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Es reicht mir grad

Es scheint als würde ich momentan einfach in die falsche Richtung rennen. Ich möchte mich eigentlich nur ins warme Bett kuscheln und schlafen .

Es ist nicht so, dass ich nicht schlafen könnte. Gestern bin ich um 20:30 Uhr ins Bett gegangen, sehr schnell eingeschlafen und als heute früh der Wecker klingelte dachte ich nur das ich nach dem Frühgebet wieder ins Bett gehe und mich noch mal umdrehe. Dann fiel mir ein, dass erst Dienstag ist, also Schule. Aus der Traum vom Schlafen. Hoch, Licht an, ab ins Bad!

Mir fiel ein, dass ich für solche „Notfälle“ Cola im Schrank habe. Ich trinke selten Cola, aber wenn die Augen unbedingt wieder zufallen wollen, dann gibt es die mit den 25mg Koffein pro 100ml.

Die Woche fing Montag schon übel an. 0°C draußen und ich steh 20 Minuten um auf einen Bus zu warten, der nicht kommt. Dann ab in die Straßenbahn, halbe Stunde zu spät an meiner Arbeitsstelle. Aber Kollegin Sissi war bereits informiert. „Na da fängt die Woche aber gut an“, sagt sie noch lächelnd und ich ahne in dem Moment nur ansatzweise wie Recht sie hat.

Kollege Muskelmann ist krank. Kommt gar nicht gut. Keine Ahnung warum, aber irgendwie ist er eine Art Fels in der Brandung, etwas dass da sein muss, damit nicht alles aus dem Ruder läuft. Und es lief aus dem Ruder.

Kollege Muskelmann kümmert sich üblicherweise um L. und nun war L. ohne ihn da und irgendwann wurde es ein wenig lauter und schließlich hörte man noch den Protest von L. kurz bevor er in die Tischkannte biss. Und Kollegin Sissi war hoffnungslos überfordert. Beim Abschied meinte sie dann auch, sie hofft Kollege Muskelmann ist Dienstag wieder da.

Nein, ist er nicht. Aber L ist auch nicht da. Krank und dann kam eine wohl etwas vorwurfsvolle Mail der Mutter und Sissi fragte ob jemand sich erinnern könne was für eine Hose L. am Vortag anhatte. Ein kleines Ratespiel am dessen Ende die Auflösung lautete das Mutter nicht verstand warum niemand den Blutfleck an seinem Knie gesehen hat.

Ach, das war Blut? Ich dachte Soße vom Essen oder Farbe. War nicht als Blut erkennbar, weil ich nichts davon gesehen oder gehört habe das er sich gestoßen hat oder gefallen ist und bei einer dunklen Jeans… Und außerdem haben sich Sissi und S um L. gekümmert.

Montags hat normalerweise mein Handballer Training, aber diesmal nicht, denn er hat sich den Daumen geprellt. Dafür musste der Fußballer zum Training, weil dieses von Dienstag auf Montag verlegt wurde. Gut das der Daumen geprellt ist, denn die neue Trainingshalle ist zu weit und er kennt den Weg nicht. Wie soll ich mich denn teilen? Also zum Fußball.

Sagt der Trainer, er möchte keine Eltern dabei haben, damit die Kids sich besser konzentrieren können. Echt jetzt? Es ist November. Jeden Montag ca. 100 Minuten durch die Kälte watscheln?

Nach dem Training bekomme ich einen Anruf und irgendwie hatte ich schon ein blödes Gefühl. Mit der Trine hatte ich wenige Stunden vorher telefoniert und plötzlich ruft sie mich an und behauptet ich hätte ganz andere Dinge gesagt. Liegt es am Montag, oder woran? Das Gespräch wurde unschön und ja, mir ist der Kragen geplatzt.

Heute früh kam der Bus, aber ich war nicht gut drauf. Das lag zum einen daran das der Fahrer allen Ernstes behauptete er wäre gestern früh pünktlich da gewesen. Ja, ich brauche einen Lesebrille, aber einen Bus übersehen? Dann erzählt er mir noch eine Story, die kannte ich schon vom Freitag. Da war sie irre lustig, aber wenn man sie zum zweiten Mal hört ist es irgendwie nicht mehr so zum Lachen.

