Veröffentlicht in Deutschland, Feste, Islam, Religion

Mein persönlicher Ramadan

Die Fastenzeit ist für uns Muslime etwas besonderes. 29 bzw. 30 Tage pro Jahr von Sonnenaufgang bis -Untergang fasten, das heißt vor allem: nicht essen, nicht trinken.

Ich kenne den Satz: „Ich könnte das nicht“ sehr gut, aber genau genommen ist er falsch. Jeder könnte es, wenn er wollte. Natürlich gibt es Menschen die befreit sind, weil sie z.B. auf Reisen sind, oder schwanger, …Und Kinder sind natürlich auch befreit.

Mein 8jähriger möchte gern mitfasten und freut sich auf das Wochenende, denn wir haben ihm erlaubt am Wochenende zu üben, wenn er nicht zur Schule muss und am Anfang darf er, wenn der Durst zu groß wird, auch etwas trinken. Wir beginnen langsam.

Für mich war Ramadan nie so, denn als Konvertierte wächst man dort nicht rein wie ein Kind. Natürlich wusste ich- als aus einer katholischen Familie Stammende- das es auch eine christliche Fastenzeit gibt. Nur wirkliches Fasten habe ich nie erlebt denn es gab immer etwas zu essen und zu trinken. Hunger und Durst musste ich nie erfahren und etwas gemeinsames, verbindendes, lehrreiches gab es auch nicht.

Am Anfang war Ramadan recht schwer. Zwar bekommt man recht leicht die allgemeinen Regeln, aber danach wird es schwierig. Sonnenaufgang und -Untergang. Wann genau ist das? Erst mal schauen. Freundlicherweise gibt es Kalender die man in Moscheen und Geschäften bekommen kann. Doch teilweise stimmen die Zeiten nicht 100% überein. Zwangsweise musste ich mir die Frage stellen was nun richtig ist: Die eine Zeit oder drei Minuten später. Vielleicht nehme ich einfach eine Zahl dazwischen? Wie macht man das am geschicktesten?

Und dann ist das größte Übel: der Beginn des Ramadans. Im Fernsehen heißt es zwar: „Heute beginnt für Muslime…“, aber erstens ist es dann schon zu spät weil man längst mit dem Fasten hätte anfangen müssen und zweitens sagen einige das es noch nicht soweit ist. Wie regele ich das mit der Sichtung? Stell ich mich raus und such selbst nach dem Mond? Halte ich mich an deutsches Fernsehen, oder suche ich mir einige Muslime und richte mich nach denen und was ist mit den anderen? Schaue ich in einen Kalender, für den der Mond berechnet wurde?

Inzwischen gibt es den Koordinationsrat der schon auf Jahre im Voraus berechnet wann der Ramadan zu beginnen hat. Es gibt Mondsichtung.de wo man erfährt wann  der Mond wo und wie gesehen werden kann.Wähle ich globale Sichtung oder lokale? Es bleibt bei der Frage wem man sich anschließen möchte. Dieses Jahr haben wir uns für den Koordinationsrat entschieden, aber ich gebe zu, das ich mit dieser Entscheidung nicht glücklich bin. Nächstes Jahr werde ich mich wieder an der Mondsichtung orientieren.

Doch auch wenn Anfang und Ende eine persönliche Sache bleiben ist eines wichtig: Die meiste Zeit des Ramadan sind alle Muslime der ganzen Welt im Fasten vereint.

Da der Ramadan sich jährlich um circa zwei Wochen nach vorne verschiebt sind wir jetzt also bei Anfang Juni angelangt. Für nächstes Jahr sind wir dann schon bei Ende Mai und dazu gehören natürlich immer auch die Jahreszeiten und das Wetter.

Üblicherweise findet abends nach Sonnenuntergang das Fastenbrechen statt. Mit Datteln und Wasser oder Milch. Mein Mann ist großer Buttermilchfan, da ich sie auch sehr gern trinke nehmen wir meist diese oder „normale“ Milch. Danach gibt es eine sättigende Mahlzeit die den Durst nicht anregt, also wenig Salz enthält und nicht zu scharf ist. Meist gibt es noch Obst dazu und ich mache auch gerne einen Salat. Traditionell ist hingegen  Harira, eine Suppe die üblicherweise gekocht wird. Auch wenn die Zutaten immer ein wenig variieren, so gehören Kichererbsen und Tomaten immer dazu.

Zeitig schlafen gehen ist empfehlenswert den rechtzeitig vor Sonnenaufgang klingelt der Wecker für eine letzte sättigende Mahlzeit und viel Wasser. So kommt man über den Tag.

In den Sommermonaten ist das ganze natürlich schwieriger als im Winter. Es ist wärmer, oft sogar heiß und die Zeit zwischen Sonnenaufgang- und Untergang ist recht lang. Dafür ist die Schlafenszeit dann recht knapp. Für mich zu knapp und auch die Mädchen haben entschieden das sie früh morgens keinesfalls aufstehen wollen. Deshalb ist mein Mann allein in der Küche, isst noch Bananen, trinkt Wasser und weckt mich vorher, denn neben dem Bett steht für mich eine Flasche Wasser. Davon trinke ich soviel ich schaffe und dann schlafe ich weiter.

Ich bin Frühaufsteher und darum freue ich mich wenn Ramadan wieder in die Kalte Jahreszeit rutscht. Um 4 Uhr aufstehen und gleich wach bleiben kann ich gut. Um drei Uhr aufstehen und wach bleiben schaff ich nicht. Da bin ich tagsüber zu müde habe aber kaum Gelegenheit mal etwas zu schlafen.Irgendwo ist da meine persönliche Grenze.

Gestern Abend war es hauptsächlich Müdigkeit die mich quälte und für einen Moment war ich versucht einfach ins Bett zu gehen und auf das Fastenbrechen zu verzichten. Doch diesen Fehler erlaube ich mir nicht. Die Versuchung wird jedoch jeden Tag größer, denn jeden Tag geht die Sonne etwas später unter. Auch wenn es immer nur 1-2 Minuten sind.

Ein letztes Problem das man mit persönlichen Entscheidungen von Anfang und Ende des Ramadan hat ist das Festgebet am letzten Tag. Jener Tag an dem Aid-Ul-Fitr (Bayram bei den Türken) gefeiert wird. Also muss man schauen ob man eine Moschee findet die das Fest am selben Tag begeht wie man selbst. Es ist ratsam frühzeitig los zu gehen, denn i.d.Regel ist es sehr voll und wo sich die Möglichkeit findet gibt es oft zahlreiche Gläubige die in der Moschee keinen Platz mehr finden und außerhalb beten müssen. Im Winter und bei Regen nicht unbedingt ein Vergnügen.

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7 Kommentare zu „Mein persönlicher Ramadan

  1. Danke für die Tipps zum Durchhalten. Die werde ich mir zu Herzen nehmen, wenn ich morgen einen Tag lang mit meinen Freunden mitfaste. Denn ich habe echt Zweifel, dass ich das mit dem Trinken schaffe….

    Liebe Grüße zu dir!
    Sarah

    Gefällt 1 Person

  2. Danke für diese Informationen. Ich interessiere mich sehr für andere Religionen und es ist immer interessant Informationen aus erster Hand zu erfahren.

    Ich würde es sehr schwer finden nichts zu trinken – da ich aufgrund meines Jobs viel rede (Verkäuferin)

    Grüße Sandra

    Gefällt 1 Person

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