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Geschmäcker…

sind verschieden und das ist gut so.

Es kam eigentlich eher zufällig, dass ich anfing Smoothie´s zu testen.

Ursprung war zum einen dass dieses gematschte Obst und Gemüse gerade großes Thema ist. Zum anderen, dass Eltern eines Jugendlichen bei uns auf der Arbeit meinten ihr Kind sollte viel davon zu sich nehmen. Sie liefern regelmäßig Packungen mit dem Zeug und zusätzlich brachten sie noch einen Smoothiemaker vorbei, damit wir fleissig selbst matschen. Vorzugsweise grün, denn die Eltern meinen dass die grünen Smoothies ruhig in größerer Menge verabreicht werden sollten. Im Vergleich zu anderen Farben.

Kollegin schmiss also einiges an Grünzeug in den Maker und stellte auf Vorrat grünen Smoothie her. Ganz ehrlich: ich wollte nicht einen Tropfen probieren. Vielleicht hätte er ja gut geschmeckt, aber hier zeigte sich die Wahrheit in dem Spruch „Das Auge isst mit“.

Ich mag grüne Sachen. Esse gern Spinat, Erbsen und Rosenkohl, aber das Grün von diesem Smoothie… Es erinnerte mehr an Windelinhalt eines mit Spinat gefütterten Babys. Irgendwie Bäh.

Egal. Jedenfalls dachte ich, mal probieren was da so im Handel erhältlich ist, für den kleinen Durst zwischendurch und unterwegs. Soll ja auch gesund sein.

Um es vorweg zu sagen: ich würde mir dauerhaft dies Zeug nicht kaufen. Auch wenn der Inhalt gesund ist, diese 250ml Plastikflaschen sind es nicht. Die richten mehr Schaden als Nutzen an, besonders für die Umwelt. Also wenn, dann mach ich mir das selbst und ich brauch keinen Smoothiemaker. Unser Mixer und auch der Pürrierstab können das auch-schon getestet.

Heute habe ich mir zwei Flaschen geholt mit unterschiedlichen Geschmacksrichtungen. Eine mit Chia, eine ohne. Die Flaschen sahen auch rein äußerlich unterschiedlich aus. Aber bei genauer Betrachtung stellte sich heraus, dass sie von derselben Produktionsstätte kommen. Die Auswahl ist also kleiner als im ersten Moment vor dem Regal gedacht.

Letztlich habe ich Magenschmerzen und bin sicher, das die Ursache der Smoothie ist. Er hat auch nicht besonders geschmeckt. Hab es grad so runterbekommen und werde mir die Sorte nicht noch einmal holen.

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Ausgenockt

sind wir nicht wirklich, aber derzeit kommen so Momente gehäuft die wir bisher eher nicht hatten.

Bei meinem ADHS-Fußballer hatte ich ja schon kurz nach der Geburt befürchtet, dass er mir öfter mit einem Gips rum rennt, aber bisher hat sich das als Irrtum erwiesen.

Überhaupt sind meine Kinder ja nicht so gern oder oft krank. Mal ein wenig Schnupfen, der die Erwähnung nicht lohnt, aber sonst sind sie eher gesund.

Momentan ist es eher anders. Angefangen hatte es … na, so lange ist es noch nicht her. Es war als nächtens so viel Schnee runter kam, dass ich mich das erste Mal seit… gefühlten 100 Jahren in meine Kindheit zurück versetzt fühlte. Eine Kindheit in der Schneemassen normal waren. Eine Kindheit in der ich nachmittags den Schlitten geholt, über das verschneite Feld gerannt bin, hoch auf den Berg um dann dort zu rodeln bis es dunkel wurde.

Da hatten wir also Mal viel Schnee und in der Nähe etwas dass nach meiner Definition eine Erhebung im Gelände ist, für die meisten Städter aber der Rodelberg. Es war Sonntag und damit der Tag an dem die Jungs mit ihrem Vater den Nachmittag verbringen. Diesmal war dieser nachmittag eher kurz. Wenn es denn 30 Minuten waren, die sie gerodelt sind. Plötzlich klingelte das Telefon. Sie sind auf dem Heimweg, der Fußballer ist umgekippt und genau auf das angewinkelte Handgelenk gestürzt.