Mit Madam Française lief es gut, aber danach war mein Schützling M. von der Rolle. Ob es an ihr lag, am Montag , am Wetter oder etwas anderem weiß ich nicht.

Die Zeit mit Sissi war ganz angenehm und insgesamt lief alles ganz gut ansonsten. Graue Wolken hängen über dem morgigen Tag und schwarze über dem Donnerstag. Ab Morgen ist die Erzherzogin wieder da und keiner macht Luftsprünge.

Ich freue mich auf den Freitag und hoffe morgen ist Kollege Muskelmann wieder da, damit es nicht ganz so schlimm wird und überhaupt, wenn „Dummedussel“ und Kollege Cool nicht wären, könnte man wirklich einfach nur krank sein. Nur möchte ich unseren Praktikantinnen nicht Unrecht tun. Ohne H und S würde auch nichts wirklich funktionieren und selbst Dramaqueen R. ist leichter zu ertragen als die Erzherzogin.

Beitragsbild: Bild von Alexas_Fotos auf Pixabay

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Update Job

Nun ist doch schon wieder ganz schön viel Zeit vergangen.

Wie bereits erwähnt war ich im August eine Woche im „Urlaub“. Nicht wirklich Erholung oder für mich, sondern eher beruflich als Begleitung einer Rollifahrerin. Die Gegend war schön, aber auch sehr hügelig und Rolli rauf und runter kann ganz schön schlauchen. Mal ganz davon abgesehen dass mir so ziemlich jede Privatsphäre ebenso fehlte wie Erholung.

Zwar hatten wir vor Ort jemanden engagiert, um mich zu entlasten, aber im Grunde war ich doch immer dabei, auch wenn ich hinterher gelaufen bin. Nicht weil ich das so wollte, sonder meine „Entlastung“ und die Rollifahrerin ebenfalls.

Die letzten drei Tage war ich dann extrem dankbar dass ich meinen Laptop dabei hatte. Während die Rollifahrerin vor dem Läppi saß und schaurig schief bei ihren Lieblingsschlagern mitsang, saß ich nach dem Frühstück auf der Terrasse, habe die warme Morgenluft genossen und bin mit nackten Füßen durchs nasse Gras. Danach waren wir dann unterwegs und nachmittags zum Essen. Danach wieder zurück.

Die Unterkunft war super, die Gegend ruhig und beschaulich, die Besitzerin der Pension wunderbar und überhaupt waren die Menschen herzlich, hilfsbereit und einfach toll.

Trotzdem war ich froh wieder daheim zu sein. Und ich möchte gern wieder dorthin. Aber lieber mit meinen Kindern und eigenem Auto. Die SML hat ja nun ein kleines, aber wir passen schon alle rein und der Kofferraum reicht für unser Gepäck.

Und nach den Sommerferien dann der neue Job.

Ich war gespannt und nervös, aber es macht Spaß. Tolles Team- prinzipiell. Perfekt ist nichts und die 18-jährige Praktikantin, die wie eine 14-jährige pubertär rum zickt ist kein Highlight, aber besser als mein Ex-Chef allemal. Und wenn ich es genau betrachte fühl ich mich wirklich wohl. Trotzdem bin ich froh wenn Wochenende ist und noch besser sind Ferien. Am allerbesten ist daran, dass ich dann tatsächlich frei habe und auch nachts in meinem Bett schlafen darf.

Ich gehe seither abends früh ins Bett, muss aber auch gegen 5:30 Uhr wieder aufstehen. In Ruhe duschen,anziehen, Kinder wecken. Ich brauche den Schlaf. Das merke ich deutlich. Vielleicht muss ich aus der Vergangenheit einiges nachholen, vielleicht werde ich aber einfach auch alt, oder beides.

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Das Leben #XI

Die erste Zeit nach der Scheidung war.. Umgewöhnung. Gespräche mit Leuten die nach meinem Mann fragen könnten habe ich weitgehend vermieden. Ich wollte nicht weiter darüber reden, wollte niemandem erklären. Aber 1-2 bekamen es doch mit. Ich war dankbar das keine langen Gespräche folgten.

