Veröffentlicht in Blogparade

Flüchtlingsproblematik als Chance sehen

Josef Altmann hat, bereits im März, auf seinem Blog zu einer Blogparade mit diesem Thema aufgerufen. Ich war schon mal dort, habe über die Teilnahme nachgedacht, dann brannte mir aber die Sache mit dem Wahlprogramm der AfD unter den Nägeln und das passte besser zur Blogparade gegen Rassismus von Anna Schmidt. Nun bin ich doch wieder bei Josef Altmann gelandet, hab mir noch mal die wenigen Kommentare unter seinem Aufruf durch gelesen, hab mich wieder über den von Frauke Vogel geärgert und hab auf dem Blog von Kommentator Ludwig gestöbert.

Ich habe mich entschieden mitzumachen. Und da die Blogparade noch bis 27. 5. läuft, bin ich nicht einmal zu spät 🙂

Viele Gedanken sind mir durch den Kopf gegangen. Auch angeregt von jenem Kommentar von Frau Vogel.

Sie meinte sie fühlt sich nicht sicher, wegen der vielen bewaffneten Polizei und Security. Mir geht es auch so. Diese Leute sind trainiert und bewaffnet und einige davon sind auf dem rechten Auge auch blind.

Früher, vor Jahren, als meine Töchter noch kleiner waren, sind wir oft am Wochenende in die Stadt gefahren. Spazieren gehen, shoppen, ein Eis essen im Sommer,… Fußgängerzone, Innenstadt; das ist mal was anderes. Immer habe ich den Mädels erklärt das sie nach einem Polizisten suchen sollen wenn wir im Gedränge getrennt werden. Bloß nicht heulend irgendwo rumstehen oder suchend in alle Richtungen rennen. Ich habe ihnen gezeigt wo man telefonieren kann, wo die städtische Polizeiwache ist, damit sie dorthin können um Hilfe zu bekommen. Aber dann gab es Berichte über Übergriffe und immer wieder konnte ich selbst beobachten wie Polizisten vorzugsweise auf jeden Ausländer losmarschiert sind und nach Papieren gefragt haben, oft Rucksäcke und Taschen kontrolliert haben. Deutsche können aussehen wie sie wollen, sie können sitzen wo sie wollen, sie können dabei haben was sie wollen. Niemand kontrolliert sie. Auch Deutsche sind verpflichtet ab 16 Lebensjahr Ausweispapiere/Perso mit zu führen, aber wer kontrolliert das?

Außerdem war es die Zeit wo wegen jenem 11. September die Hetzte gegen Muslime immer schlimmer wurde. Meine Angst um meine Kinder und vor jenen die uns schützen sollten wurde immer größer und ich bin auch heute nicht frei davon. Meinen Töchtern habe ich gezeigt wie sie zur nächsten Bahnstation kommen, habe ihnen genau gesagt wohin sie fahren müssen. Wenn sie keine Fahrkarte dabei haben, ist das egal. Lieber zahle ich die Strafe, habe meine Töchter aber lebend und gesund daheim.

Es ist unser Land! Es ist unsere Heimat! Wir sind hier zu Hause!

Frau Vogel traut sich im Dunkeln nicht mehr vor die Tür. Ja, das ist auch ein alter Hut, hat aber nichts mit Flüchtlingen oder generell Ausländern zu tun.

Als ich Kind war und die sogenannte weiterführende Schule besucht habe, bin ich oft morgens mit dem Rad gefahren. 15-20 Minuten, quer durch. Mit dem Bus hätte es länger gedauert und Bus fahren ist weder so gesund noch so toll wie Rad fahren, vor allem im  Sommer wenn es im Bus stickig ist und man sich über jede Haltestelle freut weil die Tür auf geht. Ich liebte das Rad fahren.

Meine Mutter hingegen sorgte sich, denn mein Weg führte an den Kleingärten vorbei. Sie meinte in der Zeitung würde immer wieder stehen das just dort oft Frauen vom Rad gerissen und vergewaltigt werden. Die Büsche am Rand bieten genug Deckung und da ist um die Zeit sonst niemand.Nein, ihre Angst hatte nichts mit Flüchtlingen oder Ausländern zu tun, sondern schlicht mit unseren Landsleuten. Deutsche Männer! Ich hingegen hatte Angst vor der Alternativstrecke, denn die führte einen Hügel hoch, am Wald lang und da dort die Hauptverkehrsstraße lang führte waren die Autofahrer mit dem Verkehr beschäftigt und konnten nicht darauf achten was am unübersichtlichen Waldrand geschah. Und ich bin nicht im Dunkeln zur Schule gefahren, sondern im Hellen.

Überhaupt ist es so, dass wenn man Kommentare liest sich sehr schnell der Eindruck ergibt deutsche sind alle unschuldige, nette Menschen. Jeder Ausländer/Flüchtling/Muslim ist ein Verbrecher. Ich frage mich in welchen Sphären diese Leute leben. Viele Dinge gab es immer. Allein im Dunkeln unterwegs sein, einsame Ecken, vor allem allein als Frau/Mädchen unterwegs. Das ist alles nicht neu. Schon als ich Kind war wurde vor Taschendieben gewarnt. Ja, auch deutsche bedienen sich an fremden Eigentum. Drogen und Dealer? Gab es schon lange vor den Flüchtlingen.