Gebrochen war es nicht, aber dennoch hab ich Montag früh den Orthopäden meines Vertrauens kontaktiert und dann wurde geröngt und mit Ultraschall kontrolliert. Nichts, aber eine Befreiung vom Schulsport für die ganze Woche gab es.

Der Fußballer (inzwischen 8 Jahre) nervte indem er alle gefühlten 30 Sekunden fragte, wann denn bitte sein Bruder aus der Schule kommt. Montag hat der aber einen sehr langen Tag. Und Mama ist einfach ein schlechter Ersatz. Die muss ständig so blöde Dinge machen, wie:

  • kochen („Wann gibt es Mittagessen?“)
  • Wäsche waschen („Ich hab keine Socken mehr“)
  • Einkaufen („Wir haben gar nichts Leckeres mehr“)

Dienstag ist er gern wieder zur Schule gegangen. Dort ist es weniger langweilig. 🙂

Tja und letzten Sonntag war es dann der Handballer (mittlerweile 11 Jahre). Diesmal ging es wie üblich mit Papa auf diesen einen bestimmten Spielplatz der nebenan direkt ein Cafè hat, indem Papa dann einen Kaffee trinkt mit einem Freund, der seine zwei Kinder in die Obhut meiner Jungs gibt.

Und wieder erfolgte der Anruf nach kurzer Zeit. Sie sind auf dem Heimweg, weil der Handballer auf den Arm gestürzt ist und sich aufführt als ob das Ding komplett ab wäre. Sagt der Papa, der sich mal wieder durch extreme Gefühlskälte unbeliebt macht. Bei den Kindern, bei Passanten und letztlich bei mir. Ja, es ist ein 11 jähriger Junge, kein Profiboxer mit vermindertem Schmerzempfinden.

Und um mich auch noch einzureihen: ich habe mir erlaubt ohne Konsultation beim Arzt eine nervige Warze in Eigenregie zu bekämpfen. Zugegeben, dass hat super funktioniert. Ich habe allerdings überlesen dass man mit dem Mittelchen vorsichtig sein soll, weil es auch die Haut drumherum angreift. Jetzt ist die Warze weg und ich konzentriere mich auf die Heilung der umliegenden Hautpartie.

Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.

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Das Leben IX

Nachdem die Rentenversicherung nur immer recht lange für alles braucht, sollte jetzt so langsam der Abschlussbericht von denen beim Gericht eingehen und dann sollten wir endlich einen Termin fpür die Scheidung bekommen.

Mitte November ist mein Mann abrupt zu einem Freund gezogen und hat sich eingebildet er würde schnell eine Wohnung finden. Das lief nicht wie vorgesehen.

Erst bekam er ein Appartement das der eigentliche Mieter untervermietet und der Letzte Mieter hat alles zu einer Müllhalde gemacht. Der Mietee hat noch ein paar Sachen dort und erlaubt sich zu kommen und zu gehen um seine Sachen zu holen oder zu bringen. 10x hin und her und schließlich hat er sich gegen das Zimmer entschieden. Diverse bekam er nicht und zuletzt fand er eine Wohnung die er sich mit einer Studentin als WG teilen sollte. Die war nicht begeistert, wollte keinen Ausländer bei sich wohnen haben. Ich persönlich fand den langen und schwierigen Fahrweg erschreckend.

Nun muss er das Zimmer bei seinem Freund verlassen. Seine Frau war die letzte Zeit bei ihren Eltern in Marokko, aber sie ist schwanger und zur Geburt möchte sie dann doch lieber bei ihrem Mann sein und das Baby in Deutschland bekommen.

In der Konsequenz hat er heute angefragt ob er vorrübergehend wieder einziehen darf.