Ich wiederum bin auch zu ihm auf Abstand gegangen, bis die Tänzerin mit mir schimpfte und meinte ich solle wegen der Jungs einfach versuchen mit ihm eine Absprache zu finden. Nur welche Absprache trifft man mit jemanden, der sich an keine Absprache hält? Aber sie hatte recht. Irgendwie muss es möglich sein.

Rein vom Job her war und ist mir klar dass es besser ist wenn ich mich auf nichts verlasse und selbst so viel wie möglich zu Hause bin. Und das, wenn man in der Pflege tätig ist. Soll ich lachen, soll ich weinen oder laut schreien? Pflege ist nicht familienfreundlich.

Na gut, ich habe etwas gefunden mit optimalen Arbeitszeiten. Allerdings bedeutet das auch eine Gehaltseinbuße von 800€. Das schlägt ein mächtiges Loch in die Kasse. In dem Job wird man auch so nicht mit Reichtümern überhäuft. Wenigstens freue sich die Jungs, dass ich ab sofort immer da bin und nachts nie wieder weg muss.

Aber wir haben abgesprochen das er als Vater die Fahrten zu den Großeltern finanziert. Ich zahle dafür alles andere. Diskussionen unnötig.

Wie vereinbart hat er auch für die Sommerferien alles arrangiert, inklusive bringen und holen. Er kam früh genug vorbei um die Jungs zu holen und wir legten gerade die letzten Teile in die Koffer.

Er griff sich die nächste Flasche, die er auf dem Küchentisch fand, starrte darauf als ob er des Lesens nicht mehr mächtig wäre und stellte fest, dass dies aber keinen Sonnenmilch sei. Na ja, eigentlich war es eine After Sun milk. Aber hatte eigentlich irgendwer behauptet dass es Sonnenmilch wäre? So albern und kindisch es klingt: es machte mich ärgerlich weil es ein so typisches Verhalten war. Daher antwortete ich auch nur ungehalten dass die längst in den Koffern wäre.

Zum Abschied klemmte ich mir meinen Handballer noch einmal unter den Arm und erinnerte ihn daran dass er ja nun seit diesem Schuljahr ein Handy hat. Er möchte es doch bitte für viele Fotos nutzen. Er weiß wie sehr ich das liebe und versprach alles mögliche zu fotografieren.

Die Fotos sind auch der einzige Grund warum er das Handy mitnehmen durfte. Sonst braucht er es nicht. Nach zwei Tagen pingte mein Handy mehrfach hintereinander. Nicht mein Sohn hatte einen Stapel Fotos geschickt, sondern sein Vater. Das erste Mal in all den Jahren das er mir Fotos schickte.

Viele Fotos von den Kindern, aber auch einfach so von der Landschaft. Einige Fotos von seinen Schwestern. Die nächsten Tage ging das so weiter. Täglich ein paar Fotos. Und dann… hmm, zwei der Bilder war ich bereit als Gruppen-Selfie mit den Jungs zu werten, aber dann erhielt ich zwei Selfies einfach nur von ihm.

Ich kommentierte nichts, fragte nicht. Am Tag seiner Rückreise bekam ich plötzlich eine Nachricht. Er wäre fast da und hätte Magenprobleme. Ob ich was da hätte. Klar. Ist ja nichts neues. Ich fragte daher auch nur kurz „Kaffee?“ Ich kenne seine Magenprobleme und daher haben wir auch immer was da gehabt. Ob er sich das abholen könne und es ist Sonntag, er hat nichts in der Wohnung. Ja, kein Problem.

Essen, Medizin, Tee,Toilette. Schließlich meinte er sehr vorsichtig er hätte eigentlich neu anfangen wollen, aber er will nicht ohne mich. Alles zieht ihn zu mir zurück.

Was soll man dazu sagen? Langsam, sehr langsam. Als er schließlich ging wusste ich nicht so genau wie es weiter geht, aber war bereit mich überraschen zu lassen.

Zwei Tage später kam er vorbei und fragte ob ich mit ihm Essen gehe. Okay. Das Essen lief toll und entspannt. Wir unterhielten uns eher vorsichtig über Arbeit und die Kinder. Auf dem Spaziergang zurück kamen dann schon wieder so zwei Patzer von ihm. Ich hab sie geschluckt.

