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Zuhause II-4

Deutschland hat uns wieder. Ich bin froh dass ich die ersten Tage frei hatte, denn die Umstellung war gar nicht so einfach. In Marokko war der Sonnenuntergang recht zeitig, daher haben wir abends so zwischen 19:30 Uhr und 20 Uhr gegessen. Hier wird es nach 21 Uhr. In Marokko aßen wir gegen viertel vor 2 morgens und hier stehe ich um 2:30 Uhr auf zum essen. In Marokko habe ich danach ausgeschlafen, hier klingelt mein Wecker früh und zu guter Letzt: die 26°C angenehme Temperatur ist ganz anders als 28°C brütende Hitze/Stadtluft hier. Schön wieder hier zu sein und doch würde ich gern erst im Herbst wiederkommen.

Um meine Serie der Familienvorstellung aber mal fortzusetzen, kommen wir mal zu dem ältesten meiner Schwager.

In Deutschland ist es schon schwierig wenn ein Kind hochbegabt ist. sofern man dies feststellt ist es für Lehrer deren Studium auf Gleichschaltung ausgerichtet ist, schwierig damit umzugehen. Auch Eltern haben da oftmals ihre Probleme und sofern die Hochbegabung diagnostiziert wird, muss man schon am Ball bleiben um das Kind richtig zu fördern. In Marokko ist das noch ein Tick schwerer. Stöhnen wir hier wenn 30 Kinder in der Klasse sitzen, sind es in Marokko durchaus auch mal 40 und das Augenmerk der Lehrer ist weit weniger auf spezifische Bedürfnisse von Kindern ausgerichtet. Mein Schwager nun ist eines dieser unterforderten und nicht diagnostizierten Kinder, bzw. inzwischen ist er mit Mitte 30 erwachsen.

Grundsätzlich ist er ruhig, eher still. Wird er wütend hört man ihn dennoch nicht schreien, eher erhebt er seine Stimme und man sieht an seinem Gesicht das er wütend ist. Ebenso ist es bei allen positiven Emotionen. Er ist eine Art ruhender Pol, der besonnen argumentiert und berichtet.

Sein absolutes Steckenpferd ist Mathematik. Wo andere büffeln und Bücher wälzen, schüttelt er sich alles aus dem Ärmel, wie man so schön sagt. Überhaupt hat die Familie ein Faible für Mathematik, aber bei ihm ist es besonders intensiv.

Was ich persönlich so wohl lustig als auch anstrengend finde ist seine Art Englisch und Französisch zu mischen. Er beginnt ein Gespräch, manchmal auch nur einen Satz in Englisch und fällt plötzlich ins französische. Da meine Französisch-Kenntnisse echt in den Kinderschuhen, eher Babyschuhen stecken, muss ich mich ganz schön konzentrieren um mitzukommen.

Seit Baba nach Rabat ins Krankenhaus musste lebt er allein in der elterlichen Wohnung in Fes. Samstag früh steigt er in den Zug um die Familie zu besuchen und Sonntag Vormittag geht es zurück. In Fes hat er einen Job und nebenbei schreibt er seine Doktorarbeit. Im Oktober gibt es einen wichtigen Termin bei dem er diese Arbeit präsentieren muss und das wird hier in Deutschland sein. Unser aller Hoffnung liegt darin, dass ihm diese eine gute Arbeitsstelle beschert.

 

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Zuhause II-3

Meine jüngste Schwägerin, das Küken der Familie, ist mittlerweile auch schon 26 Jahre. Eine lustige, nette junge Frau, die sich erst vor kurzem entschlossen hat Kopftuch zu tragen. Grundsätzlich kleidet sie sich eher westlich.

Sie ist die einzige die in Fez geboren wurde. Sie fängt mit dem Lernen von haushälterischen Dingen erst an. Daher hilft sie viel, lässt alles begutachten und wird langsam selbstständiger.