Ich bin nicht ungerecht. Ich weiß das er sonst nirgendwo hin kann. Natürlich darf er wieder einziehen. Mal sehen wie es läuft.

Ich bin diesen Monat viele Nächte auf der Arbeit. 11 insgesamt. Wenn ich heim komme ist er auf der Arbeit. Er kommt wenn ich gehe- meistens. Wir werden sehen wie es läuft.

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Fertig…

mit den Nerven bin ich momentan. Mein Chef verfolgt mich bis in meine Träume. -Alpträume.

Es geht um so viel, teilweise ärgerliche Kleinigkeiten, aber eben auch um etwas übleres. Ein 16 Jahre alter Junge, von der Behinderung recht eingeschränkt und ich wundere mich schon lange warum Chefe und seine anhängliche Stellvertretung immer Probleme mit ihm haben. Er tritt nach ihnen, bespuckt sie, schreit und versucht sie zu schlagen.

Es ist die einzige Möglichkeit für ihn sich zu wehren und hat nichts mit Bösartigkeit zu tun.

Natürlich meinen die, die „Großen“ und ich nennen sie „Herzlilein und Herzilein“, manchmal auch „Dick und Doof“, der Junge wäre das Problem aber de facto sind sie selbst das Problem.

Bei der vorletzten Dienstbesprechung wurde einen Strafenkatalog angelegt. Beklagt sich der Vater das der Junge zu Hause übellaunig war, wird er hier bestraft. Benimmt er sich hier daneben wird er auch bestraft. Im Grunde ist er eine Art Prügelknabe. Irgendeinen Grund findet man schon warum man ihn gerade bestraft. Pädagogisch wertvoll ist das nicht.

Nachdem die „Großen“ beobachtet haben, das ich keinen derartigen Stress mit dem Jungen habe, haben sie ihre Meinung überdacht. Natürlich hat Chefe auch den „Großen “ eingeredet die Schuld bei dem Jungen zu suchen.

Warum spuckt er „Dick und Doof“ jedesmal seine Tabletten entgegen? Also schlugen die Großen Chefe vor ihm die Tabletten einfach ins Essen zu tun, wie ich das auch mache. Nein man muss sie ihm mit Gewalt in den Mund stecken.

Es nervt mich einfach nur noch ab. Ich will den „Großen „keinen Ärger machen. Darum darf ich offiziell nicht wissen was da passiert und wie der Junge behandelt wird.

Die „Großen “ machen oft die Arbeit von „Dick und Doof“. Sie übernehmen das Duschen, Kämmen und ins Bett bringen anderer Bewohner. Was machen Dick und Doof? Kaffeetrinken!

Früher, so meinte ein Kollege mal, wären die Mitarbeiter mit den Kids raus gegangen. Heute passiert sowas nicht mehr. Wenn, dann gehen sie mal in ein Lokal in der Nähe zum Essen, aber der „Prügelknabe“ darf nicht mit.

Freitag hab ich morgens einem Mädel Zöpfe geflochten. Gestern, also Montag habe ich sie ihr morgens wieder geöffnet und aus den verknoteten und verklebten Haaren zwei Haarspangen gepult. Habe mich bemüht sie schmerzfrei zu kämmen und ihr neue Zöpfe gemacht. Sie liebt Zöpfe. Ich bin gespannt ob Doof es heute geschafft hat sie zu Duschen und ihr die Haare zu waschen. Aber das sehe ich erst morgen früh.

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Blogparade: Integration von Menschen mit Behinderung

Ich bin wieder da. Nach Monaten der Abwesenheit zieht es mich zurück zum Blog. Einiges will und muss ich noch nacharbeiten. Dazu gehört die Fortsetzung der Afghanischen Verlobung, denn mittlerweile ist das Paar verheiratet. Auch die Familie möchte ich noch fertig vorstellen. Und insgesamt möchte ich wieder aktiv den Blog füllen.

Beginnen aber werde ich mit einer Blogparade von Chaoshep.

