Veröffentlicht in Deutschland, Gesundheit, International, Menschen, Schule

Corona-frei und Co.

Wir haben Corona-Frei, sprich: wir dürfen/müssen daheim bleiben. Wie alles hat auch das so seine Vor-und Nachteile.

Das ganze Hetzen, auf die Uhr schauen, eilen ist vorbei. Alles kommt zur Ruhe. Es ist ein bisschen wie Sommerferien. Man sieht kaum jemanden weil alle im Urlaub sind. Es ist ruhig draußen. So als ob die Welt einfach mal die Luft anhält.

Man hat Zeit für alles mögliche. Ich hätte sogar Zeit zum lesen, kann mich aber nicht dazu aufraffen. Statt dessen lasse ich lesen. Ich habe mir Hörbücher besorgt. Nicht zu fassen. Hätte mir das jemand vor einem Jahr gesagt, ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber inzwischen genieße ich es mal die Kopfhörer zu nutzen, die Welt aus zu klinken und mir ein Buch vorlesen zu lassen.

Die Kinder haben Schulfrei, außerhalb von Feiertagen und Ferien. Auf unbestimmte Zeit.

Ursprünglich war geplant das wir einen Familienurlaub für eine Woche machen. Die SML hat hart um diese Woche gekämpft, denn ihr Chef wollte ihr diese Woche nicht gönnen. Die Tänzerin hat entschieden die Uni zu schwänzen und einfach ihr Tablet mit zu nehmen, damit sie während des Fluges oder auch vor Ort mal ein wenig lernen kann.

Dann begann sich alles zu drehen: die Tänzerin bekam eine Terminliste und ausgerechnet während des Urlaubes sollte sie eine Präsentation abliefern. Wir hielten die Luft an und sie ging zum Lehrer. Entwarnung! Ihre Präsentation wir einfach um eine Woche verschoben. Wir waren erleichtert und ahnten nicht dass es dafür keinen Grund gab.

Das Wort Corona tauchte immer häufiger auf. Das Virus kam immer näher und plötzlich kam eine Mail der Fluggesellschaft: Der Hinflug wurde storniert. Tja, super. Dann brauch ich den Rückflug auch nicht. Urlaub ins Wasser gefallen. Gelder zurück? Das müssen wir abwarten. Es war keine Pauschalreise und daher kippelt es.

Mein Schützling durfte aus prophylaktischen Gründen nicht zur Schule und so hatte ich plötzlich frei. Dann kam der Handballer weil in der Nachbarschule ein bestätigter Fall auftrat und anschließend rief die Schule des Fußballers an. Er war im Nachbargebäude und dort war ein bestätigter Fall.

Es stellte sich heraus, der der Fußballer nur verwechselt wurde und zwei andere Kinder im Nachbargebäude waren, aber das änderte nichts mehr. Schulfrei- außerhalb der Ferien.

Kurz darauf kam die Lehrerin des Fußballers mit einem Stapel Aufgaben vorbei. Bereits am letzten Tag hatte er einen solchen bekommen. Die abgeholzten Bäume sagen „Danke“.

Die Tänzerin bekam an der Uni frei…- aber auch die Auflage sich zur üblichen Vorlesungszeit zum Online- Unterricht ein zu finden. Das ist absonderlich, denn gerade bei ihr an der Uni gibt es eine Gruppe Lehrer die man in zwei Kategorien einteilen kann: 1. Wieso sollte ich ein technisches Gerät bedienen? Dafür haben wir Berater. Die 2. Kategorie ist: „Das Gerät will nicht. Wie Steckdose? Welchen Stecker soll ich wo einstecken?“ Kurz gesagt: ohne technischen Berater würde es oft gar nicht laufen.

Jetzt findet Schule zuhause statt. Und ich finde das nicht übel. Einzelunterricht der sich auf Stärken und Schwächen konzentrieren kann und individuell gestaltet wird.

Dennoch bin ich enttäuscht. Lehrer betonen gern das man seinen Kindern doch die Gefahren des Internets bewusst machen sollte. Lehrer reden gern darüber wie schädlich der Konsum von Smartphone und Co. ist und hier wäre jetzt die Gelegenheit gewesen den Schülern zu zeigen wie man die Geräte, die die Schüler aller Mahnungen zum Trotz dennoch haben, sinnvoll nutzen könnte. Pustekuchen.