Eine Weile hatte sie überlegt in Deutschland zu studieren aber sie hat die Sprachprüfung nicht bestanden. Verstehen kann sie sehr gut, nur bei der Sprache hapert es. Sie freut sich daher immer wenn sie mit uns etwas sprechen kann.

Sie lacht viel und gern. Derzeit ist sie krank aber trotz Schmerzen verliert sie ihre gute Laune nicht.

Meisst ist sie mit ihrer Schwester anzutreffen aber sie albert auch gern mit ihrem Brüdern rum. Am schlimmsten ist es mit dem jüngsten Sohn der Familie. Beide zusammen sind manchmal wirklich kaum noch erträglich. Sie ärgern sich permanent gegenseitig. Auch meine Jungs haben Gefallen daran gefunden und beteiligen sich rege.

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Zuhause II-2

Meine „älteste“ Schwägerin ist die erstgeborene der Familie. Mittlerweile 40 Jahre und die eigentliche Herrin des Hauses.

Nach der 8. Klasse überließen die Eltern ihr die Entscheidung ob sie weizer zur Schule gehen oder lieber der der Mutter zu Hause helfen wollte. Sie entschied sich zu helfen und die Eltern erkannten bald das es falsch war sie danach zu fragen, aber es war zu spät. Ungebildete Mädchen sind keine beliebten Heiratskandidatinnen. So lernte sie kochen,backen und was sonst noch alles zum Haushalt führen dazu gehört.

Sie hat ein Talent zum Nähen daher arbeitete sie eine Weile für jemanden der Jelabas und Co. verkauft. Maßanfertigung mit Qualität und selbstverständlich auch Änderungen und Reparaturen. Doch die zunehmende Lieferung von Altkleidern aus Europa machte es schwieriger und irgendwann schloss der Laden. Man organisierte ihr eine Nähmaschine und eine Strickmaschine. Danach bearbeitete sie Aufträge von Nachbarn, Familie, Freunden. Ihr Bruder programmierte die Strickmaschiene, denn das kann sie nicht und sie fertigte vor allem warme Winterkleidung.

Es rentierte sich auch bald nicht mehr. Da sie auch super backen kann begann sie von zuhause eine Art Cateringservice für Feste. Sie lieferte die tollen Backwaren. Als sie günstig einen Laden übernehmen konnte hatte sie ihre eigene Bäckerei. Diese behielt sie auch Anfangs nach dem ersten Umzug der Familie.

Jahrelang suchten sie nach einer anderen Wohnung und endlich fanden sie etwas. Doch aus der alten Wohnung direkt in die neue klappte nicht, daher mussten sie vorrübergehend eine „Zwischenwohnung“ nehmen und dann ging es endlich ins neue Heim. Viel Arbeit und keine Zeit für die Bäckerei. Schließlich kam der drei monatige Krankenhausaufenthalt von Baba dazu und die Familie wollte natürlich bei ihm sein, zumal es eine Weile so schlecht um ihn stand das sein Überleben nicht gesichert war. Man packte die Koffer und zog zum jüngsten Sohn der Familie, der beruflich weiter weg, aber näher an Rabat wohnte.

Inzwischen hat sie den Haushalt übernommen. Mama hat Pause. Natürlich macht sie noch einiges, aber durch die Wohnung wirbeln braucht sie nicht mehr.

Insgesamt ist es für meine Schwägerin gut hier zu wohnen, aber wie ich schon erwähnte ist die Familie das warme Wetter aus dem Landesinneren gewohnt. Sie friert hier und meine Schwägerin ist als einzige der Familie ein schmächtiger Zahnstocher was es schlimmer macht. Im Landesinneren ist es jedoch bedingt durch den Sand immer recht staubig und sie hat eine Allergie. Täglich hustete sie so stark das sie sich immer wieder übergeben musste. Hier geht es ihr gut.