Chaoshep und ich habe einiges gemeinsam wie ich beim stöbern im/auf dem Blog feststellen musste. Ich bin weder Reiterin, noch Heilerziehungspflegerin, aber auch ich arbeite in einer Einrichtung für Behinderte und Chaos ist, so glaube ich, ein Begriff der beruflich wie Privat fester Bestandteil ist.

Das Thema Integration ist ja generell ein Thema hier bei mir, aber diesmal geht es insbesondere um Behinderte. Also quasi um unsere berufliche Klientel.

Chaoshep/Fräulein_ich schreibt von einem Gespräch mit einem Bewohner, der meinte, dass Integration damit beginnt, das nicht mehr von Menschen mit Behinderung gesprochen wird. Vor vielleicht zwei Wochen führte ich ebenfalls so ein Gespräch und auch der Bewohner mit dem ich sprach äußerte sich so.

Nun ist das alles andere als einfach das so umzusetzen. Insbesondere dann wenn es nicht damit getan ist die Behinderung auszublenden.

Ein Beispiel: Da ist dieser 16jährige Rollifahrer. Auf Grund seiner Behinderung kann er nicht gehen und nur sehr kurz mit sehr viel Hilfe stehen. Seine Familie wohnt in einer viel zu kleinen Wohnung im 5.Stock ohne Aufzug. So muss der Vater Kind und Rollstuhl jedes Mal in die Wohnung schaffen. Es ist nicht genug eine Wohnung im Erdgeschoss zu suchen oder eine mit Aufzug, sondern es muss auch eine mit Fluren die breit genug für einen Rolli sind sein. Es muss eine sein mit einem Bad das die Möglichkeit bietet den größer und älter werdenden Jungen in die Badewanne oder unter die Dusche zu bekommen, ohne das der Vater schleppen muss. Es muss eine sein die einem Vermieter gehört, den es nicht stört, das die Familie aus Russland stammt und drei Behinderte Familienmitglieder hat.

Wie erfolglos Integration hier ist sieht man daran, dass die Familie selbst mit Hilfe des Wohnungsamtes keine Wohnung bekommt, obwohl der Vermieter „nur“ zwischen drei Interessenten wählen kann/darf. Und das seit Jahren.

Anderes Beispiel: Es ist nun nicht so, dass jeder der in einer Einrichtung arbeitet, so denkt und handelt, wie man es erwarten sollte oder würde.  Bei meinem Chef z.B. ärgert mich das er A sagt, aber B macht. Nicht immer- er kann sehr konsequent sein, aber speziell bei diesem Beispiel ist er eben nicht wie erwartet. Wir haben einen Bewohner, 19 Jahre, der im nächsten Sommer ausziehen muss.

Nun habe ich mit dem Chef schon vor ein paar Monaten gesprochen und er meinte selbst, das dieser Bewohner in den 1. Arbeitsmarkt gehört und nicht in eine Behindertenwerkstatt. Das er eine eigene Wohnung mit Pflegedienst haben sollte. Nun, wo es in die heiße Phase der Suche geht, sieht das ganz anders aus. Kein Versuch einen Ausbildungsplatz zu suchen, bzw. bei der Suche zu helfen. Kein Versuch ihm zu helfen eine Wohnmöglichkeit nach seinen Wünschen zu suchen. Dafür aber hat er bereits den Anmeldebogen für eine andere Einrichtung ausgefüllt, die Wohnen & Arbeiten (Behindertenwerkstatt) gleichzeitig bietet. Eben das, was zu diesem jungen Mann nicht passt und was dieser auch auf keinen Fall will. Von einer Einrichtung in eine andere. Abgeschoben und ausgegrenzt.

Nun weiß der Chef nicht, was ich weiß. Nämlich das der junge Mann schon länger einen Nebenjob hat und ca. 2x pro Monat Samstags in einem großen bekannten Elektronikladen arbeitet. Sein Chef dort tut mehr für die Integration als mein Chef und das ist wirklich traurig. Es zeigt aber gleichzeitig das alles eine Frage der Bereitschaft und des Willens ist. Fehlt noch die Wohnung. Daran arbeite ich jetzt mit ihm. Und ich hoffe, dass wir auch da etwas erreichen.

