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Besinnlich oder nicht?

07 Dez
Besinnlich oder nicht?

Die letzten Tage waren mal wieder stressig und arbeitsintensiv und irgendwie waren die täglichen 24 Stunden viel zu schnell um. Nicht dass ich glauben würde mehr Stunden wären eine Bereicherung, aber irgendwie…so manchmal…

Derzeit ist alles mal wieder etwas stressiger als üblich. Das liegt zum einen daran, das mein Mann gerade auf Fortbildung ist- in Leipzig. Nicht dass jemand, der morgens zur Arbeit geht und abends Heim kommt eine große Hilfe wäre, aber Dienstags,z.B. reicht es schon wenn er nach dem Frühdienst den Zwerg übernimmt, damit ich mich auf seinen Bruder und dessen Verein konzentrieren kann. Momentan hab ich also auch diese Minimalhilfe nicht und die Mädchen fallen auch aus. Die eine weil sie auf der Arbeit ist und die andere weil sie neben des langen Schultages noch lange Lerneinheiten hat um bei den Abiturprüfungen bestmöglich abschließen zu können. Und da ist gerade in Mathe viel Lernarbeit nötig. Tja, und wenn sie nicht lernt, kommt sie zu mir um sich Luft zu machen, weil:

  • ausgerechnet der tolle Mathelehrer krank ist, aber nie die Lehrer auf die man verzichten kann
  • die Klasse sie ankotzt
  • sie immer noch nicht weiß was sie studieren möchte
  • die dämliche Schnepfe aus ihrer Klasse mal wieder was blödes gesagt hat
  • sie nicht weiß woher sie die Zeit zum Lernen nehmen soll
  • Mathe einfach sch… ist
  • sie gerade bei einem Thema mal wieder auf dem Schlauch steht und einen „Schubs“ braucht

Und so fliegen die Stunden dahin!

Der andere Grund für meine zeitlichen Probleme derzeit ist…Trommelwirbel… es ist Dezember… Vorweihnachtszeit und einfach Alle Jahre wieder.

Und damit sind wie dann beim Thema des Webmaster Friday für diese Woche: Besinnliche Weihnachtszeit oder Einkaufsrausch?

Es ist wieder Adventszeit. Wie in jedem Jahr ist die Vorweihnachtszeit eine ganz besondere Zeit. Überall brennen Lichterketten, kleine goldene Engel schweben über Einkaufspassagen, der Weihnachtsmann tummerlt sich mit seinen Rentieren in den Menschenmassen. Die horten die Kartons mit dem bunten Papier und den schicken Schleifen wie die Eichhörnchen ihren Vorrat. Oder? Ist das alles nur noch ein Kaufrausch, der aus einem gesellschaftlich geprägten Schenkungsdruck erwächst, den die Werbeindustrie zunehmend befeuert. Gibt es sie überhaupt noch: die besinnliche Weihnachtszeit? Oder ist man längst ein Opfer dessen geworden, was man in der eigenen Jugend noch so wohlig warm empfand? Was gehört für Euch zur Weihnachtszeit? Und genießt ihr diese Wochen vor Weihnachten? Was könnte oder sollte man anders machen?

In meiner Kindheit war Weihnachtszeit die Zeit für Schlittenfahrt, Vorfreude auf Geschenke und die Besuche von Onkel und Tante, besonderes Essen, viele Backstunden und viele Lichter.

Natürlich verstand ich irgendwann dass es keinen Weihnachtsmann oder Nikolaus gab und die Geschenke von den Eltern und Verwandten kamen und damit verstand ich auch meine Verpflichtung zu schenken. Damals war das… nun ja. Meine Mutter bekam in der Regel eine Schachtel Pralinen, weil wir wußten sie gibt uns welche- also schon recht egoistisch gedacht.