Immerhin hat die Lehrerin des Fußballers eine Plattform genutzt um den Eltern/Kindern noch weitere Lernaufgaben online zur Verfügung zu stellen. Aus der Schule des Handballers: NICHTS.

Jetzt wäre die Möglichkeit Online- Unterricht zu erteilen, Bilder, Videos, Präsentationen zu nutzen, Schülern den sinnvollen Umgang mit Medien zu zeigen. Stoff weiter zu bearbeiten, zu erklären, neue Themen anzufangen, die Zeit sinnvoll zu nutzen, aber leider, leider, leider…

Immerhin: wenn von Lehrern schon nichts kommt und auch aus dem Bildungsministerium nichts zu erwarten ist, dann gibt es dennoch diese Lichtblicke, die zeigen dass es noch Menschen gibt die mitdenken. Da ist der Fernsehsender der jeden Morgen drei Stunden Schulfernsehen bietet für alle Fächer und Jahrgangsstufen und da ist der Basketballverein, der sofort erkannt hat das auch der Sportunterricht und sämtliche Vereinstätigkeit entfällt und man das- dank der Technik- einfach online anbieten kann. Training bei freier Zeiteinteilung zu Hause.

Und dann gab es immer wieder Meldungen zu Hamsterkäufen und tatsächlich verschwinden einige Dinge relativ schnell aus den Regalen der Supermärkte. Speziell angeblich Toilettenpapier. Ein Psychologe (?) im Fernsehen meinte den Menschen wäre das was rauskommt wichtiger als das was rein geht. Also egal was man isst, Hauptsache Toipapier zum abwischen.

Es wird davon geredet das man sich gegenseitig helfen soll, aber Abstand wahren. Das man besonders älteren Nachbarn die Einkäufe abnehmen sollte, aber Abstand wahren, soziale Kontakte eindämmen und immer wieder Lagerkoller und Familien die sich gegenseitig auf die Nerven gehen weil sie so dicht aufeinander hocken. Ja, man muss wirklich jedes Zusammengehörigkeitsgefühl ausmerzen, muss Einzelgänger auf Biegen und Brechen schaffen.

Seit Monaten wird über Umweltschutz geredet, Nachhaltigkeit und dann kaufen die Menschen Unmengen an Lebensmitteln die zwar nicht leicht verderblich sind, aber dennoch ein Mindesthaltbarkeitsdatum haben. Wie viel wird am Ende der Krise im Müll landen? Weil es verdorben ist, weil man gar nicht soviel essen kann wie man eingelagert hat.

Ich erinnere mich noch daran als 1999 so viele Menschen dachten Silvester sei alles zu Ende, alles würde zusammenbrechen weil Computer die Umstellung auf 2000 nicht schaffen. Was taten die Menschen? Hamsterkäufe! Als der Mayakalender endete und so viele davon überzeugt waren dass jetzt der Weltuntergang vor der Tür steht: Hamsterkäufe.

Wer profitiert davon? Firmen- in der Regel große Firmen die all diese Produkte die man so gut einlagern kann herstellen. Zusätzlich bekommen sie finanzielle Hilfen von der Regierung in Milliardenhöhe. Was bekommt der kleine Arbeiter mit Niedriglohnjob? Der soll sich sozial engagieren für die Mitmenschen. Und vorwiegend die Zahl der älteren Mitbürger reduziert sich dank Pandemie von allein.

Nach der Pandemie kann man die Arbeitslosenzahlen neu bewerten. Die Regierung kann ja nichts für Tote oder Pleitefirmen deren Arbeitsstellen verloren gingen. Die Übernahme von Kleinbetrieben durch große Firmen ist problemfrei möglich und selbst der Staat darf sich bedienen wenn Firmen finanzielle Probleme haben. In Krisenzeiten werden bestehende Regeln nochmal verschärft, wird ohne Diskussion mal eben gehandelt. Nur erstaunlicherweise immer von unten nach oben. Umgekehrt leider nicht.

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