Ich mag sie sehr gern, aber mit ihr habe ich am meisten Schwierigkeiten. Genau wie ich hat sie Prinzipien und da ist sie stur. Ich mag es z.B. nicht wenn kemand anderer die Spülmaschine einräumt. Ich habe mein System. Ausräumen ja und lieber ärgere ich mich über Schüsseln im Topfschrank, als das ich mich über eine eingeräumte Spülmaschine ärgere. Sie ist ähnlich. Es ist ihr Schema F nachdem sie Pizza backt auch wenn es umständlich und Zeitaufwendig ist. Ansonsten läßt sie mich helfen aber wacht über allem und bemüht sich mir ihre Art der Handhabung zu zeigen.

Sie trägt grundsätzlich eine Art Fleecemütze im Haus mit der sie ihre Haare bändigt und den Kopf wärmt. Geht sie raus zieht sie ein Kopftuch darüber. Eine Fleeceweste hat sie über dem langärmligen Shirt und eine Fleecehose deren Beine sie mit Gummibändern hoch hält über einer Leggings. Geht sie raus zieht sie entweder eine Jelaba drüber oder aber eine Hose und eine Jacke.

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Zuhause II- 1

Mama gehört zu jenen Menschen bei denen ich das Gefühl habe, sie werden rein äußerlich nicht älter. Sie ist nach all den Jahren so wie ich sie kennengelernt habe.

Geburtstag ist hier nur etwas das für offizielle Dokumente benötigt wird. Gefeiert wird er nicht, auch nicht besonders bedacht. Ich kann die Uhr nicht eine Sekunde zurückdrehen und ich werde nun mal jede Sekunde älter.

Mama ist nun bald 60, ihr Mann knapp darüber. Zuhause trägt sie grundsätzlich ein Kopftuch das sie sich mal so und mal so befestigt. Heute ist es himmelblau und die Enden hat die gedreht und über den Kopf geschlungen. Sie trägt grunfsärzlich eine Art Hauskleid mit einer Schürze darüber. Drunter lange Hose und langärmeliges Shirt. Geht sie raus erkennt man sie kaum wieder. Das Kopftuch wird neu und ordentlich gebunden, eine Jelaba ersetzt das Kleid.

Am Telefon klang ihre Stimme in letzter Zeit kraftlos und krächzend. Doch hier ist sie wie immer. Dennoch macht ihr Knie Probleme und auch ihr linker Fuss ist nicht mehr top. Sie verlässt fas Haus selten. Geht mal Besorgungen machen und sonst ist sie für alle da.

Ihre Eltern sind nicht mehr die jüngsten und gesündesten. Aber im Vergleich zu Babas Mutter, die mittlerweile 120 Jahre alt ist sind sie mit um die 90 jung. Sie wohnen ausserhalb in einem Dorf und daher gibt es wenige Besuche.

Mama ist ein fröhlicher, liebevoller Mensch.

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Zuhause II

Ich möchte mal meine Familie vorstellen. Bewusst nenne ich sie meine Familie wenn wir auch nicht blutsverwandt sind. Mein Schwiegervater wird nicht müde mir immer und immer wieder zu versichern das ich hier nicht nur herzlich willkommen bin, sondern auch seine Tochter- ohne jeden Unterschied zu seinen anderen Kindern.

Gerade vor dem Wiedersehen mit ihm habe ich mich gefürchtet. In meiner Erinnerung ist er ein Mann mit breiten Schultern, etwas größer als ich. Weißer Bart und ein weißer Haarkranz um eine Glatze die in der Regel mit einer Mütze bedeckt ist. Er verkörperte für mich immer Stärke. Dann kam im letzten Jahr seine Krankengeschichte dazu.

Schon lange hat er Probleme mit den Nieren und der Galle und von seinem Arzt einen Diätplan der ihm alles mögliche verbietet. Typisch für ihn, das er da gern mal fünfe grade sein lässt. Brachte ihm natürlich Beschwerden ein.

Dann kam sein Sturz mit dem er nicht zum Arzt wollte. Ein Fehler, denn so dauerte es recht lange bis er die Diagnose Beckenbruch bekam und endlich behandelt wurde.