Am nächsten Tag erhielt ich einen Anruf von meiner Ärztin. Ich war vor kurzem zum Check up bei ihr und sie meinte ein Laborwert wäre auffällig. Ich soll mich nicht verrückt machen aber wir müssen das beobachten.

Ich gerate nicht so schnell in Panik, aber dennoch hatte ich das Bedürfnis mit jemanden zu reden, also fragte ich ihn ob er Zeit hätte. Er kam sofort von der Arbeit rüber. 10 Minuten später wünschte ich mir, ich hätte ihm nichts erzählt. Er hörte nur halb zu, wollte die Laborwerte und überhaupt sollte ich sofort ins Krankenhaus. Hallo!!! Meine Ärztin ist nicht blöd.

Am nächsten Tag habe ich dann auch gemeint dass es mir Leid tut mit ihm gesprochen zu haben. Er sagte nichts, aber riss sich zusammen. Er bot mir an, mal seine Wohnung anzuschauen. Eigentlich wollte ich das nie, aber die Neugier siegte. Gar nicht übel für eine Person und plötzlich bekamen Erzählungen von den Jungs nach dem Wochenende einen Sinn.

Am nächsten Tag waren wir zum Frühstück beim Bäcker, er ging dann zur Arbeit. Ich wieder nach Hause. Mit „Bis später“ verabschiedete er sich von mir und gegen 22 Uhr fragte ich ihn wo er denn sei. Im Bett. Er sei total müde.

Ein paar Tage später wiederholte sich das. Diesmal fragte ich ihn ob er wisse was „Bis später“ bedeutet? Es war eine der Gelegenheiten die ich nutzte um ihn darauf aufmerksam zu machen das sein Verhalten anderen Menschen gegenüber stark verbesserungsbedürftig ist. Er entschuldigte sich und versprach das nicht zu wiederholen.

Wie es weitergeht? Ich weiß es nicht. Er wird nicht einfach ein anderer Mensch und so wie er ist, ist er für eine Beziehung nicht geeignet. Das sieht seine Familie auch so und was er nicht versteht: es hat seinen Grund, dass sein jüngster Bruder zwar mich mal anruft, aber Telefonate mit ihm vermeidet, dass sein mathematisch begabter Bruder bei ihm sprachfaul ist aber bei dem Rest der Familie, insbesondere unseren Jungs ein ganz anderer Mensch zu sein scheint und viel lacht und spricht.

Nun, wir werden sehen. Nächste Woche bin ich beruflich im „Urlaub“. Das weiß er noch nicht. Wir werden sehen ob er sich an mich erinnert und mal nach mir fragt.

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Job—>Inklusion

Mein Job, mein Ex-Job eher, war in einer Einrichtung für Behinderte. Grundsätzlich mache ich den Job nun seit 30 Jahren. Nicht 30 Jahre in Einrichtungen, aber 30 Jahre mit/für Menschen mit Handicap. Ich fing an mit Kindern und Jugendlichen, wechselte zu Erwachsenen und war jetzt wieder mit Kindern und Jugendlichen zusammen und vorerst bleib ich bei der Altersgruppe.

Das Thema Inklusion zieht Kreise und keine Ahnung wie viel mir entging als ich es nicht geschafft habe hier zu schreiben. Aber dass heißt ja nicht das alles an mir vorbei geht. So hab ich denn heute bei Fellmonsterchen einen Beitrag dazu entdeckt. Ganz aktuell von heute.

Es geht bei Fellmonsterchen um den netten Herrn Spahn, der sehr kostenbewusst entschieden hat, das Menschen die beatmet werden von Daheim in Spezialkliniken verlegt werden sollten. Grund sind da wohl Einsparungen in einem dreistelligen Millionenbetrag.

Jetzt gibt es da so ein paar Worte. Gehört haben sie die meisten schon mal. Fragt sich nur, ob auch jedem klar ist was das eigentlich bedeutet. Da gibt es Fachkräftemangel und Personalmangel.

Viele Fachkraftstellen sind mittlerweile mit Hilfskräften besetzt. Hilfskräfte, das muss man mal klar sagen, haben in der Regel keine Ausbildung in dem Bereich, in dem sie arbeiten. Natürlich arbeiten viele Hilfskräfte schon lange in dem Job, kennen die Bewohner, wissen was sie tun sollen. Nur wenn mal nicht alles 08/15 ist, wenn besonderes kommt, wenn…. dann fehlt ihnen eben das Fachwissen.