Nun hatte ich bei meinem ersten Beispiel bereits das Thema geeignete Wohnung angesprochen. Noch einmal: Die Familie einer weiteren Bewohnerin baut jetzt selbst ein Haus für sich. In diesem Haus wird es möglich sein mit dem Rollstuhl alle Räume zu erreichen und sich frei zu bewegen. Denn etwas derartiges haben auch sie bei ihrer langjährigen Wohnungssuche bisher nicht bekommen.

Integration ist eine Sache, bei der alle mit anpacken müssen. Vermieter, Passanten, Fahrgäste, Nachbarn, Arbeitgeber, Kollegen,… Jeder kann seinen Beitrag leisten und helfen. Nein, es ist nicht notwendig jedem Rollifahrer unbedingt in die Bahn zu helfen- es sei denn, er schafft es nicht allein. Aber man kann auch anders helfen und da bring ich nun mein letztes Beispiel für heute:

Volle U-Bahn. Eine Rollifahrerin steht dort. Die Bahn wird immer voller. Die Menschen vor ihr drängeln immer mehr, stehen mit dem Rücken zu ihr, sitzen fast auf ihrem Schoss. Panik macht sich bei ihr bemerkbar. Von draußen drängeln die Leute und murren, weil nach ihrer Meinung da hinten noch Platz für mindestens zwei Leute wäre. Keiner sagt: „Stop, hier steht ein Rollstuhl“,  keiner entschuldigt sich für das ständige stoßen gegen den Rollstuhl und ihre Füße. Niemand achtet auf den panischen Ausdruck in ihrem Gesicht.

 

 

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Zuhause II-4

Deutschland hat uns wieder. Ich bin froh dass ich die ersten Tage frei hatte, denn die Umstellung war gar nicht so einfach. In Marokko war der Sonnenuntergang recht zeitig, daher haben wir abends so zwischen 19:30 Uhr und 20 Uhr gegessen. Hier wird es nach 21 Uhr. In Marokko aßen wir gegen viertel vor 2 morgens und hier stehe ich um 2:30 Uhr auf zum essen. In Marokko habe ich danach ausgeschlafen, hier klingelt mein Wecker früh und zu guter Letzt: die 26°C angenehme Temperatur ist ganz anders als 28°C brütende Hitze/Stadtluft hier. Schön wieder hier zu sein und doch würde ich gern erst im Herbst wiederkommen.

Um meine Serie der Familienvorstellung aber mal fortzusetzen, kommen wir mal zu dem ältesten meiner Schwager.

In Deutschland ist es schon schwierig wenn ein Kind hochbegabt ist. sofern man dies feststellt ist es für Lehrer deren Studium auf Gleichschaltung ausgerichtet ist, schwierig damit umzugehen. Auch Eltern haben da oftmals ihre Probleme und sofern die Hochbegabung diagnostiziert wird, muss man schon am Ball bleiben um das Kind richtig zu fördern. In Marokko ist das noch ein Tick schwerer. Stöhnen wir hier wenn 30 Kinder in der Klasse sitzen, sind es in Marokko durchaus auch mal 40 und das Augenmerk der Lehrer ist weit weniger auf spezifische Bedürfnisse von Kindern ausgerichtet. Mein Schwager nun ist eines dieser unterforderten und nicht diagnostizierten Kinder, bzw. inzwischen ist er mit Mitte 30 erwachsen.

Grundsätzlich ist er ruhig, eher still. Wird er wütend hört man ihn dennoch nicht schreien, eher erhebt er seine Stimme und man sieht an seinem Gesicht das er wütend ist. Ebenso ist es bei allen positiven Emotionen. Er ist eine Art ruhender Pol, der besonnen argumentiert und berichtet.