Eine Niere hat sich verabschiedet und eine Weile war von einer Transplantation die Rede, aber nicht ohne vorherige Dialyse. Drei Monate war er im Krankenhaus. Extra nach Rabat gebracht.

Am Telefon klang seine Stimme immer furchtbar seit jener Zeit, ebenso wie die von Schwiegermama. Aber das ist ihre Geschichte.

Was würde mich erwarten wenn ich ihn wiedersehe?

Seine Stimme scheint schwächer geworden und es macht den Eindruck als wäre er geschrumpft. Gerade auf meine Größe

Die Haare sind verschwunden,die Mütze ständiger Begleiter. Sein Gang nicht mehr sicher und man erkennt die Hüftprobleme. Unter seiner Kleidung scheint er knapp unter dem Normalgewicht zu liegen.

Das Gebet verrichtet er vom Rollstuhl aus und außerhalb des Hauses geht er mit Stock. Sehr flott. Man muss schon schauen dass man den Anschluss nicht verliert. Mir wurde gesagt er würde immer nurgerade aus laufen. Das kann ich nicht bestätigen. Er weiß wo er hin will und da rennt er hin. Aber an der Straße sollte man ihn besser nicht allein lassen, obwohl Fußgänger auf der Straße hier normal sind. Aber auf der Straße gehen oder diese überqueren sind zwei verschiedene Dinge.

Früher ging er regelmäßig in die Moschee zum Gebet, jetzt, da er nicht mehr allein dorthin darf geht er nur abends zum Gebet nach Sonnenuntergang (Magreb). Danach geht er normalerweise gern noch spazieren aber während des Ramadan bleibt er zum speziellen Ramadan Gebet (Tarawieh) und dem abschließenden Nachtgebet (Isha’a) dort und geht dann mit seiner Begleitung wieder Heim.

Früher hatte er schon immer den Quran als ständigen Begleiter, in dem er fleißig las und das hat sich nicht geändert, nur der Quran selbst hat inzwischen die Größe A3 mit größerer Schrift.

Inzwischen hat sich durch meine Kids die Benennung „Oppa“ und für Schwiegermama „Omma“ eingebürgert, aber normalerweise heißt es „Walid“ und „Walida“. Ich hingegen nenne ihn Baba und sie Mama.

Nächstes Mal: Mama

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Zuhause

Ich bin zu Hause. In meinem zweiten Zuhause. Marokko.

Mal wieder hier und das erste Mal im Ramadan.

Das Wetter ist dem in Deutschland recht ähnlich und daher für mich sommerlich. Meine Schwägerinnen hingegen frieren und zeigen das täglich drinben wie draussen durch ihre Kleidung. Leggings und drüber warme Fleecehose. Langarmligrs Baumwollshirt und wenn wir raus gehen kommt noch eine warme Jacke und Hose drüber oder direkt eine Jellaba. Dagegen ich in dünnem, leichtem Shirt und Rock oder dünner Hose und bitte keine Jacke.

Im Ramadan läuft das Leben in Marokko anders. Tagsüber arbeiten nur jene die müssen. Geschäfte sind kaum geöffnet und die Menschen sind daheim.

Das hat Vorteile. So gehört einem z.B. der Strand fast allein

Das Leben beginnt abends nach Sonnenuntergang wenn alle gegessen haben.

Dann fahren Kinder und Jugendliche Rollschuh, Inlineskate, Skateboard und Fahrrad. Und für die Kleineren wird auch was geboten

Diese süssen Autos gibt es auch ein klein wenig größer und je nach Fähigkeit des Kindes entweder zum selbst fahren oder mit Fernbedienung für die Eltern.

Die älteren Teens oder auch jungen Erwachsenen sitzen in Grüppchen beisammen und reden über was auch immer. Hier und da hört man Musik aus einem kleinen Radio oder vom Handy. Familien gehen zusammen spazieren, oder sitzen im Cafe, Geschäfte haben geöffnet.

Das Leben wurde vom Tag in die Nacht verlegt.

