wie war der Schulwechsel?

Bis einschließlich vierte Klasse wurde ich morgens mit Bus abgeholt und über die Dörfer kutschiert um dann pünktlich in der Schule zu sein, aber jetzt durfte ich den öffentlichen Bus nehmen und allein fahren. Das war schon aufregend und ich hatte von der Bushaltestelle bis zur Schule noch einen 10 minütigen Fußweg. Fahrpläne und Uhrzeiten spielten plötzlich eine Rolle.Dafür konnte ich länger schlafen.

Neue Lehrer, neue Fächer, aber gleichzeitig ein Großteil meiner Grundschulkameraden, die mit mir dorthin wechselten.

Stress wegen Übertritt gab es damals noch nicht. Wir hatten ja noch die Orientierungsstufe, die uns zwei Jahre länger die Möglichkeit gab unseren Weg zu finden.

Hattet Ihr ein Haustier?

Oh ja, mehrere. Natürlich unser Hund Susi, dann noch Wellensittiche, Hasen, Meerschweinchen, Hamster und Katzen

Habt Ihr Sport gemacht?

Nicht gezielt als „Sport“, aber just for fun Radfahren usw. Ich musste zwar des öfteren Sprinten um meinen Bus zu erwischen, aber im Schulsport war ich dennoch jemand den niemand in der Mannschaft haben wollte.

Was habt Ihr gern gegessen, was getrunken?

Was im Garten so wuchs hab ich recht gern gegessen, aber nicht alles und getrunken? Natürlich Saft, mal eine Limo, Kakao

Welches Spielzeug war schon aussortiert, was habt Ihr noch benutzt?

Hm… gute Frage. Womöglich hatte ich meinen Puppenwagen noch, aber sicher bin ich mir nicht. Außer dem und meiner Puppe Jessica gab es noch meinen Teddy Daniel, aber sonst hatte ich gar nicht so viel Spielzeug. Aber ich spielte gern mit Strohballen auf dem Dachboden. Da wurde ein Thron gebaut und oben saß dann die Prinzessin. Außerdem gab es dort eine Tafel mit Kreise und einen kleinen Tisch,..

Wie habt Ihr Euch gekleidet?

Vorzugsweise so, das es mir gefiel, auch wenn meine Mutter da gern mal zwischen funkte. Meine Freundin bekam Röcke von ihrer Mutter gestrickt, die fand ich toll. Irgendwann fing meine Mutter freundlicherweise auch an mir einen zu stricken, aber ich glaub, ich kam nie dazu ihn zu tragen.

Welche Musik habt Ihr gehört?

Was so im Radio oder Fernsehen lief.

Wie war die politische Großwetterlage?

  • Helmut Schmid (SPD) war Bundeskanzler. Koalitionspartner der Regierung war die FDP.
  • Die Arbeitsmöglichkeiten von Asylbewerbern werden eingeschränkt.
  •  Großdemonstrationen von Atomkraftgegnern waren „normal“
  • In Berlin gibt es Straßenschlachten zwischen Hausbesetzern und Polizisten.
  • AIDS wurde das erste mal erwähnt- vom US-Seuchenschutz.
  • Papst Johannes Paul II wurde angeschossen. Der CIA bemühte sich das Attentat dem bulgarischen Geheimdienst in die Schuhe zu schieben.
  • Im Iran war der Schah gestürzt worden. Rockefeller (Chef der Chase Manhattan Bank),Kissinger und der Präsident der Weltbank drängten darauf ihn nach Amerika ins Exil zu holen. Jimmy Carter gestattete die Aufnahme des Schahs trotz aller Warnungen und dies führte zur Geiselnahme von 52 US-Diplomaten im Iran,die der eher friedliebende Carter mit der Rückgabe des, in Amerika liegenden, iranischen Vermögens freikaufte. Eine heimliche Absprache mit Chomeini sorgte jedoch dafür das die Geiseln erst nach der Wahl freigelassen wurden, daher wurde Carter nicht wiedergewählt und sein Nachfolger Reagan schickte nach seinem Amtsantritt mehrfach verdeckt Waffen in den Iran.
  • Obwohl Carter, der ursprünglich eher für eine Begrenzung des Wettrüstens war,änderte zum Ende seiner Amtszeit  seine Haltung, beantragte die größte Menge Rüstungsausgaben seit dem Vietnamkrieg und unterstützte den Aufbau der Diktatur in Ägypten. Reagan trieb aggressive Kriege mit Mittelstreckenraketen voran und förderte Terrorakte durch die NATO-Geheimarmee Gladio.
  • Des weiteren unterstütze Reagan terroristische Anschläge in Nicaragua um die sandinistische Regierung zu stürzen. Dazu finanzierte er die Contras die hauptsächlich aus Honduras operierten und terroristische Anschläge auf die Landbevölkerung unternahmen.
  • In El Salvador wurde die rechte Militärregierung durch Reagan gegen die Opposition unterstützt. 40.000 Ermordete hatte dies zur Folge.
  • In Spanien fand der bedeutsamste Putschversuch der Geschichte statt. Ziel war der Sturz der Demokratie die sich nach dem Ende der Diktatur entwickelt hatte und Spanien neben einer Wirtschaftskrise aus der Sicht vieler, viele Probleme beschert hatte. Der Putsch misslang.
  • München litt unter den Nachwehen des im Vorjahr statt gefunden Terroranschlags auf dem Oktoberfest. Man schrieb die Tat schließlich einem Einzeltäter zu, während Zeugenaussagen die für eine Beteiligung einer ganzen Gruppe Neonazis sprechen ignoriert wurden. Im Herbst fand man 30 Erd-Depots im Wald die mit Sprengstoff, Handgranaten usw. gefüllt waren. Die Herkunft ist ungewiss und führte in neuerer Zeit zu der Vermutung das Gladio etwas damit zu tun hat.
  • Ebenfalls in diesem Jahr und in München fand ein Bombenattentat auf die beiden Radiosender Radio Free Europe und Radio Liberty. Beide waren von der CIA unterstütze Propagandasender die in Osteuropa,Mittlerem Osten und Zentralasien in 28 Sprachen sendeten.
  • Bombenanschlag auf das US-Hauptquartier der US-Streitkräfte in Ramstein/Pfalz. Die RAF bekannte sich zu dem Anschlag und nannten als Ziel das die Menschen in der BRD eine körperliche Vorstellung davon bekommen was für Menschen in Afrika, Asien, Lateinamerika seit Hunderten von Jahren Wirklichkeit ist
  • In Abu Dhabi wird der Golf-Kooperationsrat gegründet. Die Mitglieder Katar, Saudi Arabien,Kuwait, Bahrain usw sichern sich im Verteidigungsfall gegenseitige Unterstützung zu. Die US- Armee unterhält einen der strategisch wichtigsten Militärstützpunkte in Bahrain.
  • Griechenland wird Mitglied der EU.