Sein absolutes Steckenpferd ist Mathematik. Wo andere büffeln und Bücher wälzen, schüttelt er sich alles aus dem Ärmel, wie man so schön sagt. Überhaupt hat die Familie ein Faible für Mathematik, aber bei ihm ist es besonders intensiv.

Was ich persönlich so wohl lustig als auch anstrengend finde ist seine Art Englisch und Französisch zu mischen. Er beginnt ein Gespräch, manchmal auch nur einen Satz in Englisch und fällt plötzlich ins französische. Da meine Französisch-Kenntnisse echt in den Kinderschuhen, eher Babyschuhen stecken, muss ich mich ganz schön konzentrieren um mitzukommen.

Seit Baba nach Rabat ins Krankenhaus musste lebt er allein in der elterlichen Wohnung in Fes. Samstag früh steigt er in den Zug um die Familie zu besuchen und Sonntag Vormittag geht es zurück. In Fes hat er einen Job und nebenbei schreibt er seine Doktorarbeit. Im Oktober gibt es einen wichtigen Termin bei dem er diese Arbeit präsentieren muss und das wird hier in Deutschland sein. Unser aller Hoffnung liegt darin, dass ihm diese eine gute Arbeitsstelle beschert.

 

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Zuhause II-3

Meine jüngste Schwägerin, das Küken der Familie, ist mittlerweile auch schon 26 Jahre. Eine lustige, nette junge Frau, die sich erst vor kurzem entschlossen hat Kopftuch zu tragen. Grundsätzlich kleidet sie sich eher westlich.

Sie ist die einzige die in Fez geboren wurde. Sie fängt mit dem Lernen von haushälterischen Dingen erst an. Daher hilft sie viel, lässt alles begutachten und wird langsam selbstständiger.

Eine Weile hatte sie überlegt in Deutschland zu studieren aber sie hat die Sprachprüfung nicht bestanden. Verstehen kann sie sehr gut, nur bei der Sprache hapert es. Sie freut sich daher immer wenn sie mit uns etwas sprechen kann.

Sie lacht viel und gern. Derzeit ist sie krank aber trotz Schmerzen verliert sie ihre gute Laune nicht.

Meisst ist sie mit ihrer Schwester anzutreffen aber sie albert auch gern mit ihrem Brüdern rum. Am schlimmsten ist es mit dem jüngsten Sohn der Familie. Beide zusammen sind manchmal wirklich kaum noch erträglich. Sie ärgern sich permanent gegenseitig. Auch meine Jungs haben Gefallen daran gefunden und beteiligen sich rege.

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Zuhause II-2

Meine „älteste“ Schwägerin ist die erstgeborene der Familie. Mittlerweile 40 Jahre und die eigentliche Herrin des Hauses.

Nach der 8. Klasse überließen die Eltern ihr die Entscheidung ob sie weizer zur Schule gehen oder lieber der der Mutter zu Hause helfen wollte. Sie entschied sich zu helfen und die Eltern erkannten bald das es falsch war sie danach zu fragen, aber es war zu spät. Ungebildete Mädchen sind keine beliebten Heiratskandidatinnen. So lernte sie kochen,backen und was sonst noch alles zum Haushalt führen dazu gehört.

Sie hat ein Talent zum Nähen daher arbeitete sie eine Weile für jemanden der Jelabas und Co. verkauft. Maßanfertigung mit Qualität und selbstverständlich auch Änderungen und Reparaturen. Doch die zunehmende Lieferung von Altkleidern aus Europa machte es schwieriger und irgendwann schloss der Laden. Man organisierte ihr eine Nähmaschine und eine Strickmaschine. Danach bearbeitete sie Aufträge von Nachbarn, Familie, Freunden. Ihr Bruder programmierte die Strickmaschiene, denn das kann sie nicht und sie fertigte vor allem warme Winterkleidung.

Es rentierte sich auch bald nicht mehr. Da sie auch super backen kann begann sie von zuhause eine Art Cateringservice für Feste. Sie lieferte die tollen Backwaren. Als sie günstig einen Laden übernehmen konnte hatte sie ihre eigene Bäckerei. Diese behielt sie auch Anfangs nach dem ersten Umzug der Familie.