Bevor ich zu Cheffe wechselte war ich in einer Einrichtung- ich nenne sie mal A – die wäre eben so eine „Spezialeinrichtung“. Als ich anfing atmeten alle auf, denn endlich kam eine Fachkraft in die Gruppe. Es gibt Aufgaben, das sind Fachkraftaufgaben. Zum Beispiel Pflege- und Förderpläne schreiben. Die schreibt man nicht mal eben nebenbei. Da sitzt man lange dran und die müssen für jeden Bewohner immer wieder aktualisiert werden. Dazu gehört, das man Gespräche mit Therapeuten, Lehrern/Werkstattleitung, Fachdienst führt. Die Pläne müssen letztlich einer Überprüfung durch die Heimaufsicht standhalten.

Darüber hinaus gibt es Tätigkeiten, die Hilfskräfte nur machen, wenn sie es wollen. Zumindest war es dort damals so. Ist keine Fachkraft im Dienst und es muss gemacht werden…

Bei Cheffe, ich nenne die Einrichtung mal B, war ich als Nachtwache morgens die Fachkraft. Heißt, der Frühdienst bestand aus Hilfskräften, die meinen Weisungen folgen mussten, denen ich auch mal Dinge erklären musste, die einer Fachkraft klar gewesen wären.

Ich glaube es gibt mittlerweile keine Einrichtung mehr, die ohne Hilfskräfte arbeitet. Das war vor 30 Jahren anders. Da war jede Stelle mit einer Fachkraft besetzt. Mittlerweile kann man dankbar sein wenn man noch ausreichend Fachkräfte hat um pro Gruppe wenigstens eine einzusetzen. In Einrichtung A gab es im ganzen Haus nur zwei Krankenschwestern. Und es war eine große Einrichtung. Wann immer also eine medizinische Sache war, musste eine von den beiden gerufen werden und die haben nicht rund um die Uhr gearbeitet.

Dank des allgemeinen Personalmangels müssen immer weniger Mitarbeiter die Tätigkeiten ausführen. Und dann muss auch mal ausgeholfen werden, weil woanders niemand im Dienst ist. Da hat man dann auch mal Bewohner mit denen man sich nicht auskennt.

Kommen wir mal zu dem Begriff „Spezialeinrichtung“. Das klingt ein wenig so als wäre die Einrichtung voller Menschen die beatmet werden und das Personal ist entsprechend geschult und geübt.

Nein! Es war ein Wohnheim für Menschen mit Handicap. Angefangen von Läufern mit leichter Lernbehinderung bis hin zu Menschen die bewegungsunfähig im Rollstuhl sitzen und schon mit dem Verständnis einfachster Begriffe Schwierigkeiten haben. Und natürlich die ganze breite Palette zwischen diesen Extremen, Beatmung inklusive.

Ich habe viele tolle Hilfskräfte kennengelernt und habe gern mit ihnen gearbeitet. Und ich habe Leute wie Cheffe kennen gelernt. Jemand mit Studium, der von Hilfskräften noch was lernen kann.

Die Prognose in dem Job ist nicht positiv. Personal- und Fachkräftemangel wird die Situation immer weiter verschlechtern. Es fangen so einige an aus der Pflege abzuwandern. Ein Kollege aus A, Fachkraft mit überragendem Wissen, sitzt heute in einem Supermarkt an der Kasse und ist glücklich dort. Pflege nie wieder, meint er.

Und das ist es, was Herr Spahn sich für Menschen mit Beatmung wünscht. Ausgegrenzt in einer Einrichtung mit überarbeiteten Mitarbeitern.

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Job-update

Ich bin befreit! Dennoch war die letzte Zeit nicht ohne. Aber das war ja auch irgendwie ständig so.

Vor kurzem kam eine Kollegin aus dem Krankenstand zurück und sie war laaaange krank. Das Pflegedilema: Rücken und Schultern sind in Gefahr und sie hatte eine Schulter-OP, eine Reha, noch eine OP,… kurz: ich hab sie kennengelernt und nicht in erfreulicher Erinnerung, dann verschwand sie spurlos für etwas über ein Jahr ohne jedes Lebenszeichen und plötzlich bekamen wir die Nachricht dass sie wiederkommt, aber mit verminderter Arbeitskraft.