Hat Euch das überhaupt interessiert oder beeinflusst?

Nein, ich habe davon vielleicht mal in den Nachrichten gehört, es aber weder verstanden noch Interesse daran gehabt.

Die Teilnehmerliste findet ihr hier: Klick

Kindheitserinnerungen #4

Die Blogparade von Nina-bloggt geht mit dem Thema Kindergartenzeit in die vierte Runde.

Nun, meine Erinnerung ist schnell beschrieben. Ein Gruppenraum mit einer Puppenecke am Fenster, in der ich mal war. Eine Ecke mit Tischen und Stühlen wo wir unser Frühstück einnahmen. Ein Teewagen daneben auf dem bunte Plastikbecher mit Milch und Kakao standen und ein Aussengelände mit Sandkasten und Röhren die auch auf Baustellen genutzt wurden zum durch kriechen.

Das meine Erinnerung nicht umfangreicher ist, liegt schlicht daran, dass ich nicht lange im Kindergarten war. Die Mitarbeiter legten nach kurzer Zeit meiner Mutter die Idee ans Herz mich wieder abzumelden, denn ich wurde dort nicht „warm“, sprich: ich fühlte mich nicht wohl, fand keinen Anschluss und war zu schüchtern.

Das war das Ende meiner Kindergartenzeit und ich durfte noch drei Jahre zuhause bleiben. Ich denke meine Kindergartenzeit umfasste maximal 6 Monate, eher weniger.

 

 

 

Damals… Teil 2

Damals und Heute…

Momentan beschäftigt mich das sehr, auf verschiedenen Ebenen. Nicht allein deshalb weil ich immer noch gern durch die alten Fotoalben meines Onkels blättere, sondern weil mich auch die momentane Situation hier in Deutschland erschreckt. Nicht allein rein politisch, vielfach auch rein menschlich.

Der aktuellste Anlass zum Nachdenken war ein Artikel den ich vor ein oder zwei Tagen las. Es ging dabei um „Happy Slapping“. Bis dahin hatte ich davon nichts gehört. In jenem Artikel ging es um eine Gruppe Jugendlicher die spät Abends völlig unerwartet eine Frau niederschlugen die allein unterwegs war. Es hieß das solche Attacken in der Regel gefilmt und auf Youtube hochgeladen werden. Ich fragte mich was mit einer Jugend los ist die es als besonderen Reiz empfindet Wehrlose derart zu behandeln und sich dann mit einer solchen Tat öffentlich zu brüsten. Meine Gedanken wanderten hin und her, schon allein deshalb weil bei den Kommentaren, mal wieder, nur nach Strafen geschrien wurde. Es erinnert mich an die Flüchtlingsdebatte und so viele andere Debatten. Wie strafen wir? Wie rächen wir uns? Aber niemals: Warum ist das so??? Wie können wir die Ursachen bekämpfen???

