Veröffentlicht in Webmaster-Friday

Wie riskant ist das Leben?

Wir haben schon Donnerstag und heute Abend gibt es ein neues Thema, aber da ich gerade ein paar Minuten Zeit habe, möchte ich doch noch etwas zum aktuellen Thema „Wieviel Risiko ist lebenswert?“beim Webmaster-Friday schreiben.

Als Mutter von vier Kindern gab es schon oft Momente wo Risiko ein großes Thema war und natürlich möchte ich meine eigenen Kindheit nicht vergessen.

Meine Große, zum Beispiel war immer sehr überlegt. Sie versuchte Risiken abzuschätzen und überlegte sich oft lange ob es sich lohnen würde sich zu trauen. Ihre Schwester hingegen wollte und deshalb machte sie. So manchmal machten meine Nerven einen Salto bis ich begriff dass dies völlig überflüssig ist. Sie wusste was sie konnte und sie beachtete Warnungen. Unvergessen bleiben mir Situationen auf dem Spielplatz wo sie mit zwei Jahren das Klettergerüst für sich entdeckte und in Beschlag nahm. In meinem Beisein probierte sie sich aus und dann war alles normal, üblich, unbeeindruckend… für mich. Nicht aber für andere Eltern und Großeltern, in deren Augen ich eine Rabenmutter war die sich nicht um ihr Kind kümmert, das lebensgefährliche Kletterübungen machte. Aber nicht meine Unaufmerksamkeit brachte mein Kind in Gefahr, es waren jene Leute die beim Klettergerüst standen, ständig zuckten und Bemerkungen machten, denn die verunsicherten meine Tochter und ließen sie vermuten das etwas nicht stimmte, was sie panisch werden ließ. In solchen Momenten ging ich zu ihr, blockte die Leute ab, ignorierte sie und ermuntere meine Tochter einfach weiter zu machen, weil alles in Ordnung ist. Nicht zur Freude dieser Leute, aber für meine Tochter, denn sportliche Betätigung war immer ein großer Bestandteil ihrer Lebensqualiät. Sie saß mit fünf Monaten- nicht weil sie gesetzt wurde oder jemand es verlangte sondern weil sie selbst sich setzen wollte. Sie lief mit neun Monaten und ließ das Krabbeln aus, weil sie hoch und vorwärts wollte und dann kam der Spielplatz, der Sportunterricht in der Schule und diverse Aktivitäten in der Freizeit.

Wenn ich heute auf dem Spielplatz Mütter sehe die mit Desinfektionstüchern ihre Kinder bearbeiten nachdem sie Sand angefasst haben oder Kinder die angeekelt nach dem berühren von Sand die Hand schütteln, dann tun mir die Kinder leid und ich frage mich was bei den Eltern eigentlich schief gelaufen ist. Ja, ich habe als Kind auch mal Sand gegessen. War nicht so lecker, aber das muss man erst einmal raus finden. Ich ermuntere meine Kinder nicht Sand zu probieren, aber wenn sie es tun… Na und?

Als Kind bin ich Rad gefahren, Rollschuhe,Roller, bin Seil gesprungen, auf Klettergerüsten rum gekraxelt, Schlitten gefahren und natürlich das ein und andere mal unsanft gelandet. Hände, Knie und Ellenbogen mussten einiges aushalten. Den Kopf stieß ich mir vorzugsweise an Kanten und Türen, aber nie bei Stürzen. Die Finger habe ich mir geklemmt und seit ich einen Haushalt habe auch ab und zu mit Nadeln und Messern traktiert.

Für meine Kinder kann ich sagen, das es bei ihnen ebenso läuft. Das ist auch der Grund, warum meine Kinder nie mit Helm Rad fahren. Schädel-Hirn-Verletzungen treten hauptsächlich bei Autounfällen auf und keiner gibt seinem Kind im Auto einen Helm oder trägt dort selbst einen. Ca. 2,5 Millionen Verkehrsunfälle in ganz Deutschland pro Jahr sollten und stutzig machen. Doch wir setzen uns ins Auto als würde nie etwas passieren. Wir fahren zum Supermarkt weil wir keine Lust zum Taschen schleppen haben, wir fahren Kinder bis zur Schultür, wir fahren überall hin und alles ohne Helm und das bei ca. 3000 Getöteten pro Jahr. Autofahren gehört für Viele zum Leben. Bei Rot über die Straße gehen und Kindern damit ein schlechtes und gefährliches Vorbild geben ebenfalls. Darauf will niemand verzichten, aber einen Helm auf den Fahrrad tragen?

Und wenn ich noch mal die Straßenverkehrs-Situation anschaue und dann Leute höre die meinen sie haben Angst in ein Flugzeug zu steigen, dann frage ich mich wie man überhaut noch das Haus verlassen und über die Straße gehen kann. Ampel oder nicht- eher wird man überfahren, als das man abstürzt und seien wir mal ehrlich: Einen Flugzeugabsturz zu überleben ist eher unwahrscheinlich. Ob und wie man überlebt wenn man auf der Straße angefahren/überfahren wird ist ein anderes Ding. Und dennoch gehen wir dieses Risiko tagtäglich ein, völlig normal, ohne große Ängste.

Nein, ich muss nicht den Mount Everest besteigen, mit Gleitschirmen springen oder ähnliches. Das Leben ist täglich gefährlich und am gefährlichsten ist das was wir nicht als gefährlich wahrnehmen wollen. Statt dessen stürzen wir uns auf anderes.