Na gut, kein Problem. Wir sind nicht so. Es gibt auch noch genug Tätigkeiten die Madam „Wasserstoffblond“ ausführen kann. Zunächst klappte das einigermaßen gut und dann kam jener Abend als ich zum Dienst kam und mein Lieblings-Kollege, der immer für 3 arbeitet, einen Gesichtsausdruck hatte der mir verriet das der Tag mehr als mies gelaufen ist. Megakurz- Übergabe und dann hab ich ihn Heim geschickt. Am Schreibtisch saß- ungerührt- Madam und vor sich ein etwa 1 1/2 jähriges Mädchen das ein Bild kritzelte. Ihre Enkelin.

Am nächsten Abend berichtete das Anhängsel das der ❤ -Kollege ziemlich explodiert ist. Sehr unüblich, obwohl böse Zungen (Anhängsel) behaupten er würde ständig meckern. Madam hat sich mit der Enkelin beschäftigt, aber sonst keinen Finger gerührt. 14 Tage später wiederholte sich das Spiel bei einer anderen Kollegin und damit stand fest, dass ein Gespräch mit Cheffe notwendig wird.

Sie dachte wohl das wird nicht so schnell was, weil es dienstlich keine Überschneidungszeiten gab, aber Madam hat ja noch mehr zu bieten. Frühdienst, 7:45 Uhr kommt Kollegin schnaubend zu mir und meint: „Sie ist weg. Eine Stunde zu früh.“ Wie jetzt? Madam hat Jacke und Tasche genommen und ist einfach nach Hause. Nächster Morgen: 7:55 Uhr treffe ich Madam am Aufzug. Tasche und Jacke dabei. „Willst du schon wieder abhauen?“ frag ich. „Ne, ne. Ich bring nur R. runter,“ meint sie und ich glaub ihr kein Wort, aber ich habe Feierabend und will nach Hause.

Abends erzählt das Anhängsel das Madam eine Mail von Cheffe bekam mit klarer Ansage. Madam waren kleinlaut und wie es weitergeht wird man sehen.

Am nächsten Morgen war ich mit einer Kollegin allein, Cheffe und Anhängsel kamen pünktlich zu meinem Feierabend und ich bekam noch ein update für… alles mögliche. Ich blieb länger. Nicht weil ich musste, nicht weil es mir schwer fiel zu gehen, sondern weil ich zu Hause nicht schlafen wollte. Die Tänzerin wollte kommen und sich in den Urlaub bis Ende des Monats verabschieden.

Ich ging mit dem Wissen, dass weder Cheffe noch sein Anhängsel wussten, dass es unser letztes Zusammentreffen war.

Montag nachmittag rief die Geschäftsführung an. Überrascht und entsetzt von meiner Kündigung und ich habe mir erlaubt mal auszupacken über Cheffe und sein Anhängsel. Immerhin habe ich erfahren das Cheffe vor ein paar Jahren schon mal eine Abmahnung kassiert hat. Ob es jetzt die nächste gibt weiß ich nicht aber mein Bericht hat schon einiges Entsetzen verursacht.

Kurz darauf eine Whatsapp von Cheffe. Er hatte erfahren das ich geh und wunderte sich, dass ich nichts gesagt habe. Well. Als ich ihm antwortete, dass ich weder darüber reden noch diskutieren wollte war die Reaktion eindeutig. Er war angepisst und im Grunde war dass auch das Ziel der Aktion. Nur schade das er es so früh erfahren hat.

Nun bin ich frei und empfinde kein bedauern. Ein wenig Sorge wegen der verbleibenden Kids, aber das war es.

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New World

Mal wieder eine Blogparade. Robert von Wicca Secret fragt wie die Welt unserer Meinung nach aussehen sollte.

