Veröffentlicht in Arbeit, Ausbildung, Deutschland, Menschen, Persönlich

Aufbruch/Wandel #2

Meine Tochter fand eine Gruppe Mitschüler mit denen sie sich gut verstand und natürlich auch einige mit denen es nicht optimal war. Wie das eben so ist in Schulen. Doch sie war die einzige die schon im Berufsleben stand. Der Rest war bisher Hauptberuflich Schüler.

Die Schule gefiel ihr. Direkt am Anfang wurde sie gefragt ob sie im Falle von Distanzunterricht ein Tablet oder ähnliches hätte. Als sie verneinte bekam sie direkt eines ausgehändigt. Geliehen versteht sich.

Wirklich gut ging es ihr psychisch nicht. Lange hatte sie in einer WG gelebt mit ihren zwei Katzen, die aber irgendwann vom Vermieter abgelehnt wurden, nachdem das ursprünglich anders kommuniziert wurde. Die Mitbewohner schwankten und teilten sich auf zwei Seiten, je nach Tagesform. Es gab weitere Streitigkeiten und schließlich entschied sich die SML zum Auszug.

Über Kontakte bekam sie schnell eine Wohnung mit Balkon. Doch was anfänglich toll erschien entpuppte sich als Alptraum. Die Wohnung ist weit weg von Familie und Arbeit. Der Vormieter verschwand und ließ seinen Sperrmüll in Wohnung und Keller, der angeblich ganz neue Kühlschrank friert mal das Essen ein und mal taut er alles auf. Schließlich entdeckte sie in der Wohnung eine Maus und zwei Löcher in der Wand unter den Hängeschränken der Küche. Ihre Katzen fanden das zwar interessant, aber jagen wollten sie nicht. Der Vormieter tauchte immer wieder auf und entfernte ihr Namensschild vom Briefkasten weil er sicher gehen wollte das eventuelle Post für ihn eingeworfen wurde. Das ihre dadurch nicht ankam war egal. Der Hausmeister brauchte ein halbes Jahr um das Klingelschild im Tableau zu ändern.

Von eigenem Gehalt auf Bafög herabgestuft war auch kein Vergnügen und nicht alle Lehrer hatten ein Distanzkonzept für die Noten. Als die Ethiklehrerin schließlich anfing für Noten nach persönlichen Meinungen zu fragen (Hättet ihr Trump gewählt? Würdet ihr euch impfen lassen?) konnte sie nicht mehr. Auch einige Mitschüler machten ihr zu schaffen. Nicht weil sie etwas schlimmes machten, sondern weil… na ja, sie waren halt nie selbstständig, lebten noch zu Hause, waren nie berufstätig und daher ziemlich naiv und verträumt. Niemand auf ihrer Wellenlänge. Aber alle hatten ihre Luxusproblemchen.

Langsam wurde ihr klar, dass das Studieren nicht mehr ihr Traum ist. Etwas anderes machen, sich weiterentwickeln: Ja, aber nicht wie geplant, sondern anders.

Zuerst aber mal wieder ein Gehalt und Arbeit. Also sprach sie mit dem ML und dem VL und das Ergebnis gefiel ihr. Mehr Gehalt, eine 30 Stunden-Stelle und alles so dass der Übergang gut läuft und ganz wichtig: eine andere Filiale.

Als sie mir davon erzählte ahnte ich bereits was folgen würde und kurz nachdem sie in der Filiale angefangen hatte bekam sie (unter der Hand) die Bestätigung meiner Vermutung. Sie wird den dortigen Marktleiter ersetzen, wenn dieser in wenigen Monaten geht. Bis dahin ist sie SML und wird eingearbeitet, denn diese Filiale ist mehr als doppelt so groß.

Auch der VL war öfters da. „Gefühlt jeden Tag“, meinte die SML zu mir, denn es gibt Schwierigkeiten in der Filiale. Der VL hält viel von meiner Tochter und fragte nach ihrer Meinung zu den Ursachen. „Die Mitarbeiter, ganz klar“, antwortete sie und damit hatte sie wohl gesagt was dem VL auch klar war und er weiß, meine Tochter wird es richten.

Der jetzige ML hat keinerlei Fähigkeiten bei der Personalführung. Die Mitarbeiter machen was sie wollen und das ist auf jeden Fall weniger als zu ihren Aufgaben gehört. Einige sind darüber hinaus schon negativ aufgefallen, die wenigsten haben verstanden dass sie bei ihrer neuen Chefin besser vorsichtig sein sollten. Ja, meine Tochter ist klein, zart, gerade 22 Jahre und sehr nett, aber Personalführung ist für sie kein Problem. Die Liste der Mitarbeiter, die den Markt verlassen müssen ist bereits angelegt. Jeder bekommt die Chance seine Arbeit korrekt zu machen, aber wer nicht will, kann seine Sachen packen. Auch dann wenn er schon seit 25 Jahren dort arbeitet. Von den täglichen Arbeiten mal abgesehen ist die nächste Bewährungsprobe die Inventur und deren Ergebnis.

Deswegen hat sie die Filiale bekommen. Der VL will aufräumen und mit dem jetzigen ML wird das nichts.

Doch meine Tochter hat Pläne die weiter reichen. Sie wird dort aufräumen und vielleicht fünf Jahre bleiben. Zunächst läßt sie ihre Stunden hoch stufen, dann will sie soviel vom Gehalt an die Seite legen wie möglich. Wenn sie in der Wohnung bleibt, braucht sie ein Auto. Nichts besonderes, aber öffentlich ist der Weg zu weit. Langfristig aber will sie Richtung Nordsee oder Ostsee, beruflich etwas anderes machen. Was weiß sie noch nicht.

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