Veröffentlicht in Ausbildung, Deutschland, Persönlich, Schule

Die Sprache

Damals vor vielen Jahren als meine Tänzerin die 4. Klasse der Grundschule besuchte, waren wir bei einem Infoabend für die weiterführenden Schulen. Vertreter mehrer Schulen und Schulformen standen Eltern Rede und Antwort, erzählten von den Übernahme-Voraussetzungen und ihren Schulen, dem Unterricht, den Abschlüssen, den Wechselmöglichkeiten.

Ein Vertreter des Gymnasiums erklärte die Notwendigkeit der Beherrschten Muttersprache. Ohne, so meinte er, hätten Kinder Problem in der Schule. Fehlen Worte fehlt Verständnis. Wer selbst eine Sprache nicht wirklich beherrscht, sie aber dem Kind lehrt, lehrt Fehler, die nur schwer berichtigt werden können. Deshalb so meinte er ist es besser wenn Eltern mit Nicht-deutscher Muttersprache mit ihrem Kind in der Muttersprache sprechen. Deutsch, so sagte er, liegt in der Verantwortung des Kindergartens.

Ich habe im Laufe der Zeit, Erzieher in Kindergärten, Lehrer an Schulen und auch Politiker meckern hören das Eltern mit ihren Kindern zu Hause Deutsch sprechen sollen statt der eigenen Muttersprache. Ich habe Eltern erlebt die trotz schlechtem Deutsch meinten ihren Kindern die deutsche Sprache  beibringen zu müssen. Ich habe Kinder gehört die keine wirkliche Muttersprache haben, gerade weil ihre Eltern weder ihre eigene noch die deutsche Sprache richtig an ihre Kinder weiter gegeben haben. Ich habe gesehen welche Probleme sie in der Schule haben weil die Sprache zum Verstehen fehlt.Und immer wieder Mal höre ich Leute die meinen dies sei Deutschland und darum müsse hier deutsch gesprochen werden.

Meine Zustimmung bei solchen Äußerungen hat Grenzen, schon allein deshalb weil ich verbunden damit meist das Gefühl habe das es nicht wirklich um die Sprache geht, sondern um die Personen. Man kann es auch versteckten Rassismus nennen, denn das wir online leben, nicht zur Bank gehen sondern Banking– Geschäfte machen, ist meist ebenso wenig in der Kritik wie der Frisör, dessen Geschäftsname ein Street, statt des eigentlichen Straßennamens auf dem Schild über der Tür hat. Der Coffee-to-go ist so selbstverständlich wie Fashion. Ist es also wirklich notwendig deutsch zu sprechen?

Größere Firmen haben teilweise eine Multinationale Belegschaft und daher ist deutsch als gemeinsame Sprache in einigen Firmen schon nicht mehr üblich.  Oskar Wilde meinte mal:

Das Leben ist zu kurz, um Deutsch zu lernen.

Deutsch, so heißt es, ist eine schwere Sprache. bei Focus-online gibt es einen Test zum Plural, den jeder machen kann. Der PISA-Test fällt für Deutschland nicht überragend aus. Drei Artikel, vier Fälle, diverse Ausnahmefälle von üblichen Regeln, ellenlange Worte… das sorgt durchaus für Probleme.

Konfuzius meinte:

Die ganze Kunst der Sprache besteht darin, verstanden zu werden.

Wenn es nur ums Verstanden -werden geht, kann man sich dann nicht auch anders verständigen?

Gehörlose werden nicht von jedem verstanden, aber dennoch würde man ihnen weder die Nationalität absprechen noch von ihnen verlangen sich so zu verständigen das Alle es verstehen, aber Schüler sollen auf Pausenhöfen nicht miteinander ihre Muttersprache sprechen, sondern gefälligst deutsch.

Voltaire meinte:

Kennst du viele Sprachen – hast du viele Schlüssel für ein Schloss.