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Wochenende

Es ist  schon wieder Wochenende.

Letzes Wochenende war schönes Wetter und endlich haben wir es mal sinnvoll nützen können. Na ja, ganz sinnlos waren die anderen Wochenenden nicht, aber der letzte Sonntag war besonders.

In der Nacht brach mein Mann gen Eltern auf. Zwei Wochen ist er weg und damit habe ich mal ein wenig Zeit und Raum zum werkeln. Ist er da ist es schwerer und ich komm nicht vorwärts.

Mittags gab es dann ein Treffen. Alle vier Kids und ich im Park. Zwei Picknick-Decken, Essen, Trinken, gute Laune, ein Fußball und zwei Wasserpistolen. Auf letzteres hätte ich verzichten können. Der Fußballer hatte immer noch nasse Stellen an der Hose von der Wasserschlacht mit seinem Bruder, aber okay. Es war warm und der Fußball allein reichte nicht aus.

Der Nachmittag war super, wir machten endlich mal wieder Familienfotos und keiner sprach von der wenigen Zeit die er hat. Tage wie solche gibt es einfach zu wenig.

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Heute hat schon wieder keiner wirklich Zeit. Die Tänzerin hängt mit dem Kopf in ihren Büchern weil sie Montag eine Prüfung hat und die SML muss arbeiten und ist froh wenn sie ins Bett fallen kann. Morgen muss ich arbeiten. Nachts, ja, aber immerhin. Meine Jungs werden bei meiner Freundin übernachten und am Montag noch mal und damit bin ich dann schon wieder durch mit meinen Stunden.

Das nächste Wochenende ist dann bereits im Ramadan und ich werde mit den Jungs nach Marokko fliegen. Mal wieder Familie, mal wieder „Urlaub“, mal wieder was anderes. Oder wie mein Fußballer neulich meinte:“Ich muss mal wieder zu Oma und Opa. Ich bin schon zu lange in Deutschland.“ Ja, seit Januar hält er schon durch 🙂

Ramadan in Marokko. Ich freu mich drauf. Der Tag läuft dort ganz anders ab.

Trotzdem mach ich mir Sorgen. Mein Schwiegervater ist schon länger krank. Hüft-OP, Dialyse.. er hat es überstanden, aber nun leidet er an Demenz, vergisst viel. Ob er uns noch erkennt?

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Lang ist´s her… Leben VIII

…das ich hier war. Einiges ist passiert. Ein update:

Um ehrlich zu sein: die nervliche Belastung vom Stress auf der Arbeit, lange Fahrzeit und die persönlichen Probleme zu Hause haben mich ziemlich ausgelaugt. Ich habe gekündigt und mir eine Arbeit mit anderen Arbeitszeiten gesucht. Das klappte auch erst beim 2. Anlauf. Jetzt habe ich zwar immer noch eine lange Fahrzeit, aber die Betreuung der Kinder klappt besser weil ich Nachts arbeite. Nur 2-3 Nächte pro Woche aber immerhin. Meine Freundin übernimmt Mittwochs den Handballer und Freitags beide Jungs zum Mittag weil sie da früher zu Hause wären und ich schlafen soll. Doch Nachts läuft weiter nichts ohne die Betreuung durch meinen Mann.

Die Scheidung kommt nicht voran weil das Gericht wegen dem Versorgungsausgleich eine Anfrage an die Rentenkasse gestellt hat und denen nach einigen Wochen Bearbeitung einfiel das es bei meinem Mann ungeklärte Zeiten gab. Natürlich hat sich mein Mann nicht gekümmert und vier Wochen später hatten wir den Wisch noch einmal im Kasten. Ich habe das dann erledigt und dann passierte lange Zeit nichts. Habe zwischendurch mal bei der Rentenkasse angerufen und erfahren dass dort irgendwas umgestellt wird und alles noch dauern wird- länger dauern wird. Der Anruf war im Januar und gedauert hatte es bis vorletzte Woche Samstag. Da hatten wir dann einen Brief im Kasten das nun noch 10 Jahre ungeklärt sind und über dem Datum der Vermerk: ES EILT!  Schon etwas ironisch wenn man bedenkt dass wir auf einen Termin warten.