Jahrelang suchten sie nach einer anderen Wohnung und endlich fanden sie etwas. Doch aus der alten Wohnung direkt in die neue klappte nicht, daher mussten sie vorrübergehend eine „Zwischenwohnung“ nehmen und dann ging es endlich ins neue Heim. Viel Arbeit und keine Zeit für die Bäckerei. Schließlich kam der drei monatige Krankenhausaufenthalt von Baba dazu und die Familie wollte natürlich bei ihm sein, zumal es eine Weile so schlecht um ihn stand das sein Überleben nicht gesichert war. Man packte die Koffer und zog zum jüngsten Sohn der Familie, der beruflich weiter weg, aber näher an Rabat wohnte.

Inzwischen hat sie den Haushalt übernommen. Mama hat Pause. Natürlich macht sie noch einiges, aber durch die Wohnung wirbeln braucht sie nicht mehr.

Insgesamt ist es für meine Schwägerin gut hier zu wohnen, aber wie ich schon erwähnte ist die Familie das warme Wetter aus dem Landesinneren gewohnt. Sie friert hier und meine Schwägerin ist als einzige der Familie ein schmächtiger Zahnstocher was es schlimmer macht. Im Landesinneren ist es jedoch bedingt durch den Sand immer recht staubig und sie hat eine Allergie. Täglich hustete sie so stark das sie sich immer wieder übergeben musste. Hier geht es ihr gut.

Ich mag sie sehr gern, aber mit ihr habe ich am meisten Schwierigkeiten. Genau wie ich hat sie Prinzipien und da ist sie stur. Ich mag es z.B. nicht wenn kemand anderer die Spülmaschine einräumt. Ich habe mein System. Ausräumen ja und lieber ärgere ich mich über Schüsseln im Topfschrank, als das ich mich über eine eingeräumte Spülmaschine ärgere. Sie ist ähnlich. Es ist ihr Schema F nachdem sie Pizza backt auch wenn es umständlich und Zeitaufwendig ist. Ansonsten läßt sie mich helfen aber wacht über allem und bemüht sich mir ihre Art der Handhabung zu zeigen.

Sie trägt grundsätzlich eine Art Fleecemütze im Haus mit der sie ihre Haare bändigt und den Kopf wärmt. Geht sie raus zieht sie ein Kopftuch darüber. Eine Fleeceweste hat sie über dem langärmligen Shirt und eine Fleecehose deren Beine sie mit Gummibändern hoch hält über einer Leggings. Geht sie raus zieht sie entweder eine Jelaba drüber oder aber eine Hose und eine Jacke.

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Zuhause II- 1

Mama gehört zu jenen Menschen bei denen ich das Gefühl habe, sie werden rein äußerlich nicht älter. Sie ist nach all den Jahren so wie ich sie kennengelernt habe.

Geburtstag ist hier nur etwas das für offizielle Dokumente benötigt wird. Gefeiert wird er nicht, auch nicht besonders bedacht. Ich kann die Uhr nicht eine Sekunde zurückdrehen und ich werde nun mal jede Sekunde älter.

Mama ist nun bald 60, ihr Mann knapp darüber. Zuhause trägt sie grundsätzlich ein Kopftuch das sie sich mal so und mal so befestigt. Heute ist es himmelblau und die Enden hat die gedreht und über den Kopf geschlungen. Sie trägt grunfsärzlich eine Art Hauskleid mit einer Schürze darüber. Drunter lange Hose und langärmeliges Shirt. Geht sie raus erkennt man sie kaum wieder. Das Kopftuch wird neu und ordentlich gebunden, eine Jelaba ersetzt das Kleid.

Am Telefon klang ihre Stimme in letzter Zeit kraftlos und krächzend. Doch hier ist sie wie immer. Dennoch macht ihr Knie Probleme und auch ihr linker Fuss ist nicht mehr top. Sie verlässt fas Haus selten. Geht mal Besorgungen machen und sonst ist sie für alle da.