In der Schule lernte ich im Textilunterricht häkeln. Das hatte auch meine Mutter mir gezeigt, aber weder Mutter noch Lehrerin schafften es, mir klar zu machen wie man einen Topflappen so häkelt das er tatsächlich eckig ist, oder wenigstens rund. Ich stand da mehr auf… künstlerische Freiheit, was bedeutet, die Dinger waren unförmig, weil ich mal die Maschen zu fest zog, mal alles zu locker ließ und mal so wie es sein sollte. Häkelnadeln verstanden mich irgendwie nicht. Dennoch bemühte ich mich und die Ergenbisse meiner Mühen wurden dann verpackt und verschenkt. An Mama, die einen größer werdenden Stapel davon im Wäscheschrank hatte, viele davon noch aus ihrer eignen Schulzeit, denn die Dinger kamen nie zum Einsatz. Auch meine Tante legte eine Sammlung an, aber auch da kamen sie nie wirklich an die Töpfe.

Weihnachten war aber auch die Zeit in der die Laune meiner Mutter sank und meine oft auch. Alltagskleidung war nicht in Ordnung. Man musste festlich gekleidet sein und dann sollte man sich möglichst nicht schmutzig machen, das aufwendige Essen und die Besuche:

  • Hoffentlich gibt es nicht wieder Streit.
  • Mal sehen was es diesmal Unsinniges geschenkt gibt.

Weihnachtsbaum schmücken macht Spaß-Abschmücken nervt. Kurz: es war immer ein auf und ab.

Später entspannte sich alles ein wenig, weil ich keine Freunde hatte die so Geschenkeversessen waren und wir alles nicht so eng sahen. Was aber blieb war die Erwartungshaltung vieler. Beruflich vor allem. Die Urlaubsregelung für die Ferien, evtl. einfach was jahreszeitliches für den Arbeitsplatz usw.

Mit eigener Wohnung, eigener Verantwortung kam aber noch ein weiterer Faktor dazu, den ich als Kind nie hatte: Die Frage ob man für die Feiertage mit allem ausgestattet ist. Damals wie heute sind die Geschäfte an den Feiertagen geschlossen und so folgt logischerweise die Überlegenung was man auf jeden Fall braucht und evtl noch besorgen muss, damit diese Tage ohne offene Geschäfte kein Alptraum werden. Und so rennt man dann mit 1000 anderen Personen noch mal schnell in den Laden, weil sonst das Brot nicht reicht, zuwenig Kartoffeln da sind,….

Mit Familie ist es noch einen Tick hektischer und nicht nur unmittelbar vor Ladenschluss, nein, es fängt schon früher an. Da sind noch Turniere des Sportvereines die noch in diesem Jahr statt finden müssen und den Rest des Jahres nicht richtig untergebracht werden konnten, dann gibt es natürlich Nikolaus- und Weihnachtsveranstaltungen und man sollte möglichst überall auftauchen, wegen der Gemeinsamkeit und dem Zusammengehörigkeitsgefühl und weil es so schön ist. Der Kindergarten bietet einen  Nikolaus- der selbstverständlich echt ist und den Kinder ein kleines Geschenk gibt wenn sie ein Lied singen und dann gibt es Nikolaus- und später Weihnachtsfrühstück, einen Basar, einen gemütlichen Elterntreff und all das noch einmal in der Schule.  Und ja, es ist schon ein großes Geschenk wenn sich nichts überschneidet. Und wehe man sagt etwas ab…

Unterwegs, egal ob in Geschäften oder an der Ampel, im Bus,… gibt es für die Menschen kaum noch Gesprächsthemen jenseits vom Kaufen.

  • Ich habe noch nicht alle Geschenke
  • Ich weiß nicht was ich Tante Frieda schenken soll
  • Was gibt es bei euch an den Feiertagen zu essen?
  • Ich habe dieses Jahr schon im November angefangen Geschenke zu besorgen

Gibt es noch eine Welt jenseits von langen Warteschlangen an den Kassen aller Geschäfte? Eine Welt jenseits von Verpackungsmüll nach den Feiertagen?

Wir feiern kein Weihnachten, aber wir sind von all dem auch betroffen weil man sich nicht retten kann. Es sei denn man kann seinen Kindern Privatlehrer gönnen und die (Vor)Weihnachtszeit irgendwo auf einer einsamen Insel verbringen. Andernfalls sieht es übel aus.

Ich habe mich immer bemüht meinen Kindern klar zu machen dass sie mehr als genug Gründe haben täglich dankbar zu sein für alles was sie haben und alles was für sie getan wird. Zusätzlich kann man sich vielleicht etwas wünschen, aber nichts verlangen.

Was ich gerne verschenke?