Wir haben uns bemüht ein einigermaßen „normales“ Familienleben zu gestalten was nicht so einfach war und ist. Mein Mann wollte halt so weiter machen wie bisher, aber da er immer wieder von der Wichtigkeit der Kinder sprach habe ich ihn dann eben auch in die Pflicht genommen. Es hat einiges an Ärger gegeben, aber wir haben angefangen uns gegenseitig zu manipulieren. Er war mein Meister und ich bemühe mich auf seinen Spuren zu wandeln. Inzwischen klappt das recht gut. Seine sogenannten „Freunde“ sind weitgehend abgemeldet weil ich sie nicht mag und ich ihm dass deutlich gezeigt habe. Mein verzogenes Gesicht fürchtet er, denn wenn er das zu sehen bekommt weiß er dass er sich auf einem schmalen Grad befindet. Seine freie Zeit verbringt er daher fast ausschließlich mit den Kindern und auch ich darf ab und zu teilnehmen. Das er pünktlich von der Arbeit kommt wenn ich Dienst habe ist zur Selbstverständlichkeit geworden und er beschwert sich nicht.

Hart erkämpft ist auch seine Bereitschaft mir mitzuteilen wohin er geht und wann er kommt. Oft schwächelt er da noch aber auch hier hat er schon zur Kenntnis genommen dass es besser ist mit zu spielen. Im Gegenzug liegt mittlerweile ein großer Teil der finanziellen Belastung auf meinem Konto. Er zahlt zwar noch den Strom aber nicht mal die Hälfte der Miete. Kleidung, Möbel usw sind meine Angelegenheiten. Nur letzte Woche war er mit dem Fußballer neue Schuhe kaufen weil seine ein Fall für den Müll waren. Die Vereinskosten zahlt er noch.

Was noch in Arbeit ist: Lerneffekt zum Thema Fahrkarte. Nachdem wir immer wieder das Problem hatten das ich zur Arbeit musste und er die Fahrkarte hatte (Das war noch bei der alten Arbeitsstelle) hatte es mir irgendwann gereicht. Ich habe mir eine eigene Fahrkarte besorgt und weil der Handballer zum Training fahren muss hat er auch eine bekommen. Mein Mann war sauer und meinte er bräuchte doch gar keine und daher würde er jetzt seine kündigen. Hat er getan und dann begann das Spiel, dass wir hatten von vorne. Er leiht sich die Karte weil er ausnahmsweise mal in die Stadt fahren will und vergisst sie zurück zu geben. Am nächsten Tag steht dann jemand ohne Karte da. Mittlerweile hatte ich dreimal das Vergnügen mit den Kontrolleuren weil ich natürlich auch nicht daran gedacht hatte dass er noch meine Karte hat. Für ihn war ganz klar die Schuld wie üblich meine, denn ich hätte ihn ja dran erinnern können. Das er sich einfach mal daran erinnert, dass er sich was geliehen hat ist natürlich nicht drin. Aber das üben wir noch.

Trotz allem hatte ich gestern einen ziemlichen Durchhänger. Was ich bei allem nicht vergessen kann ist einfach die Tatsache das es kaum möglich ist eine Arbeitsstelle zu finden ohne das ich Hilfe bei der Betreuung der Kinder brauche. Und auch wenn ich nur 2-3 Nächte pro Woche arbeite sind das doch Nächte in denen jemand bei den Kindern sein muss.

 

 

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Das Leben VII

Ich war lange nicht da. Die Eingewöhnung in den Schichtdienst hat mich geschlaucht. Dazu zahlreiche Regeln und „Üblichkeiten“ von denen nicht jede wirklich wichtig scheint und zu guter Letzt die wichtigste Regel: Wenn eine Gruppe von Menschen zusammen ist, ist mindestens ein Querschläger dabei.

