Veröffentlicht in Deutschland, Menschen

Leseempfehlung

Wenn Hauptkommissare Selbstjustiz verüben und keinen juckt’s, wenn Nazis ungestraft in aller Öffentlichkeit Jagd auf Ausländer machen, wenn man nicht nicht mit schuld sein kann: Auf Wiedersehen, Sachsen.

Zwickau, Mitte der Neunzigerjahre: Ich war gerade aufs Gymnasium gekommen, Deutschland gewann die Fußballeuropameisterschaft und meine Nachbarn feierten Adolf Hitler. Meine Nachbarn, das waren die „HooNaRa“ – Hooligans, Nazis und Rassisten. Die hießen wirklich so. Es stand auf ihren T-Shirts und auf ihren Bannern. Weiß auf Schwarz.

Sie standen im Fan-Block des FSV Zwickau, sie besetzten die Terrasse des Eiscafés im Freibad, sie veranstalteten Konzerte und hatten einen Klamottenladen in der Innenstadt. Und ab und zu feierten sie auf dem Fahrübungsplatz hinter dem Haus meiner Eltern. Dort hatten sie eine kleine Baracke.

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2dkz9nd

Der Streit

Auf dem Weg dorthin kommt es auf einmal zu Tumulten. Mehrere junge Männer rennen plötzlich in eine Richtung. Einige haben Stöcke bei sich. Es wird laut und man hört Streit. Junge Männer klettern auf einen Container, um sich eine bessere Übersicht zu verschaffen. Andere stehen um den Container herum und schauen neugierig. Mehrere Minuten lang geraten immer wieder junge Männer aneinander und bedrohen sich gegenseitig. Jedes Mal plustern sie sich wie Streithähne auf, ohne jedoch handgreiflich zu werden. Dann kommt die Polizei. Ungefähr acht gepanzerte Beamte rücken an. Ein aufgeregter, junger Sanitäter ruft ihnen zu, dass es einen Streit zwischen Kurden und Arabern gab. Der martialische Anblick der Beamten reicht jedoch aus, um die Ansammlung aufzulösen.

Später rede ich mit drei älteren Männern über den Vorfall; zwei Kurden und ein Araber. Ich frage, was da los war. Einer von ihnen sagt: „Es kommt immer wieder zu Streitereien. Meist wegen des Essens. Nicht, dass es nicht genug gibt. Meistens geht es eher darum, dass sich der eine in der Schlange vordrängelt oder schubst.“

„Geht es nicht um irgendwelche Probleme, die aus Syrien mitgeschleppt werden?“, frage ich.

„Nein, gar nicht. Es geht fast ausschließlich um solche banalen Sachen. Die Menschen sind angespannt. Sie wissen nicht, was aus ihnen wird. Sie sind so schnell reizbar, dass es immer wieder zu solchen Situationen kommt.

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