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Lockdown

Am Montag war ich nur kurz unterwegs zum Homeschooling und habe nichts bemerkt. Ich war wohl etwas unaufmerksam und auch dort unterwegs wo nicht allzuviel ist. Doch Dienstag war es offensichtlich: es war, als gäbe es keinen Lockdown. Die Menschen waren unterwegs. Ohne Masken. Sie liefen auf den Gehwegen, fuhren in Autos. Wurde der Lockdown abgesagt? Habe ich etwas verpasst? Als ich mittags den Busfahrer darauf ansprach bestätigte er meinen Eindruck. Für die Frühtour hatte er 10 Minuten länger gebraucht als üblich, berichtete er. Und jetzt standen wir in der Schlange an der Ampel und um uns rum tobte das Leben.

Inzwischen ist es wieder eher Lockdown. Die Straßen sind einsam und verlassen, wie sonst nur Sonntag morgen.

Dennoch: es mussten Lokale, Restaurants ect. schließen und ab 21 Uhr soll niemand unterwegs sein. Mittags an den Haltestellen sitzen jene Menschen die sonst ihre Zeit in der Kneipe verbringen. Ohne Maske, denn sonst kann man die Bierflasche nicht leeren. Und sie sitzen oft zu zweit oder dritt. Hier und da sind es auch mehr.

Die Kontaktbeschränkungen sind eine nette Sache, aber ich begleite meinen Schützling in die Notbetreuung. Jedes mal sitze ich in einem Raum mit vier anderen Personen und wir sind eine kleine Gruppe. Andere Gruppen sind größer. Die Betreuer wechseln und treffen Kollegen. Dadurch erhöht sich die Zahl der Kontakte weiter.

Vor einem Jahr habe ich täglich die Diskussionen, Interviews, Berichte, Podcasts… zu COVID 19 geschaut. Das ist schon lange vorbei. Wenn gerade was kommt, wenn ich mal Fern schaue, dann höre ich so mit einem Ohr hin, aber das reicht mir. Nur einmal am Tag will ich die aktuellen Zahlen wissen.

Es wird nur noch über Inzidienzwerte gesprochen. Das wir unter 50 kommen sollen und schon bei 80 angelangt sind. Ehrlich gesagt ist mir das ziemlich egal. Ich sehe etwas anderes:

Seit Ende Dezember wird geimpft, also seit fast sechs Wochen. Die Impfung soll etwa nach der dritten oder vierten Woche anfangen zu wirken. Das es kein Mittel gibt das 100% wirkt und das zwei Spritzen notwendig sind, aber viele nur eine Spritze bekommen und dann solange auf die zweite warten müssen, und niemand weiß ob die erste überhaupt noch gezählt werden kann, kann man ja einfach mal übersehen. So wie die Tatsache das wir vor einer Woche etwas über Neuntausend Neuinfizierte hatten, dann Elftausend und schließlich 13 Tausend. Samstag früh waren es dann wieder fast 10.500 und heute sind wir bei etwas weniger als Neuntausend.

Aber in diesem einen Jahr COVID19 hat sich nichts daran geändert, das viele Gesundheitsämter keine Daten übermitteln, das weniger getestet wird und die Korrektur immer erst nach dem Wochenende erfolgt.

Die Menschen träumen von einer Rückkehr aus dem Lockdown, aber bisher ist unbekannt ob geimpfte weiter Überträger sind, wie lange die Impfung wirkt und niemand weiß ob er womöglich zu jenen gehört bei dem sie nicht einmal anschlägt.

Die Sache mit den anaphylaktischen Schocks ist auch nicht so wild. Zwar weiß man nicht welcher Bestandteil des Impfstoffs die allergische Reaktion auslöst, aber das ist nicht so wichtig. Man konzentriert sich erst einmal auf jene die auch bei früheren Impfungen schon Probleme hatten und beobachtet sie einfach 30 Minuten. Und die, die auf Bestandteile der Impfstoffe grundsätzlich allergisch reagieren lässt man außen vor.

