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Damals… Teil 2

Damals und Heute…

Momentan beschäftigt mich das sehr, auf verschiedenen Ebenen. Nicht allein deshalb weil ich immer noch gern durch die alten Fotoalben meines Onkels blättere, sondern weil mich auch die momentane Situation hier in Deutschland erschreckt. Nicht allein rein politisch, vielfach auch rein menschlich.

Der aktuellste Anlass zum Nachdenken war ein Artikel den ich vor ein oder zwei Tagen las. Es ging dabei um „Happy Slapping“. Bis dahin hatte ich davon nichts gehört. In jenem Artikel ging es um eine Gruppe Jugendlicher die spät Abends völlig unerwartet eine Frau niederschlugen die allein unterwegs war. Es hieß das solche Attacken in der Regel gefilmt und auf Youtube hochgeladen werden. Ich fragte mich was mit einer Jugend los ist die es als besonderen Reiz empfindet Wehrlose derart zu behandeln und sich dann mit einer solchen Tat öffentlich zu brüsten. Meine Gedanken wanderten hin und her, schon allein deshalb weil bei den Kommentaren, mal wieder, nur nach Strafen geschrien wurde. Es erinnert mich an die Flüchtlingsdebatte und so viele andere Debatten. Wie strafen wir? Wie rächen wir uns? Aber niemals: Warum ist das so??? Wie können wir die Ursachen bekämpfen???

Ein Bild aus den Kindertagen meiner Mutter und ihrer Brüder:

ScanImage26

Meinen „linken“ Onkel lernte ich nie kennen. Er starb noch vor meiner Geburt. Ich wusste natürlich das es ihn gab, aber die Ursache seines Todes war so eine Sache. Ich hatte eine Erinnerung daran dass meine Mutter mal einen Motorradunfall erwähnte, aber sie leugnete das bei einem Gespräch und meinte es sei ein Herzinfarkt gewesen. In den Unterlagen meines Onkels las ich jedoch „Unbekannte Ursache“. Zusammengefasst heißt es dann auf jeden Fall, das er an einem Herzstillstand starb-die übliche Todesursache bei allen Menschen. Warum es stehen blieb? Nun ja, das lässt sich wohl nicht mehr klären.

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Kommunion

Wie ich schon mal erwähnte war unsere Familie Katholisch und so sind die Drei auch aufgewachsen. Trotz Nachkriegszeit und mit allem was damit zusammenhängt war die Religion der ausschlaggebende Punkt. Werte waren selbstverständlich. Respekt vor Älteren, Hilfsbereitschaft, Höflichkeit, Rücksichtnahme…

Natürlich habe sich damals Jungs auch geprügelt, so wie heute. Aber es waren gezielte Angriffe. Da hat man Zoff mit dem Mitschüler und dann wird gerauft. Es war eine persönliche Angelegenheit, Fremde waren da nicht das Ziel. In einer Gruppe auf Einzelne losgehen war auch damals ein Problem, aber selten und auch da war es eher persönlich. Das damalige Mobbing, was nicht so genannt wurde. Aber einfach aus Spaß?

Der Zusammenhalt in Familien war vorhanden. Man stand zueinander. Als Kind habe ich es gehasst nicht sagen zu können:“ ich sag´s meinem großen Bruder, wenn du mich ärgerst“ Ich habe dummerweise keinen, daher habe ich alle mit großem Bruder beneidet.

Heute steht jeder allein. Da sind alte Leute deren Kinder für Arbeit und Karriere weg gezogen sind und die nun zusehen müssen. Da sind Kinder die nicht wissen was es bedeutet Geschwister zu haben. Da sind Familien, die mit dem Begriff Verantwortung und Zusammenhalt nicht viel anfangen können weil ein Elternteil, oder auch beide neue „Lebensabschnittsgefährten“ haben- bis zur nächsten Trennung…

Stabile Familienverhältnisse, Verantwortung für Entscheidungen übernehmen das lernen heute so viele nicht mehr. Die Menschen sind so stolz auf ihre Freiheit das sie das Gefängnis der Konsequenzen nicht sehen (wollen).