 

Veröffentlicht in Islam, Religion

Vorbei! Unser Festbeginn

Gestern gingen für uns 30 Tage Fasten zu Ende. Der Monat Ramadan ist vorbei und nun haben wir Shawwal, den 10.Monat des islamischen Kalenders. 30 Tage, weil der Mond sich nicht an die vorgefertigte Berechnung gehalten,sondern sich erst später gezeigt hat. Und wie schon mal erwähnt ist das Ende nicht problemfrei.

Einige haben trotz fehlender Mondsichtung bereits einen Tag vorher das Fasten beendet und diverse Moscheen zogen mit. Es bleiben für das Festgebet die übrigen. Die Moschee meines Vertrauens blieb mir dieses Jahr verschlossen-weil sie geschlossen wurde. Vor Monaten schon. Ganz! Dabei hatte sie auf dem Außengelände soviel Platz für so viele die in den Räumen keinen Platz mehr für das Gebet fanden. Wo sollen all diese Menschen hin?

Eine recht „gemütliche“ Moschee, die ich grundsätzlich mag lehnte ich ab. Beim Festgebet fühlt man sich im Gebetsraum wie in einer Sardinendose. Schulter an Schulter und Knöchel an Knöchel. Keine Bewegungsfreiheit und Kinder dazwischen… Außerhalb wegen der ungünstigen Lage keine Gebetsmöglichkeit. Also die Lieblingsmoschee meines Mannes. Ich war bisher nie dort, dabei ist sie nicht weit entfernt.

Mein Mann ging vom üblichen Beginn um 8:30 Uhr aus, ich las bei einer anderen Moschee etwas von 8 Uhr und leider hat eben genau diese Moschee keine Hilfreiche HP, sondern nur eine allgemeine Wer-wir-sind- und- was- wir- anbieten Informations-HP. Also kamen wir kurz nach 8 Uhr und uns kam bereits eine Frau entgegen, die offensichtlich auf dem Heimweg war. Sie meinte, wir sollten uns beeilen, es hätte schon begonnen.

Vor dem Eingang stand ein Ordnungsdienst, der vermutlich zuletzt die feste Überzeugung hatte, mein Mann würde kein Wort Deutsch verstehen. Er meinte der übliche Eingang wäre diesmal den Frauen vorbehalten und die Männer sollten den rückwärtigen Eingang nutzen. Mein Mann, irgendwie durch den Wind, marschierte Richtung Eingang, drehte um, meinte ich solle zum rückwärtigen Eingang, der Ordnungsdienst korrigierte und mein Mann blieb bei seiner falschen Richtung. Das Spiel wiederholte sich drei Mal bis mein Mann endlich in die richtige Richtung marschierte und ich nur noch den Kopf schüttelte.

Bereits der Weg zur Moschee war in seiner  Vorstellung in einer anderen Richtung und wenn ich mir überlege wie oft er offensichtlich einen riesen Umweg gefahren ist,muss ich wieder den Kopf schütteln. Und irgendwie habe ich das Gefühl, dieser Umweg ist tief bei ihm eingegraben und er wird ihn das nächste Mal wieder nehmen. Orientierungssinn: Mangelhaft.

Tja, und nun gingen wir also in die Moschee. der Große mit meinem Mann, der Kleine wollte diesmal unbedingt bei mir bleiben. Doch kann hatten wir den Eingang passiert folgten die Probleme. Die Frauen, vor allem mit Kindern kamen uns entgegen und erklärten das es keinen Platz gäbe. Kinder weinten panisch und mussten beruhigt werden. Einige Frauen brachten Teppiche aus dem Gebetsraum mit und so blieb nur das Gebet vor der Moschee auf dem Parkplatz. Gut, das der Ordnungsdienst dort war und sich schützend vor die Frauen stellte und die Autos abwies die dort parken wollten. Es sind Firmen in Reichweite deren Belegschaft wohl üblicherweise den Parkplatz mitnutzte.

Eigentlich wollten wir nicht nur zum Gebet bleiben, sondern auch die anschließende Predigt hören. So haben wir uns für danach verabredet, aber weil mein Großer von meinem Mann beim Winken überrascht wurde, haben wir auf die Predigt verzichtet. Der Große meinte nämlich er hätte uns vor dem Fenster gesehen und wir würden warten, also sah sich mein Mann genötigt aufzubrechen.

Tatsächlich befanden wir uns am anderen Eingang und waren nie vor dem Fenster. Von der Predigt war draußen kaum etwas zu hören, daher war ich für das Auftauchen meines Mannes recht dankbar.

Ich sah einige bekannte Gesichter, viele unbekannte und ich vermute,von der geschlossenen Moschee waren einige dort.

Zuhause gab es dann ein gemütliches Frühstück. Die Kinder hatten frei, mein Mann hingegen musste noch vor dem Frühstück zur Arbeit. Es gab Ballons und Geschenke. Natürlich viel Süßes, es wird ja auch Zuckerfest genannt. Aber nicht nur. Sogar ich bekam zwei Geschenke. Eine Schachtel Pralinen mit Milchcreme-Füllung und von meiner Großen eine Kette mit Herzanhänger auf dem „Mother“ steht. Sie trägt die dazugehörige zweite Kette mit der Aufschrift „Daughter“.

Ab Heute hat uns der übliche Alltag wieder, aber nächstes Jahr gibt es wieder einen Ramadan!