Muttersprache ist wichtig. Egal wo auf der Welt wir uns befinden, doch nicht nur die deutsche Muttersprache und nicht nur in Deutschland. Lebe ich in einem anderen Land bleibt meine Muttersprache wichtig, selbst wenn sie dort nicht gesprochen oder verstanden wird. Es muss erlaubt sein, sie zu sprechen. Das man gleichzeitig sehen muss sich vor Ort zu verständigen bleibt davon unberührt. Beides ist möglich.

Rund 6.000 Sprachen werden auf der Erde gesprochen und etwa die Hälfte ist vom Verschwinden bedroht. Seit dem Jahr 2000 findet jährlich am 21. Februar der Internationale Tag der Muttersprache statt, der an die Bedeutung des Kulturgutes Sprache erinnert.Er soll die Sprachenvielfalt und den Gebrauch der Muttersprache fördern und das Bewusstsein für sprachliche und kulturelle Traditionen stärken.

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6 Kommentare zu „Die Sprache

  1. Oh, dass die Anglizismen _nicht_ in der Kritik sind, kann ich keinesfalls unterschreiben – ganz im Gegenteil! (Auch wenn „Internetanschauprogramm“ nicht wirklich eine praktikable Alternative zu „Browser“ ist *g*)

    Das Argument, dass Eltern, die selber schlecht Deutsch sprechen, diese Sprache auch wieder nur unzureichend weitergeben können, ist nicht von der Hand zu weisen. Ebenso finde ich es wichtig, dass Kinder -auch- mit ihrer Muttersprache aufwachsen. Völlig egal, ob das nun Spanisch, Türkisch oder Fränkisch ist 🙂

    Bei Flüchtlingsfamilien, die wohl selber noch nicht wissen, ob sie in Deutschland bleiben oder zurück in die Heimat können oder ganz woanders die Reise hingeht, ist es mE. zunächst ausreichend, grundlegende Deutschkenntnisse zu erlernen zusammen mit den hiesigen Gebräuchen, der Kultur usw. So dass man sich halt zurechtfindet – was sicher nicht leicht ist.

    Jedoch Menschen, die aus welchen Gründen auch immer, beschlossen haben, in einem fremden Land – hier also Deutschland – sesshaft zu werden, sollten aus Respekt und Anerkennung der neuen Heimat auch die Sprache lernen. Für die Kinder wärs natürlich super, am besten zweisprachig aufzuwachsen. Denn gerade in unserer globalisierten Welt, können Sprachkenntnisse nur von Vorteil sein.

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    1. Aus Respekt und Anerkennung muss ich gar nichts lernen. Ich kann die Sprache eines Landes lernen ohne jeden Respekt und ich kann ein Land respektieren ohne die Sprache zu beherrschen. Mit der Anerkennung ist es identisch. Die Argumentation ist unsinnig und blendet auch aus, dass oftmals die Möglichkeiten fehlen die Sprache der neuen Heimat zu lernen. Ich habe einige kennen gelernt denen man gewaltige Steine in den Weg gelegt hat, obwohl sie gern deutsch gelernt hätten.
      Und ja, Anglizismen sind auch in der Kritik, aber wie ich schon schrieb: teilweise geht es nicht um die Sprache sondern um die Personen, daher kritisieren sie nur Migranten, aber nicht die Anglizismen.

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  2. Ein sehr wichtiger Beitrag. Auch meiner Mutter hat man damals gesagt, sie solle Deutsch mit mir sprechen, nicht ihre Sprache, auch nicht das Englische, das in ihrem Kontext auch eine sehr wichtige Rolle spielt. Glücklicherweise kann man heute sehen, dass das Bewusstsein für den Wert der Muttersprache und die Sprachenvielfalt im Wandel ist – auch wenn einiges davon sich eher stark auf neurologische Erkenntnisse stützt. Aber ich bin zuversichtlich, dass dieses Bewusstsein sich weiter durchsetzen wird.

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