Ihre Eltern sind nicht mehr die jüngsten und gesündesten. Aber im Vergleich zu Babas Mutter, die mittlerweile 120 Jahre alt ist sind sie mit um die 90 jung. Sie wohnen ausserhalb in einem Dorf und daher gibt es wenige Besuche.

Mama ist ein fröhlicher, liebevoller Mensch.

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Zuhause II

Ich möchte mal meine Familie vorstellen. Bewusst nenne ich sie meine Familie wenn wir auch nicht blutsverwandt sind. Mein Schwiegervater wird nicht müde mir immer und immer wieder zu versichern das ich hier nicht nur herzlich willkommen bin, sondern auch seine Tochter- ohne jeden Unterschied zu seinen anderen Kindern.

Gerade vor dem Wiedersehen mit ihm habe ich mich gefürchtet. In meiner Erinnerung ist er ein Mann mit breiten Schultern, etwas größer als ich. Weißer Bart und ein weißer Haarkranz um eine Glatze die in der Regel mit einer Mütze bedeckt ist. Er verkörperte für mich immer Stärke. Dann kam im letzten Jahr seine Krankengeschichte dazu.

Schon lange hat er Probleme mit den Nieren und der Galle und von seinem Arzt einen Diätplan der ihm alles mögliche verbietet. Typisch für ihn, das er da gern mal fünfe grade sein lässt. Brachte ihm natürlich Beschwerden ein.

Dann kam sein Sturz mit dem er nicht zum Arzt wollte. Ein Fehler, denn so dauerte es recht lange bis er die Diagnose Beckenbruch bekam und endlich behandelt wurde.

Eine Niere hat sich verabschiedet und eine Weile war von einer Transplantation die Rede, aber nicht ohne vorherige Dialyse. Drei Monate war er im Krankenhaus. Extra nach Rabat gebracht.

Am Telefon klang seine Stimme immer furchtbar seit jener Zeit, ebenso wie die von Schwiegermama. Aber das ist ihre Geschichte.

Was würde mich erwarten wenn ich ihn wiedersehe?

Seine Stimme scheint schwächer geworden und es macht den Eindruck als wäre er geschrumpft. Gerade auf meine Größe

Die Haare sind verschwunden,die Mütze ständiger Begleiter. Sein Gang nicht mehr sicher und man erkennt die Hüftprobleme. Unter seiner Kleidung scheint er knapp unter dem Normalgewicht zu liegen.

Das Gebet verrichtet er vom Rollstuhl aus und außerhalb des Hauses geht er mit Stock. Sehr flott. Man muss schon schauen dass man den Anschluss nicht verliert. Mir wurde gesagt er würde immer nurgerade aus laufen. Das kann ich nicht bestätigen. Er weiß wo er hin will und da rennt er hin. Aber an der Straße sollte man ihn besser nicht allein lassen, obwohl Fußgänger auf der Straße hier normal sind. Aber auf der Straße gehen oder diese überqueren sind zwei verschiedene Dinge.

Früher ging er regelmäßig in die Moschee zum Gebet, jetzt, da er nicht mehr allein dorthin darf geht er nur abends zum Gebet nach Sonnenuntergang (Magreb). Danach geht er normalerweise gern noch spazieren aber während des Ramadan bleibt er zum speziellen Ramadan Gebet (Tarawieh) und dem abschließenden Nachtgebet (Isha’a) dort und geht dann mit seiner Begleitung wieder Heim.

Früher hatte er schon immer den Quran als ständigen Begleiter, in dem er fleißig las und das hat sich nicht geändert, nur der Quran selbst hat inzwischen die Größe A3 mit größerer Schrift.

Inzwischen hat sich durch meine Kids die Benennung „Oppa“ und für Schwiegermama „Omma“ eingebürgert, aber normalerweise heißt es „Walid“ und „Walida“. Ich hingegen nenne ihn Baba und sie Mama.

Nächstes Mal: Mama