Veröffentlicht in Blogparade, Deutschland, International, Politik

Schreiben gegen Rechts II

Es gibt Teil II der Blogparade „Schreiben gegen Rechts“ bei Anna Schmidt.

Vielleicht schreien die Zeiten nach einer weiteren Blogparade zum Thema, vielleicht auch nicht. Sein wir mal ehrlich: erreichen wir diejenigen die es gilt zu erreichen oder bleibt die „Gegen-Rechts-Truppe“ unter sich und applaudiert sich gegenseitig? Ich habe in der Vergangenheit zahlreiche Aufrufe zu Blogparaden zu unterschiedlichen Themen gelesen und dabei ist mir eines aufgefallen: Vielfältigkeit findet sich wenig.

Da startet eine Firma eine Blogparade mit einem Thema bei dem nur Firmen mitreden können. Einer der zahlreichen Food-Blogs inspiriert andere Foodblogs, die Reisenden treffen auf Reisende usw. Die Menschen bleiben in ihrer Filterblase. Da fühlen sie sich wohl. Da kennen sie sich aus. Das bringt Sicherheit und Wohlbefinden. Selbst die Blogroll der meisten Blogs ist wie eine Filterblase. Wir sind gleich- wir passen zueinander.

Dieses „wir“- sind- gleich ist mir schon oft sauer aufgestoßen, denn meistens ist grundsätzlich mit „wir“ nicht Alle Menschen gemeint, sondern eine bestimmte Gruppe. Man merkt es sehr schön auf Facebook wenn irgendwo etwas passiert und die Menschen nicht reagieren weil es in Asien, Afrika oder sonst irgendwo weit weg ist, aber plötzlich mit Je suis Paris, Charlie oder ähnlich kommen. Wen juckt schon der tote Afrikaner? Der Europäer hingegen muss betrauert werden. Nein, ich kann damit nichts anfangen.

Auch in Afrika und Asien leben Menschen und ihr Leben ist nicht weniger wert. Für uns hingegen schon. Uns interessiert nicht was in der Welt passiert. Das neuste Handy muss man haben- auch wenn es eine Billigproduktion aus China ist. Uns interessiert die Selbstmordrate unter Fabrikarbeiten in China nicht, denn die neuen Features  und das Aussehen und die Kameraqualität… Alles wichtiger als Menschenleben.

Und nun verärgert uns Trump mit seinen Sprüchen, seinen Dekreten, seinen Ansichten und viele können es nicht lassen und müssen- typisch oberflächlich- über seine Frisur lästern.

Nein, man muss Trump nicht mögen, man muss ihn nicht einmal sympathisch finden. Man muss nicht gut finden was er sagt und veranlasst und man kann darüber schimpfen, sich aufregen und etwas unternehmen. Aber was nicht geht sind persönliche Angriffe wegen seiner Frisur- egal wie man die findet- und Sprüche wie „Trump muss weg“.

Trump ist demokratisch gewählt- egal was man vom Wahlverfahren der USA hält. Es ist anders als das deutsche, aber auch hier ist Demokratie nur auf dem Papier eine Macht die vom Volk ausgeht. Denn das Volk- die Mehrheit des Volkes- hat bei den letzten Bundestagswahlen gegen die Union entschieden und dennoch kam Frau Merkel in den Genuss den Kanzlerjob zu bekommen. 2013 wählten nur 41,5% die Union, 2009 waren es sogar nur 33,8%. Man muss kein Matheagenie sein um zu wissen, dass die Hälfte 50% wäre und somit die Mehrheit darüber und nicht darunter liegen sollte. Die Mehrheit des Volkes wird nicht gefragt, sie muss einfach nur schlucken was ihr aufgetischt wird. Sie wird bestraft weil sie vielfältig ist und sich nicht auf eine Partei einigt.

