Veröffentlicht in Christentum, Deutschland, Religion

Gedanken zur Erbsünde

Vor ein paar Wochen las ich auf einem Blog im Kommentarbereich eines Artikels eine Äusserung des Blogautors die mich immer noch beschäftigt.

„Die Erbsünde ist leicht erkennbar, wenn man mal Nachrichten guckt.“

Die Erbsünde ist kein einfaches Thema, denn es ist vor allem vielschichtig und die Übersicht zu behalten ist schwer. Es beginnt im Grunde damit das in der Bibel keine Erbsünde erwähnt wird sondern diese erst nach Jesus(s) thematisiert wird. Im Laufe der Zeit wurden Ansichten verändert. So hieß es mal Ungetaufte kommen nach ihrem versterben in die (Vor)Hölle. 2007 entschied sich der Vatikan jedoch gegen diese Ansicht (Im zeitgenössischen Kontext des kulturellen Relativismus und religiösen Pluralismus hat die Anzahl nicht getaufter Kinder erheblich zugenommen, und daher ist das Nachdenken über die Möglichkeit der Rettung für diese Kinder dringlich geworden). 

dringlich geworden.

Wie im letzten Artikel erwähnt hat das Konzil von Trient entschieden das mit der Taufe die Erbsünde vollständig getilgt wird, was die Kindertaufe notwendig macht.

Wenn die Erbsünde aber mit der Taufe ausgelöscht wird…

  • wird die Erbsünde die in den Nachrichten erwähnt wird nur von Ungetauften begangen.

oder:

  • muss es einen Unterschied zwischen Erbsünde und Sünde geben und in den Nachrichten werden Sünden aber nicht die Erbsünde erwähnt

oder:

  • die Taufe ist nutzlos und alle Menschen machen sich der (Erb)sünde schuldig.

Das bringt uns zu der Frage was genau die Erbsünde ist.

Zunächst einmal ist die Erbsünde nichts was man getan hat, denn  sie ist- so sagt es die Kirche – etwas das uns durch Adam und Eva angelastet wird. Also eher ein Zustand. Wie kann ein Zustand in den Nachrichten erwähnt werden? Man müsste schon die Erbsünde neu begehen, was bedeutet wir müssten wissen was genau Adam und Eva getan haben.

Laut Katechismus der Katholischen Kirche  bestand die Erbsünde in Stolz, der Missachtung Gottes und schwerem Ungehorsam gegen Gott. 

Das wiederum bringt weitere weitreichende Überlegungen mit sich.

  1. War Adam und Eva klar wessen sie sich schuldig machen?
  2. Warum hat Gott die Verführung durch die Schlange nicht verhindert?
  3. Ist es gerecht alle Menschen wegen der Verfehlung von zweien zu bestrafen?
Adam und Eva hatten ein wenig Ähnlichkeit mit neugeborenen Kindern, denn sie waren gerade erschaffen worden. Entsprechend wenig Wissen hatten sie von so ziemlich allem.
In der Einheitsübersetzung vom Buch Genesis, Kapitel 3 lesen wir:

Die Schlange war schlauer als alle Tiere des Feldes, die Gott, der Herr, gemacht hatte. Sie sagte zu der Frau: Hat Gott wirklich gesagt: Ihr dürft von keinem Baum des Gartens essen? Die Frau entgegnete der Schlange: Von den Früchten der Bäume im Garten dürfen wir essen;nur von den Früchten des Baumes, der in der Mitte des Gartens steht, hat Gott gesagt: Davon dürft ihr nicht essen und daran dürft ihr nicht rühren, sonst werdet ihr sterben.  Darauf sagte die Schlange zur Frau: Nein, ihr werdet nicht sterben. 5 Gott weiß vielmehr: Sobald ihr davon esst, gehen euch die Augen auf; ihr werdet wie Gott und erkennt Gut und Böse.

zu 1. Die Schlange war schlau und behauptete Gott hätte gelogen oder zumindest einen Teil der Wahrheit nicht erwähnt als er sagte Adam und Eva müssten sterben wenn sie die verbotenen Früchte essen.
  • Konnten Adam und Eva wissen wer lügt und wer die Wahrheit sagt wo sie doch von Gut und Böse vor dem Essen der Früchte keine Ahnung hatten?
  • Wussten sie was es bedeutet zu sterben?
Das wiederum bringt uns auch gleich zu 2.:
Wenn Gott klar war das er mit der Schlange einen schlauen Verführer in die Reichweite von zwei Unwissenden gelassen hat,warum hat er sie dann weder vor vor dieser Verführung gewarnt noch diese verhindert?
  • Wollte Gott das Adam und Eva  der Beginn einer generationen-übergreifenden Erbsünde sind?
Wenn die Antwort „Ja“ lautet bringt uns das zu folgenden Fragen:
  • War der Sündenfall jenes ersten Paares notwendig um die Erbsünde zu den Menschen zu bringen oder hätte Gott den Menschen von Anfang an als sündig und belastet deklarieren können?
  • Gab es die Erbsünde in Wahrheit schon vorher?
  • Warum hat er den Menschen Regeln (Gebote/Verbote) gegeben, wenn ER doch eine von Natur aus sündige Menschheit wollte?

Machen  wir hier mal einen Schnitt und gehen zurück zu der Frage nach dem Unterschied der Sünden.

Zu diesem Thema heißt es im Katechismus der KK von 1997:

1853 Wie alle menschlichen Handlungen kann man die Sünden nach ihrem Gegenstand unterscheiden oder nach den Tugenden, zu denen sie durch Übertreibung oder Mangel im Gegensatz stehen, oder nach den Geboten, denen sie widersprechen. Man kann sie auch in Sünden gegen Gott, gegen den Nächsten und gegen sich selbst einteilen, in geistige und in fleischliche Sünden oder auch in Sünden, die man in Gedanken, Worten und Werken oder durch Unterlassungen begeht. Wie der Herr lehrt, liegt die Wurzel der Sünde im Herzen des Menschen, in seinem freien Willen: „Aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsche Zeugenaussagen und Verleumdungen. Das ist es, was den Menschen unrein macht“ (Mt 15,19). Im Herzen wohnt auch die Liebe, die Ursprung der guten und reinen Werke ist. Diese wird durch die Sünde verwundet.

Hier wird nun endlich auf den freien Willen des Menschen hingewiesen. Das würde aber die Frage nach dem Zusammenhang mit der Erbsünde aufwerfen. Kann jeder frei wählen oder sind wir von Geburt an sündig?

KKK(1997)1. Teil:Das Glaubensbekenntnis -Die Erbsünde, 388 Man muß Christus als den Quell der Gnade kennen, um Adam als den Quell der Sünde zu erkennen. Der Heilige Geist, den der auferstandene Christus uns sendet, ist gekommen, um ,,die Welt der Sünde zu überführen“ (Joh 16,8), indem er den offenbart, der von der Sünde erlöst.

Also: Adam und Eva müssen sündigen damit ein Unschuldiger gefoltert und ermordet wird um den zu offenbaren der von der Sünde erlöst?

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