Für den Winter selbst gestrickte Schals, Pullover und Stulpen oder einfach was selbst gebackenes. Der Lieblingsschokokuchen meines Sohnes oder mal wieder eine tolle Torte auf Wunsch meiner Töchter.

Nichts davon muss eingepackt werden.

Das Winter und Schnee nicht mehr derart miteinander verwoben sind wie damals in meiner Kindheit ist für mich in Ordnung, aber was für mich immer zusammengehören wird sind dunkle Jahreszeit und Lichter und deshalb genieße ich das Leuchten und Strahlen an Fenstern, in Gärten oder einfach in der Stadt. Zumindest abends. Tagsüber, wenn es hell ist wirkt es überflüssig.

Festessen ist bei uns eher bescheiden. Ein leckerer Salat, ein einfaches Essen- oft nur Kartoffelsalat mit Frikadellen oder ähnliches.

Wenn dann über die Feiertage die Welt draußen still wird, weil niemand zur Arbeit hetzt, keiner die Geschäfte stürmt sitze ich gern mit einem heißen Tee und der Familie daheim. Entspannen, gemeinsam einen Film schauen, Kekse knabbern,… Einfach und möglichst müllfrei, denn die Nachbarn sorgen ausreichend für überquellende Mülltonnen. All die Geschenkpapiere, Schleifen, Kartons, die zeigen was da in den Tagen verpackt und verschenkt wurde. Wieviel davon braucht irgendjemand? Ist es wirklich nie genug mit dem Müll? Ich will mit all dem nichts zu tun haben und freue mich über die kleinen Dinge, wie glückliche Kinder, die tatsächlich keine großen oder teuren Geschenke brauchen um glücklich zu sein.

Was man anders machen könnte?

Einfach mal das Übliche vergessen. Was spricht dagegen einfach eine hübsche Dose zu nehmen, sie mit selbst gebackenen Keksen zu füllen und wenn es denn sein muss noch eine kleine Schleife drumrum zu wickeln und das zu verschenken? Statt Schleife kann man auch einen Schal stricken und den als Riesenschleife nutzen, oder… Es gibt so viele Möglichkeiten.

Auch mal Dinge tun, die man bisher nicht gemacht hat:

Regal voller Bücher? Super! Es gibt Menschen denen fehlt das Geld dafür. Legt sie auf eine Parkbank oder in eine Tauschbox. Warum bitte sollen sie als Staubfänger im Regal bleiben?

Es ist noch Wolle da? Strickt was ihr könnt und laßt es im Park liegen. Vielleicht mit einem netten Gruß versehen.

Einfach mal andere Beschenken, als nur die, die man kennt. Ohne Gegenleistung zu erwarten. Das wäre schon ein guter Anfang

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2 Antworten zu “Besinnlich oder nicht?

  1. mailpro

    07/12/2016 at 5:03 pm

    Liebe DeutscheMuslima,
    das ist ein superschöner Text!
    Ich finde auch, dass diese Geschenkorgien den Sinn des Weihnachtsfestes zumüllen.
    Seit ich eine eigene Familie habe, haben wir abgeschafft, Erwachsenen etwas zu schenken. Bewusst gar nichts. Dass Kinder Geschenke bekommen sollen, finde ich in „normalen“ Grenzen sehr schön, kann ich mich doch selbst an die Weihnachten meiner eigenen Kindheit noch gut erinnern. Vor allem Geschenke, mit denen man hinterher stundenlang spielen kann, zum Beispiel, waren eine große Freude.
    Ich finde es gut, dass Du das so kritisch beschreibst!
    Für die Advents- und Weihnachtszeit wünsche ich Dir immer wieder genügend besinnliche Momente, wo Du auch ein wenig zur Ruhe und zu Dir (oder zu Euch) kommen kannst!
    Lieben Gruß, M.!

    Gefällt 1 Person

     
    • deutschemuslima71

      08/12/2016 at 5:11 am

      Vielen Dank! Ich denke man muss solche Dinge mal realistisch betrachten statt durch die Rosarote Brille. Es reden immer alle über Umweltschutz und dann stapeln sie tonnenweise unnötigen Müll, schenken unnützes,ect. Da ist einfach kein Sinn.
      Auch dir eine ruhige und besinnliche Zeit.

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