Und so macht die Union weiter ihre Politik am ärmeren Volk vorbei. An jenen die immer gefordert werden und die immer draufzahlen. Die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander und weiter Union wählen wir das nicht ändern. Das Volk unternimmt dagegen… nichts, außer dass immer mehr blind auf populistisches Geschwätz rechter Parteien reinfallen, die zwar die „Armen“ ansprechen, aber „vergessen“ zu erwähnen, dass sie diese auch gern ausnehmen und schlechter stellen wollen. Aber es funktioniert. Es funktionierte auch damals bei der NSDAP. Auch sie sprach das einfache Volk an. Der fette Hammer kam nach dem Wahlsieg.

Und Trump? Neben seinem Rassismus, seinen dummen Ansichten, gibt es diese andere Seite. Amerika ist Pleite. Obama hat die Staatsverschuldung verdoppelt, den Mittelstand ruiniert. Er und seine Vorgänger haben gigantische Summe für widerwärtige Kriege ausgegeben. Und dann kommt Trump und sagt: Amerikanische Firmen gehören nach Amerika und sollen dort Arbeitsplätze anbieten nicht im billigeren Mexiko. Amerikanische Produkte für und aus Amerika, alle anderen zahlen Strafzoll. Endlich kommt Geld in die Kasse, endlich Arbeitsplätze, endlich Aufschwung.

Trump sagt: wir geben kein Geld mehr für IS und Regime Changes in anderen Ländern. Was sagt Deutschland? Regime Change in Amerika- jetzt!

Die Gehirnwäsche die seit Jahrzehnten durch Amerika in Deutschland statt findet hat uns zu dem gemacht was wir sind. Amerika, Amerika überall. Amerika sagt was wir denken, kaufen,essen, wissen, anziehen, tun sollen.

Wir müssen nicht wissen wie viele Menschen in Afrika und Asien für unseren Wohlstand sterben müssen. Wichtig ist das wir in den Laden gehen und kaufen, kaufen, kaufen… Das neueste Handy, das neueste Auto, die neueste Küchenmaschine,  und meist stecken amerikanische Firmen dahinter, die kassieren.

Wir leisten uns die Ware weil wir uns reich vorkommen wollen und fragen nicht nach den Menschen die den Preis dafür zahlen müssen, solange wir ihn nicht zahlen müssen.

Ja, es ist übel wenn in Deutschland Firmen Arbeiter entlassen müssen und vielleicht sogar Pleite gehen weil der Export nach Amerika einbricht. Aber was ist mit den Arbeitern die womöglich in Amerika einen Job bekommen weil dort womöglich selbst (mehr) produziert wird?

Nein, wir sind uns selbst die Nächsten. Wenn es uns gut geht, wenn wir haben was wir wollen, wenn wir nicht leiden müssen, wenn wir alles kriegen- dann ist die Welt so wie sie sein soll.

Nein, wir sind keine Rassisten. Wir interessieren uns nur nicht dafür was die Ursache dafür ist, dass Menschen aus ihren Ländern fliehen. Wir interessieren uns auch nicht dafür dass wir Kriege unterstützen weil den Amerikanern die dortigen Regierungen nicht gefallen, nur weil diese lieber mit den Russen Geschäfte machen, als mit den selbstverliebten Amerikanern. Ja, wir nehmen die Syrer in den Arm und heißen sie willkommen und schimpfen über Assad, der weg soll, aber Obama, der meinte nur eine amifreundliche Regierung ist akzeptabel, dem wird zugejubelt. Ist doch egal wie viel tausend Tote diese furchtbare Ansicht gefordert hat.

Sind wir anders als die Rechts-Wähler? Nur weil wir nicht gegen Ausländer/Flüchtlinge/Asylbewerber/Muslime hetzen?

Den Rechten ist das Schicksal und Leben von Menschen egal und sie sagen das auch.Sie hetzen, verbreiten Lügen und treten für Maßnahmen ein die für Deutsche, aber gegen die vermeintlich Bösen sein sollen. Trump tut das auch. Und wir?

Wir tun das nicht, aber wir tun auch nichts um Menschen die Möglichkeit zu geben in ihren Ländern zu bleiben, um zu verhindern dass es Menschen schlecht geht, das sie alles verlieren, das sie verzweifeln an der Welt und unserer Heuchelei.

