Veröffentlicht in Deutschland, Menschen, Persönlich

Das Leben #XI

Die erste Zeit nach der Scheidung war.. Umgewöhnung. Gespräche mit Leuten die nach meinem Mann fragen könnten habe ich weitgehend vermieden. Ich wollte nicht weiter darüber reden, wollte niemandem erklären. Aber 1-2 bekamen es doch mit. Ich war dankbar das keine langen Gespräche folgten.

Ich wiederum bin auch zu ihm auf Abstand gegangen, bis die Tänzerin mit mir schimpfte und meinte ich solle wegen der Jungs einfach versuchen mit ihm eine Absprache zu finden. Nur welche Absprache trifft man mit jemanden, der sich an keine Absprache hält? Aber sie hatte recht. Irgendwie muss es möglich sein.

Rein vom Job her war und ist mir klar dass es besser ist wenn ich mich auf nichts verlasse und selbst so viel wie möglich zu Hause bin. Und das, wenn man in der Pflege tätig ist. Soll ich lachen, soll ich weinen oder laut schreien? Pflege ist nicht familienfreundlich.

Na gut, ich habe etwas gefunden mit optimalen Arbeitszeiten. Allerdings bedeutet das auch eine Gehaltseinbuße von 800€. Das schlägt ein mächtiges Loch in die Kasse. In dem Job wird man auch so nicht mit Reichtümern überhäuft. Wenigstens freue sich die Jungs, dass ich ab sofort immer da bin und nachts nie wieder weg muss.

Aber wir haben abgesprochen das er als Vater die Fahrten zu den Großeltern finanziert. Ich zahle dafür alles andere. Diskussionen unnötig.

Wie vereinbart hat er auch für die Sommerferien alles arrangiert, inklusive bringen und holen. Er kam früh genug vorbei um die Jungs zu holen und wir legten gerade die letzten Teile in die Koffer.

Er griff sich die nächste Flasche, die er auf dem Küchentisch fand, starrte darauf als ob er des Lesens nicht mehr mächtig wäre und stellte fest, dass dies aber keinen Sonnenmilch sei. Na ja, eigentlich war es eine After Sun milk. Aber hatte eigentlich irgendwer behauptet dass es Sonnenmilch wäre? So albern und kindisch es klingt: es machte mich ärgerlich weil es ein so typisches Verhalten war. Daher antwortete ich auch nur ungehalten dass die längst in den Koffern wäre.

Zum Abschied klemmte ich mir meinen Handballer noch einmal unter den Arm und erinnerte ihn daran dass er ja nun seit diesem Schuljahr ein Handy hat. Er möchte es doch bitte für viele Fotos nutzen. Er weiß wie sehr ich das liebe und versprach alles mögliche zu fotografieren.

Die Fotos sind auch der einzige Grund warum er das Handy mitnehmen durfte. Sonst braucht er es nicht. Nach zwei Tagen pingte mein Handy mehrfach hintereinander. Nicht mein Sohn hatte einen Stapel Fotos geschickt, sondern sein Vater. Das erste Mal in all den Jahren das er mir Fotos schickte.

Viele Fotos von den Kindern, aber auch einfach so von der Landschaft. Einige Fotos von seinen Schwestern. Die nächsten Tage ging das so weiter. Täglich ein paar Fotos. Und dann… hmm, zwei der Bilder war ich bereit als Gruppen-Selfie mit den Jungs zu werten, aber dann erhielt ich zwei Selfies einfach nur von ihm.

Ich kommentierte nichts, fragte nicht. Am Tag seiner Rückreise bekam ich plötzlich eine Nachricht. Er wäre fast da und hätte Magenprobleme. Ob ich was da hätte. Klar. Ist ja nichts neues. Ich fragte daher auch nur kurz „Kaffee?“ Ich kenne seine Magenprobleme und daher haben wir auch immer was da gehabt. Ob er sich das abholen könne und es ist Sonntag, er hat nichts in der Wohnung. Ja, kein Problem.

Essen, Medizin, Tee,Toilette. Schließlich meinte er sehr vorsichtig er hätte eigentlich neu anfangen wollen, aber er will nicht ohne mich. Alles zieht ihn zu mir zurück.

Was soll man dazu sagen? Langsam, sehr langsam. Als er schließlich ging wusste ich nicht so genau wie es weiter geht, aber war bereit mich überraschen zu lassen.

Zwei Tage später kam er vorbei und fragte ob ich mit ihm Essen gehe. Okay. Das Essen lief toll und entspannt. Wir unterhielten uns eher vorsichtig über Arbeit und die Kinder. Auf dem Spaziergang zurück kamen dann schon wieder so zwei Patzer von ihm. Ich hab sie geschluckt.

Am nächsten Tag erhielt ich einen Anruf von meiner Ärztin. Ich war vor kurzem zum Check up bei ihr und sie meinte ein Laborwert wäre auffällig. Ich soll mich nicht verrückt machen aber wir müssen das beobachten.

Ich gerate nicht so schnell in Panik, aber dennoch hatte ich das Bedürfnis mit jemanden zu reden, also fragte ich ihn ob er Zeit hätte. Er kam sofort von der Arbeit rüber. 10 Minuten später wünschte ich mir, ich hätte ihm nichts erzählt. Er hörte nur halb zu, wollte die Laborwerte und überhaupt sollte ich sofort ins Krankenhaus. Hallo!!! Meine Ärztin ist nicht blöd.

Am nächsten Tag habe ich dann auch gemeint dass es mir Leid tut mit ihm gesprochen zu haben. Er sagte nichts, aber riss sich zusammen. Er bot mir an, mal seine Wohnung anzuschauen. Eigentlich wollte ich das nie, aber die Neugier siegte. Gar nicht übel für eine Person und plötzlich bekamen Erzählungen von den Jungs nach dem Wochenende einen Sinn.

Am nächsten Tag waren wir zum Frühstück beim Bäcker, er ging dann zur Arbeit. Ich wieder nach Hause. Mit „Bis später“ verabschiedete er sich von mir und gegen 22 Uhr fragte ich ihn wo er denn sei. Im Bett. Er sei total müde.

Ein paar Tage später wiederholte sich das. Diesmal fragte ich ihn ob er wisse was „Bis später“ bedeutet? Es war eine der Gelegenheiten die ich nutzte um ihn darauf aufmerksam zu machen das sein Verhalten anderen Menschen gegenüber stark verbesserungsbedürftig ist. Er entschuldigte sich und versprach das nicht zu wiederholen.

Wie es weitergeht? Ich weiß es nicht. Er wird nicht einfach ein anderer Mensch und so wie er ist, ist er für eine Beziehung nicht geeignet. Das sieht seine Familie auch so und was er nicht versteht: es hat seinen Grund, dass sein jüngster Bruder zwar mich mal anruft, aber Telefonate mit ihm vermeidet, dass sein mathematisch begabter Bruder bei ihm sprachfaul ist aber bei dem Rest der Familie, insbesondere unseren Jungs ein ganz anderer Mensch zu sein scheint und viel lacht und spricht.

Nun, wir werden sehen. Nächste Woche bin ich beruflich im „Urlaub“. Das weiß er noch nicht. Wir werden sehen ob er sich an mich erinnert und mal nach mir fragt.

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