Es heißt: „Respekt muss man sich verdienen“, aber wenn ich 40 Jahre Leben hinter mir habe, habe ich dann keinen Respekt einfach auf Grund dieser Tatsache verdient? Meine Große fragt mich immer „Wie seit ihr ohne PC und Handy bloß zurecht gekommen?“

Naja, ich brauchte keinen Termin um meine Freunde zu sehen, ich bin einfach vorbei gegangen- ohne vorher anzurufen, denn wir hatten nicht nur kein Handy, sondern auch kein Telefon. Wenn wir krank waren gingen wir zum Arzt in die Sprechstunde, denn die war dafür da das Leute ohne Termin zum Arzt gehen. Nicht wie heute wo man bitte möglichst auch da nur mit Termin kommt…

Mein Leben als Kind war um soviel einfacher und bescheidender als das Leben der Kinder heute und doch so luxuriös im Vergleich zum Kinder-Leben meiner Mutter und ihrer Brüder. Aber gerade darum wohl lernte ich Dankbarkeit für alles was ich hatte. Lebensmittel in den Müll werfen, Wasser verschwenden,… so etwas war bei uns nicht erlaubt. Wir dankten Gott für das was wir hatten und gedachten der Menschen die weder sauberes Trinkwasser noch Essen zur Verfügung haben. Mitleid ist eine wichtige Empfindung. Für meine Mutter war es sicher einfacher, da sie 1941 geboren wurde und erlebte wie es ist wenig zu haben und verzichten zu müssen. Aber man kann diese Dinge weitergeben auch in einer Welt des Überflusses, wie wir sie heute haben, wo alles nur zum Wegwerfen und Neukaufen geschaffen wird.

Jugendliche die aus Spaß Menschen schlagen sind das Ergebnis einer Gesellschaft die Werte zugunsten von Karriere und Konsum geopfert hat. Eine Ellenbogengesellschaft wo jeder den anderen Übertrumpfen muss um ein Stück vom Kuchen zu bekommen. Wo nur derjenige zählt und weiterkommt der ordentlich austeilen kann.

 

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2 Kommentare zu „Damals… Teil 2

  1. Hallo Asmaa,
    man sagt ja immer, das Menschen die so schlimme Dinge tun, selber in ihrer Jugend/Kindheit keine Liebe und Zuwendung erfahren haben, aber ob man damit alle schlimmen Taten entschuldigen kann? In früheren Zeiten wurden Kindern auch ihre Grenzen gezeigt, sie mussten sie nicht erst ausloten. Die Strafe folgte auf dem Fuße sozusagen. Wer schert sich heute darum? Heute bekommen die Täter „Recht“ und ihre Opfer bleiben auf der Strecke, werden oft noch verhöhnt und sind nach Gerichtsprozessen doppelt gestraft!

    Viele Werte wurden geopfert, du hast das sehr schön gesagt und ich muss dir beipflichten.
    Deine Fotos sind super, sie zeigen brave Kinder. Nun ja, so brav wie Kinder damals eben waren! (schmunzel)
    Schade, das du den einen Onkel nie kennengelernt hast und danke für deinen Beitrag zum Guckloch!
    LG Heidi

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  2. Hallo, ein sehr lesenswerter Text, dem ich zustimmen kann und in dem ich mich, mein Leben und meine Haltung wieder erkenne. So gesehen, war auch mein Leben luxuriös, obwohl wir kaum etwas hatten. Was man nicht kennt, vermißt man auch nicht. Aber ich sage seit langem jeden Tag ‚danke, lieber Gott‘ dafür, dass ich auch noch andere Zeiten kennenlernen durfte, was Armut betrifft. Viele andere Veränderungen machen mir schon Angst. Liebe Grüße Edith

    Gefällt 1 Person

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