Natürlich hat da jeder seine eigenen Vorstellungen und ich glaube dass genau da ein Problem liegt. Eine Welt wie ich sie gern hätte ist auf mich zugeschnitten- nicht unbedingt auf andere. Also im Grunde wäre alles wie es jetzt ist. Egoismus, Neid, Gier,… Das was diese Welt zu dem Ort gemacht hat, der er ist weshalb wir uns etwas besseres, neues wünschen. Es wäre wohl sinnvoller uns den besseren Menschen vorzustellen, denn der könnte eine bessere Welt schaffen und erhalten. Charakter muss mehr wert sein als Aussehen.

Die bessere Welt ist für mich also vor allem mit Menschen verbunden, die nicht so weitermachen wie wir es tun. Schon meine Mutter meinte immer das wir in einer Ellenbogengesellschaft leben. Das ist jedoch schon an die 40 Jahre her und ich würde nicht behaupten das die Situation sich verbessert hat. Im Gegenteil.

Viele Menschen meinen, unsere Parteienlandschaft wäre notwendig für die Demokratie. Realistisch betrachtet entscheidet eine Minderheit darüber welche Partei die Regierung übernimmt, weil die Mehrheit sich nur in einem Punkt einig ist: Genau diese Partei soll es nicht machen! In meiner besseren Welt wählen wir keine Partei. Da Politiker aus gutem Grund Volksvertreter genannt werden sollten sie sich für das Amt das sie haben möchten beim Volk bewerben. Populistisches Geschwätz ist dabei aber absolut tabu. Es zählen Kenntnisse, Erfolge, klare Vorstellungen und umsetztbare Pläne. Politiker wären verpflichtet nicht nur nach Wirtschaftswachstum zu brüllen, sondern auch klar zu sagen welche Konsequenzen für Lebewesen und Umwelt ihre Pläne haben.

Der Spruch „Geld regiert die Welt“ wird ungültig denn Geld verliert seinen Status. Börse und Kapitalanlagen brauchen wir nicht mehr. Grundsätzlich sollte Handel mehr über Tauschen und weniger über Kaufen stattfinden.

Ich wünsche mir eine Welt in der Familie wieder etwas Wert ist, wo Eltern sich gern um ihre Kinder kümmern statt diese möglichst schnell in Fremdbetreuung abzugeben. Kinder sollten wieder in Großfamilien aufwachsen können und voneinander und miteinander lernen.

Die Schulpflicht wird durch eine Bildungspflicht abgelöst. Wie die Kinder lernen hängt von ihnen selbst ab. Allein, in kleinen Gruppen, ab 8 Uhr oder lieber erst ab 10 Uhr? Menschen sind unterschiedlich und das sollte sich auch in den Konzepten zeigen.

Natürlich gibt es einige Dinge die alle Kinder lernen müssen wie Rechnen, lesen und schreiben, aber danach können die Kinder Fächer nach Interesse und Talent wählen. Darüber hinaus wird Wert auf Allgemeinbildung gelegt. Sprachen spielen eine wichtige Rolle. Praxis ist höher zu bewerten als Theorie.

Zeugnisse und Zertifikate sind nur noch zweitrangig. Es zählen Interesse und Fähigkeiten.

Öffentliche Verkehrsmittel und Fahrräder werden bevorzugt. Autos sind hauptsächlich für jene die sie berufsbedingt benötigen wie Rettungskräfte, Transportunternehmen und ansonsten sind sie zum Mieten und Teilen aber nicht für private Personen als Eigentum.

Recycling und Second Hand wird Standard und Neuanschaffung tritt in den Hintergrund. Die Menschen lernen Bescheidenheit und auch Geduld. Die Konsumgesellschaft ist keine Option.

Es gibt keine Visa und Reisebeschränkungen mehr. Jeder kann reisen und leben wo er möchte, dort lernen und arbeiten wo es ihm gefällt oder seine Fähigkeiten gebraucht werden. Das dürfte hoffentlich auch ein wirksames Mittel gegen den ekelhaften Rassismus sein.

Bei Nahrungsmitteln wird auf Regional gesetzt und weniger auf International. Auch wenn dann vieles nur noch im Ursprungsland zu haben ist.

Umweltschutz wird nicht auf die leichte Schulter genommen. Vor allem aber liegt die Macht nicht mehr in den Händen von großen Firmen und Konzernen die auf ihren Vorteil bedacht sind.

Hab ich was vergessen? Wahrscheinlich, aber ich denke das sind schon mal viele wichtige Punkte.