Ein Bild aus den Kindertagen meiner Mutter und ihrer Brüder:

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Meinen „linken“ Onkel lernte ich nie kennen. Er starb noch vor meiner Geburt. Ich wusste natürlich das es ihn gab, aber die Ursache seines Todes war so eine Sache. Ich hatte eine Erinnerung daran dass meine Mutter mal einen Motorradunfall erwähnte, aber sie leugnete das bei einem Gespräch und meinte es sei ein Herzinfarkt gewesen. In den Unterlagen meines Onkels las ich jedoch „Unbekannte Ursache“. Zusammengefasst heißt es dann auf jeden Fall, das er an einem Herzstillstand starb-die übliche Todesursache bei allen Menschen. Warum es stehen blieb? Nun ja, das lässt sich wohl nicht mehr klären.

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Kommunion

Wie ich schon mal erwähnte war unsere Familie Katholisch und so sind die Drei auch aufgewachsen. Trotz Nachkriegszeit und mit allem was damit zusammenhängt war die Religion der ausschlaggebende Punkt. Werte waren selbstverständlich. Respekt vor Älteren, Hilfsbereitschaft, Höflichkeit, Rücksichtnahme…

Natürlich habe sich damals Jungs auch geprügelt, so wie heute. Aber es waren gezielte Angriffe. Da hat man Zoff mit dem Mitschüler und dann wird gerauft. Es war eine persönliche Angelegenheit, Fremde waren da nicht das Ziel. In einer Gruppe auf Einzelne losgehen war auch damals ein Problem, aber selten und auch da war es eher persönlich. Das damalige Mobbing, was nicht so genannt wurde. Aber einfach aus Spaß?

Der Zusammenhalt in Familien war vorhanden. Man stand zueinander. Als Kind habe ich es gehasst nicht sagen zu können:“ ich sag´s meinem großen Bruder, wenn du mich ärgerst“ Ich habe dummerweise keinen, daher habe ich alle mit großem Bruder beneidet.

Heute steht jeder allein. Da sind alte Leute deren Kinder für Arbeit und Karriere weg gezogen sind und die nun zusehen müssen. Da sind Kinder die nicht wissen was es bedeutet Geschwister zu haben. Da sind Familien, die mit dem Begriff Verantwortung und Zusammenhalt nicht viel anfangen können weil ein Elternteil, oder auch beide neue „Lebensabschnittsgefährten“ haben- bis zur nächsten Trennung…

Stabile Familienverhältnisse, Verantwortung für Entscheidungen übernehmen das lernen heute so viele nicht mehr. Die Menschen sind so stolz auf ihre Freiheit das sie das Gefängnis der Konsequenzen nicht sehen (wollen).

Es heißt: „Respekt muss man sich verdienen“, aber wenn ich 40 Jahre Leben hinter mir habe, habe ich dann keinen Respekt einfach auf Grund dieser Tatsache verdient? Meine Große fragt mich immer „Wie seit ihr ohne PC und Handy bloß zurecht gekommen?“

Naja, ich brauchte keinen Termin um meine Freunde zu sehen, ich bin einfach vorbei gegangen- ohne vorher anzurufen, denn wir hatten nicht nur kein Handy, sondern auch kein Telefon. Wenn wir krank waren gingen wir zum Arzt in die Sprechstunde, denn die war dafür da das Leute ohne Termin zum Arzt gehen. Nicht wie heute wo man bitte möglichst auch da nur mit Termin kommt…

Mein Leben als Kind war um soviel einfacher und bescheidender als das Leben der Kinder heute und doch so luxuriös im Vergleich zum Kinder-Leben meiner Mutter und ihrer Brüder. Aber gerade darum wohl lernte ich Dankbarkeit für alles was ich hatte. Lebensmittel in den Müll werfen, Wasser verschwenden,… so etwas war bei uns nicht erlaubt. Wir dankten Gott für das was wir hatten und gedachten der Menschen die weder sauberes Trinkwasser noch Essen zur Verfügung haben. Mitleid ist eine wichtige Empfindung. Für meine Mutter war es sicher einfacher, da sie 1941 geboren wurde und erlebte wie es ist wenig zu haben und verzichten zu müssen. Aber man kann diese Dinge weitergeben auch in einer Welt des Überflusses, wie wir sie heute haben, wo alles nur zum Wegwerfen und Neukaufen geschaffen wird.

Jugendliche die aus Spaß Menschen schlagen sind das Ergebnis einer Gesellschaft die Werte zugunsten von Karriere und Konsum geopfert hat. Eine Ellenbogengesellschaft wo jeder den anderen Übertrumpfen muss um ein Stück vom Kuchen zu bekommen. Wo nur derjenige zählt und weiterkommt der ordentlich austeilen kann.