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Das Leben IV

Ich habe meine Männer zum Zug gebracht und wusste, ab da hatte ich viel Zeit. Zeit zum nachdenken. Zeit zum „wurschteln“. Begonnen habe ich meine Zeit unklug. Frustfraß. Der Abschied zwischen meinem Mann und mir war… distanziert und es ging nicht von mir aus. Er hatte diese Barriere gebaut und sich von mir entfernt. Grund genug einen großen Becher Eis zu essen und dann den Tag mit Dingen zu verplempern wie Schulranzen des Handballers ausmisten, alten Papierkram entsorgen, Möbel rücken,… alles Dinge die nur oberflächlich etwas sinnvolles bieten, aber wunderbar geeignet sind das Denken aus zu schalten. Zeitweise.  Denn da waren auch andere Momente. Momente in denen mir einfach nur die Tränen liefen und mir zeigten dass ich mich endlich mit der Realität aus einander setzen muss. Dabei macht mein Mann es mir einfacher durch die neue Distanzierung. Als ich schließlich bereit war zu akzeptieren und ich einfach nur alles mit Tränen wegschwemmen wollte, ging es nicht. Keine einzige Träne.

Eine Freundin schrieb mich an, fragte wie es mir geht. Ich hätte mich bei ihr melden müssen. Sie wurde operiert, ihr Mann ist viel beschäftigt und sie muss mit frischer OP die Kinder managen. Ich weine um mich und übersehe dass es mir gut geht im Gegensatz zu anderen.

Bekannte meldeten sich, fragten wie es mir geht. Meine Antwort ist immer dieselbe: „Gut, Danke. Wie geht es euch?“ Sie glauben mir nicht und haben mir das zu verstehen gegeben. Alle fragten was los ist und mir wurde bewusst das Menschen die weit weg sind bemerken das es mir nicht gut geht wegen einfachen 0815 Sätzen, während mein Mann mit mir lebt und blind ist. Jeder sagt mir ich soll an mich denken und ich soll mein Leben nicht verschwenden. Alles andere wird sich finden.

Ich habe kurz entschlossen zwei Bewerbungen verschickt, aber bei beiden bin ich auf Hilfe mit den Kindern angewiesen. Schichtdienst hat seien Nachteile, vor allem wenn man allein erziehend ist.

Immer wieder denke ich an den Tag wenn er zurück kommt und frage mich wie er wohl sein wird. Wie ich reagieren werde, was ich sagen und tun werde. Ich weiß es nicht und alle Szenarien sind nur Theorie. Ich muss den Moment abwarten.

Gestern Abend habe ich dann einen Entschluss gefasst und muss gestehen, dass ich noch etwas wacklig auf den Beinen bin, aber ich habe noch ein paar Tage Zeit kräftiger zu werden. Ich werde den tag wenn mein Mann zurück kommt nutzen noch einmal das Gespräch mit ihm zu suchen. Werde versuchen ihm bewusst zu machen wie übel es derzeit aussieht und wie dicht unsere Ehe am Abgrund steht. Wie sehr ich unter allem leide dürfte er nicht bemerken aber vielleicht erreiche ich ihn wenn ich ihm wenigstens darauf aufmerksam mache.

Ich werde ihn wählen lassen. Ein letztes Mal ihm die Chance geben eine Entscheidung über unsere Zukunft zu treffen. Und er bekommt zwei Tage Zeit. Maximum. Dann werde ich sehen und entscheiden. Und mir ist bewusst das ich von ihm keine Ehrlichkeit zu erwarten habe. Das er wie üblich versucht zu lügen und zu manipulieren. Da er sich nicht einmal vorstellen kann dass jemand seine Lügen durchschaut ist es das was ich ihm zunächst klar machen muss.

Dennoch: der August soll für mich der Monat sein, der mein Leben verändert. Auf die eine oder andere Art.