Wenn morgens der Kaffee duftet ist uns der Brasilianer egal, der starb weil er keine Schutzkleidung auf der Plantage trug um sich vor den Chemikalien zu schützen die sicherstellen das die Ernte der Kaffeebohnen möglichst ertragreich ist.

Unsere Jobs, unser Einkommen, unser Wohlstand. Wir hetzen nicht, wir grenzen nicht aus. Wir haben andere Mittel und Wege um zu zeigen das wir uns selbst die nächsten sind.

Petitionen gegen Trump? Blödsinn und unsinnig, aber wo ist die Petition gegen Rüstungsfirmen in Deutschland? Wo sind die Menschen die auf die Frage nach ihrem wichtigsten Ziel und Wert mit Frieden antworten, wenn es um den Einsatz dafür geht?

Nach dem Anschlag von Paris gab es eine Reaktion, die ich gut finde, die aber leider nicht wie Montagsdemos zum Standard wurde. Ein Musiker, der mit seinem Klavier durch die Welt reist war am Anschlagsort und danach in München vor der Waffenfirma Krauss-Maffei. Er sagte etwas wichtiges: „Wir müssten alle mit anpacken. Ohne uns wäre diese Industrie schnell nichts wert.“

Er hat Recht, aber wir kümmern uns nicht. Steinmeier und Merkel wollen mehr Rüstung um die Grenzen zu schützen. Frieden schaffen mit Waffen???

Germany first! Das ist unsere Devise und wir finden das normal. Wenn Trump für America First eintritt ist das böse. Vielleicht weil er seinen Anspruch ausspricht und wir unseren nur denken? Oder weil es auch ein Angriff auf uns ist?

Es muss sich etwas ändern, ja. Nicht Trump muss gehen, nicht Merkel. Wir müssen endlich bereit sein ehrlich zu sein. Wir müssen anfangen darüber nach zu denken ob unser Wohlstand wirklich nötig ist. Wir müssen bereit sein für Veränderungen und dafür einstehen und wir müssen begreifen das alle Menschen gleich sind, egal wo auf der Welt sie sich befinden und das wir nur Frieden haben können wenn wir uns aktiv gegen Krieg stellen. Also besser Petitionen gegen politische Entscheidungen, als gegen amerikanische Präsidenten. Besser gegen Firmen die vom Krieg leben als für ein Einreiseverbot von Trump.

Wenn wir tun, was er tut, sind wir nicht besser. Lassen wir ihn einreisen und zeigen ihm das wir bessere Menschen sind. Oder wird Deutschland erst zufrieden sein wenn Trump wie damals Sadam Hussein vor laufender Kamera hingerichtet wird?  Muss er erst gefoltert und vergewaltigt werden mit Videobeweis auf Youtube damit wir die Genugtuung haben das der Böse bekommen hat was er verdient? Sind wir besser oder sind wir nicht anders?

Jetzt ist die Zeit auf eigenen Beinen zu stehen, das eigene Leben zu überdenken und Entscheidungen zu treffen. Es ist nicht die Zeit um über einen Präsidenten zu hetzen wie er gegen andere hetzt.

Ich würde gern öfter von Aktionen an der richtigen Stelle lesen, so wie von dem Musiker. Ich möchte gern lesen das deutsche Bürger sich einsetzen für Frieden, den sie angeblich haben wollen. Ich würde gern Aufrufe zu Demos gegen Rüstung, Krieg und Waffenexporte lesen, gegen die Militärstützpunkte der Amerikaner in Deutschland und dort sollten regelmäßig so viele Bürger wie möglich sein. In ganz Deutschland.

Ich würde gern lesen dass Firmen mit ihren ständigen Neukauf-Angeboten chancenlos untergehen. Das Menschen sich von all jenem verabschieden für das andere Menschen sterben müssen. Ich hoffe das der Tag kommt, an dem die Menschen begreifen das der Kapitalismus auf den Müll gehört.

Ich träume davon, das es eines Tages so weit ist. Ich hoffe bald, damit meine Kinder in einer besseren Welt leben können.

 

 

 

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Ein Kommentar zu „Schreiben gegen Rechts II

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