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Herkunft

Vor nicht all zu langer Zeit las ich mal eine Diskussion die sich dann irgendwann um die Frage drehte ob man andere Fragen dürfe woher sie kommen. Manch einer findet es rassistisch, ausgrenzend, nervig, andere interpretieren es anders und einige argumentierten sie werden im Urlaub auch oft gefragt woher sie kämen und finden es sei ein Zeichen von Interesse das sie nicht stört.

Das erste Problem dabei ist, das Menschen die sich nicht in einer bestimmten Position befinden gern ihre theoretischen Überlegungen zu Grunde legen. Da kommen dann Sachen wie:

  • Wenn ich so krank wäre, würde ich…
  • Wenn ich Krebs hätte, würde ich…
  • Wenn ich meinen Job verlieren würde, würde ich…

Alles ganz nett, aber kommt doch erst einmal in die Situation, dann sehen wir was ihr tut, wie ihr fühlt, was ihr denkt. Solange man nicht damit konfrontiert ist kann man auf der Couch eine Menge Theorien entwickeln. Ob die bleiben wenn man dann tatsächlich in diese Situation kommt?

Ich werde auch oft gefragt woher ich komme und das von unterschiedlichen Leuten und aus unterschiedlichen Gründen und ja: manchmal nervt es und manchmal ist es rassistisch,ausgrenzend,…

Wenn ich im Urlaub bin, dann bin ich dort als Tourist und mein Gegenüber weiß das. Sein Interesse hat also den Grund, das er wissen möchte von wo Menschen dorthin kommen. Oft kommen dann noch Fragen wie es gefällt, was man schon gesehen hat und oft auch wie lange man noch bleibt.

  • Wie lange bleibst du?
  • Wann gehst du?

Der Unterschied in diesen beiden Fragen ist die unterschwellige Komponente. Während das eine eher positiv daher kommt (bleiben) klingt das andere eher negativ.

Manche formulieren ihre Frage von vorneherein anders: „Sag mal, du kommst aber auch nicht von hier?! Zumindest sprichst du nicht so“

Das stimmt. Ich stamme gebürtig aus einer dialektfreien Gegend, bin aber ein paar Mal umgezogen, in Gegenden mit Dialekt. Ich spreche selbst keinen, verstehe aber einiges und wenn ich mit Leuten von früher rede meinen die ich hätte mich sprachlich meiner Umgebung angepasst, während die Einheimischen sehr wohl den Unterschied bemerken und ich? Ich rede halt einfach. Ich merke das gar nicht.

Aber ich weiß etwas anderes. Wenn ich eine Weile mit einer Person spreche übernehme ich automatisch deren Art zu reden. Unbewusst und ohne Absicht.  Ein früherer Arbeitskollege meinte mal:“ Kommst du auch aus meiner Ecke oder äffst du mich nur nach?“ Weder noch,obwohl…vermutlich eher letzteres, allerdings nicht in negativer Absicht.

Solche Fragen stören mich nicht. Das kann ich ganz gut ertragen und denke da nicht negativ. Interesse ist nicht verwerflich.

Aber es gibt auch noch die anderen und da kommt es drauf an wer, wie fragt.

Wenn man mit Menschen spricht erfolgt auf Gesagtes i. d. Regel eine Reaktion. Die kann auch nur aus einer Geste oder Mimik bestehen. Die Frage als solche ist also nie nur eine einfache Frage, sondern die Antwort erhält eine Rückmeldung. Egal wie.

Neulich z.B. traf ich eine Araberin, die mich nach dem Weg fragte. Ich erfuhr das sie als Medizintouristin hier ist und sie fragte schließlich woher ich komme. Als sie als Antwort „Deutschland“ bekam fragte Sie „Deutschland?“ und signalisierte durch Gesten das sie wissen wollte ob ursprünglich aus Deutschland. „Ja!“ antwortete ich und sie freute sich und wir sprachen über meinen Sohn, der um uns rum rannte.

So einfach ist es nicht immer. Viele haben mit der einfachen Antwort ein Problem. Sie wollen mich unbedingt ins Ausland verfrachten. Urdeutsche tragen kein Kopftuch. Da muss einfach Ausland drin stecken, geht nicht anders. Die Intensität mit der sie danach suchen ist allerdings unterschiedlich.

Am nervigsten sind jene denen man ausführlich darlegen muss das weder ich noch meine Eltern,Großeltern,Urgroßeltern,… aus dem Ausland stammen. Einige bringe ich zum schweigen in dem ich darauf hinweise das mein Großvater im Krieg für Hitler gekämpft hat und meine Großeltern ihre Kinder in seinem Sinn erzogen haben.

Einige versuchen es dann von der anderen Seite: „Und woher kommt dein Mann?“

Und so wird das Weltbild dann wieder gerade gerückt. Na klar, ein Mann der seine Frau zwingt das Tuch zu tragen. Niemals würde eine Deutsche freiwillig…

Manchmal gebe ich einfach auf, weil ich so genervt bin und manchmal da füge ich erklärend hinzu das ich zu meiner Religion ja den passenden Mann brauchte und daher  woanders einen gesucht habe. Das ruiniert dann wieder das Weltbild meines Gegenübers.

Interesse und Interesse ist also unterschiedlich. Es kommt immer darauf an welcher Gedanke, welche Absicht dahinter steht und welche Erwartung die fragende Person hat. Wenn „Ausländer“ sagen sie fühlen sich diskriminiert, ausgegrenzt oder genervt von der Frage, dann verstehe ich das. Ich verstehe aber auch, das es einige Leute gibt bei denen es wirklich nur reines Interesse ist, aber dennoch ist die Häufigkeit mit der man gefragt wird der entscheidende Punkt für ein bestimmtes Gefühl. Wenn man dreimal in der Woche gefragt wird sieht man manches sicher anders als einmal im Monat.