Ein paar Mal habe ich in Kommentaren gelesen das Leute Angst um ihre Kinder hätten weil einige Flüchtlinge diese wohl angesehen haben. Meine Mutter sagte immer: Böses dem, der Böses denkt“, aber ich frage: was denken diese Leute denn? Das die Flüchtlinge gerade ihr Mittagessen betrachten? Warum ist es gefährlich wenn ein Flüchtling Kinder betrachtet? Es war ein Flüchtling der meinem Sohn auf half als er mit dem Rad stürzte. Es waren Flüchtlinge die meinen Sohn im Auge behielten als er in halsbrecherischem Tempo die Rolltreppe runter hüpfte während ich kaum hinterher kam. ich habe nichts böses in ihrem Blick gesehen, eher den Wunsch zu helfen.

Nein, wir müssen weg kommen davon diese Menschen als Bedrohung und Gefahr zu sehen. Wir müssen aufhören ihnen in die Schuhe zu schieben was wir selber zu verantworten haben.

Ja, unsere Gesellschaft überaltert. Ja, unsere Senioren werden älter, aber auch pflegebedürftiger. Nein, wir haben in den eigenen Reihen nicht genug Leute die das auffangen können.

Ja, wir haben viele Arbeitslose, aber nein, die können nicht einfach auf den nächsten freien Job geschoben werden.

Ich habe es schon mal geschrieben, vor langer Zeit. Ausländer/Flüchtlinge/Migranten werden anscheinend weder von der Wirtschaft noch von der Politik richtig wert geschätzt. Besonders schlimm natürlich wenn an zuständigen Stellen jene Leute sitzen, die in diesen Menschen nichts Gutes sehen wollen.

Es gibt in diversen Bereichen Personalmangel. Man könnte ihn reduzieren. Es gibt natürlich sprachliche Defizite bei Menschen die neu nach Deutschland kommen, aber muss immer und überall deutsch gesprochen werden weil wir in Deutschland leben? Es wird so viel Denglisch geschrieben und gesprochen, warum kann man das nicht erweitern? Es gibt bereits Firmen die gezielt Mitarbeiter im Ausland anwerben, die natürlich kein deutsch können.

Was ich mir von Politik und Wirtschaft wünschen ist, das Habgier nicht mehr an erster Stelle steht. Gelder ins Ausland schaffen(Stichwort: Steuerflüchtlinge), Herstellung und Exporte von Waffen, Firmenfilialen ins günstige Ausland verlegen,…Es gibt so viele Dinge wo etwas geändert werden sollte.

Vor allem aber wünsche ich mir das Politik und Wirtschaft ehrlicher werden. Ich wünsche mir das beide Bereiche dem deutschen Volk offen legen was und wie wir Waren aus dem Ausland beziehen. Ich wünsche mir das dem Volk erklärt wird warum Kriege in Erdöl- und Ergas-reichen Ländern stattfinden und warum deutsche Soldaten sich dort aufhalten wo viele Ressourcen herkommen die Deutschland selbst nicht besitzt, aber braucht und zwar möglichst billig.

Ich wünsche mir das nicht länger auf dem Rücken von Minderheiten Politik gemacht wird.

Ich wünsche mir das Minderheiten nicht länger Karrieresprungbrett für Möchtegernkenner sein müssen.

Mein größer Wunsch ist an Utopie kaum zu überbieten:

ich wünsche mir das alle Ausländer/Flüchtlinge/Migranten Deutschland vorübergehend verlassen. Solange, bis all jene, die jetzt schlecht reden und hetzen auf Knien um ihre Rückkehr betteln. Das wird nicht lange dauern!

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5 Kommentare zu „Flüchtlingsproblematik als Chance sehen

  1. Danke für deinen Artikel, der wirklich sehr gut hervorhebt, warum man nicht alles auf dem Rücken der Asylbewerber austragen darf. Sie sind eine Chance, die wir aufgrund des demografischen Wandels dringend wahrnehmen müssen.

    P.S. Danke für den Link 😉

    Gefällt 1 Person

  2. Bin immer froh, solche Artikel zu lesen, gerade, wenn ich kurz vorher einen aus der Rubrik „Besorgte Bürger“ zu fassen hatte…
    Vor kurzem wurde eine Frau hier in der Nähe angegriffen. Ein Bewohner der Flüchtlingsunterkunft sah das und kam ihr sofort zu Hilfe, das war für ihn ganz selbstverständlich. So was braucht man Pegidaleuten aber gar nicht zu erzählen, das war dann halt eine Ausnahme. 😦

    Gefällt 1 Person

  3. Die ganze Flüchtlingsdebatte hat etwas ungeheuer Verlogenes und zwar in beiden Lagern. Dass man sich mit dem Zuzug der vielen Menschen auch Kriminelle ins Land hohlen kann, ist schon eine statistische Angelegenheit. Aber Menschen aus Syrien oder Somalia gleich von vorneherein den Stempel „Kriminell“ aufzudrücken, ist reine Panikmache.
    Früher haben sich unter den Deutschen nur wenig Männer für Frauenrechte und Missbrauchsparagraphen interessiert. Jetzt auf einmal sollen wir Frauen vor den „bösen“ Asylanten geschützt werden, die ja nach mancher Lesart vergewaltigend durch deutsche Lande ziehen.
    Andererseits müssen auch diese Menschen lernen, mit unserem anderen Frauen-Selbstverständnis umzugehen. Und dadurch kann es natürlich auch zu Problemen kommen.
    Ich frage mich, wann endlich einmal ein Normalmaß zwischen der Helfer-Euphorie und der totalen Ablehnung erreicht werden kann.
    LG
    Sabienes

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