Veröffentlicht in Deutschland, Menschen

Leider ganz normal

… aber traurig und beschämend, finde ich.

Meine Tochter (17) dachte sich wenn alle helfen kann das Umziehn nicht so schwer sein. Wohl wahr, doch blöd, wenn man kein Auto und keinen Führerschein hat oder nur eines von beiden.

Nach einiger Schlepperei kam dann auch der Spruch: „Wir brauchen ein Auto.“ „Ich hab eines“ kam von P. dem einzigen Deutschen in der Runde. Nur P. hat keinen Führerschein mehr, denn Verkehrsregeln waren nicht so seine Sache und irgendwann war der Lappen, der ja eigenlich mittlerweile eine Karte ist, weg.

Macht nichts, meine N.,“ich hab einen Führerschein und Fahrpraxis“. Bei der Gelegenheit einigten die beiden sich gleich auf ein lohendes Geschäft. Das Auto sollte den Besitzer wechseln, gegen eine entsprechende Zahlung und P. bat darum nach dem letzten Transport mit dem Auto zur Nachtschicht gefahren zu werden, was etwa 30 Mnuten Fahrzeit beanspruchte.

Natürlich fuhr N. nicht allein diese Tour, sondern die anderen fuhren mit. Es war mittlerweile spät, dunkel und auf der Strecke einsam und verlassen.  N. ist ein konzentrierter Autofahrer, der sich beim fahren nur auf die Straße konzentriert und für alles andere blind ist.

Und da stand er, der grün-silberne Wagen mit den blauen Lichtern auf dem Dach und ein Herr in Uniform winkte die Freunde raus.

„Fahrzeugpapiere und Führerschein, bitte“. Kein Problem. In den Fahrzeugpapieren stand natürlich P.´s Name und so wollte der Beamte also wissen, wer P. ist. „Ich, wollen sie meinen Ausweis sehen?“, fragte P. „Ne, ist okay“, meinte der Polizist und lies N. aussteigen.

Was folgte war eine längere Angelegenheit, denn für N. folgte die ganze Palette an Alkohol- und Drogentests. Pusten, Urinprobe, auf einer Linie gehen, ausgestreckte Arme und Zeigefnger zur Nasenspitze,… Doch Nichts war den Beamten anscheinend zu wenig und so teilten sie ihm mit, dass sie erwarteten dass er freiwillig mit zur nächsten Dienststelle kommt um sich Blut abnehmen zu lassen, weil es andernfalls gerichtliche Maßnahmen hageln würde.

Nun kam der Beamte zum Auto. P. wurde befohlen mit dem Auto zur Arbeit zu fahren- sofort und die übrigen sollten zur nächsten Tankstelle laufen und dort warten, man würde N. dort hinbringen.

P. traute sich nicht darauf hinzuweisen, das er ohne Fühererschein gar nicht fahren darf und N. traute sich nicht den Test zu verweigern, obwohl das angebracht gewesen wäre und die Freunde? Polizisten widersprechen? Nachts auf einer einsamen Straße?

Was macht man nachts an einer Tankstelle wenn auf der Starße kein Verkehr ist? Warten! Aber auch P. hat seine Freunde nicht vergessen. Statt zur Arbeit fuhr er zurück, versteckte sich und das Auto hinter der Tankstelle und wartete mit den anderen auf N. Dieser wurde tatsächich schließlich gebracht, abgestellt und der Polizeiwagen drehte und fuhr weg. Egal, das dort eine Gruppe junger Leute nachts in der Kälte stand.

So fuhren die Freunde schließlich P. zur Arbeit und machten sich dann auf den Rückweg.

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2 Kommentare zu „Leider ganz normal

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