Schulen und KITAs sollen schnell öffnen, aber gerade Kinder haben meist keinerlei Symptome und fungieren als Überträger. Egal, der Inzidienzwert fällt. Das die Zahl der Neuinfektionen trotz der Impfungen immer noch so weit oben liegt, übersehen wir. Die Menschen wollen halt raus, in Clubs, in Konzerte. Das ist alles so wichtig. Nicht zu vergessen der unendlich wichtige Friseurbesuch.

Ach ja, und dann haben wir da noch die Mutationen. Drei kursieren wohl schon in Deutschland. Was womöglich noch schlummert ist unbekannt. Köln ist dazu übergegangen jeden positiven Coronatest auf Mutationen zu untersuchen. Aber das ist Köln und Deutschland besteht nicht nur aus Köln. Insgesamt ist der Mutationstest nicht üblich und wird zu selten durchgeführt.

RKI-Chef Wieler immerhin warnt vor den Mutationen und davor die Lage zu unterschätzen. Und auch Bundesgesundheitsminister Spahn fällt in das Lied mit ein. Über Dreimillionen Menschen wurden geimpft und 800.000 haben die zweite Dosis erhalten. Doch die offenen Punkte kann man nicht einfach unter den Teppich kehren.

Nicht alles läuft optimal: da war das Interview mit einer anonym bleiben wollenden Mitarbeiterin eines Gesundheitsamtes, die berichtete das viele Branchenfremde eingestellt wurden und erst einmal Probleme mit der Software haben, auch mal Fehler machen. Der Digital-Fachmann von irgendwo, der meinte das vielfach in Deutschland tatsächlich das wichtige Kommunikationsmittel schlechthin ein Faxgerät ist. Deutschland ist elektronisch betrachtet ein Entwicklungsland das man als rückständig bezeichnen kann. Und ja, die offiziellen Zahlen des RKI stehen nur aus jenen Meldungen die elektronisch übermittelt wurden. Sollte das Gesundheitsamt aus Ober-Unter- Weißnichtwo seine Zahlen telefonisch mitteilen, werden die ignoriert.

Und dann war da die Sache mit den Masken: ein Mitarbeiter eines Gesundheitsamtes meinte er wurde strafversetzt weil er gewagt hatte darauf hinzuweisen das die Alltags-/Communitymasken nie wirklich getestet wurden und man erst einmal wissen müsse aus welchem Material die sein müssten um Schutz bieten zu können. Inzwischen haben wir die FFP2- Masken Pflicht. Und Ende letzten Jahres unterhielt ich mich noch mit dem Chaos-Schnitzel über die schicken transparenten Visiere. Viele haben die besorgt und das Schnitzel meinte das bei der Kälte gut sichtbar ist wie da die ganze „Suppe“ runterläuft. Das kann doch nicht schützen. Ich hatte kurz vorher auf der Seite eines Herstellers geschaut und gelesen, dass die Visiere zusammen mit einem Mund-Nasen-Schutz verwendet werden sollten. Wenn also Schutzlücken bekannt sind, warum kommen die Politiker so spät damit?

Ich kann in aller Ruhe meinen Einkauf im Lebensmittelmarkt machen, aber ich darf nicht schnell in den Elektronikmarkt um ein neues Ladekabel zu kaufen, eine neue DVD, oder den defekten Staubsauger zu ersetzen.

Ich sehe den Lockdown als eine Zeit in der ich mich mit Dingen beschäftigen kann, für die ich normalerweise keine Zeit habe. Das ist etwas positives. Was ich nicht will: ein schnelles Ende des Lockdown, und dann nach einiger zeit in den nächsten rein rutschen. Besser wir bleiben eine Weile zuhause. Jens Spahn bezeichnete die Pandemie als Charakter- und Stresstest für die Gesellschaft. Dem stimme ich zu. Auch Politiker gehören zur Gesellschaft. Schauen wir welchen Charakter die in nächster Zeit zeigen