Ja, wir haben eine Kollegin die nicht mit dem Team arbeitet sondern strikt dagegen und wegen Personalmangel darf sie, denn die Chefetage ist über jede besetzte Stelle froh. Die Rechnung geht nicht wirklich auf, denn seit ich da bin sind schon zwei Leute gegangen und vorher wohl auch schon und tatsächlich war ich letzte Woche auch kurz davor zur Chefin zu gehen und meinen Abschied ein zu reichen. Solche Leute sprengen einfach jedes gute Team und sorgen dafür das die Leute keinen Nerv auf Arbeit haben. Dummerweise muss ich Mittwoch mit ihr zusammen Dienst machen und bereits heute nervt es mich.

Was die Scheidung betrifft, ist es ein ständiges Auf und Ab bei meinem Mann. Eine Weile hat er sich wohl eingebildet, dass ich nicht wirklich die Scheidung eingereicht habe, bis dann ein Brief von Familiengericht kam. Er meinte daraufhin mit mir wegen der Kinder einen Krieg anzetteln zu müssen. Hab ihn erst einmal auflaufen lassen. Vorher hatten wir das besprochen, alles kein Problem. Er versteht alles, ist einverstanden und plötzlich 180° Wendung.

Nachdem er sich wieder beruhigt hatte kam dann die Bitte ich möge die Scheidung doch stoppen. Es würde alles anders werden. Es ist vorbei, er hat verstanden… Schöne Worte die ich so gern glauben wollte doch als ich um Beweise bat war Ruhe. Ich weiß nicht was genau ich mir vorstelle aber irgendwas muss kommen. Aber es kam gar nichts. Alles lief weiter wie bisher.

Ein Fragebogen vom Gericht: Versorgungsausgleich. Mein Mann mal wieder etwas in sich zusammengesunken. Er hat verstanden ich stoppe nichts. Es läuft weiter. Nachdem der Fragebogen ausgefüllt vom Schreibtisch verschwand und er sich ausrechnen konnte das ich ihn zur Post gebracht habe war er die Demut in Person. Kein Stress weil ich Sonntag die Kinder mit in den Zoo genommen habe statt das sie zum Arabisch- Unterricht gehen, und als ich fragte ob er kocht kam als Antwort tatsächlich: „Wenn du sagst ich soll kochen, mach ich das“. Nein, ich habe es nicht gesagt, ich hatte gefragt ob er es tut und er hat es getan. Lecker gekocht. Das erste Mal seit… ewig langer Zeit.

Haushalt schmeißen ist eigentlich kein Problem für ihn, aber ich stelle fest das ich am Wochenende jede Menge Arbeit habe weil er nichts macht. Die Spüle bietet keinen Platz für weiteres schmutziges Geschirr. Der Esstisch hat keinen Platz zum Essen, der Boden ist voller… was auch immer und wenn er eine Maschine Wäsche wäscht, dann hängt er sie nicht auf sondern stellt den Korb nur einfach neben den Ständer.

Er bemüht sich nicht wirklich um Zusammenhalt und Zusammenarbeit. Es sind immer nur Kleinigkeiten, die am Ende nicht wirklich nutzen um die Ehe zu retten, denn die andere Seite seiner Persönlichkeit verschwindet nicht.

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Montagsfrage

Nachdem ich die letzten Wochen auf die Fragen nicht wirklich Antworten wusste kommt heute mal wieder die aktuelle Montagsfrage von Buchfresserchen:

Liest du mehr Papierbücher oder mehr E-Books, gibt es einen Grund dafür?

Ich lese hauptsächlich E-Books weil der Reader leicht und dünn ist und ich dennoch jede Menge Bücher dabei habe. Außerdem knickt keine Seite um, der Buchrücken sieht durch den Transport in den Taschen nicht irgendwann aus als wäre er überfahren worden, keine Flecken, keine Suche nach Lesezeichen und jede Menge Platzersparnis weil ich kein Bücherregal benötige.