Veröffentlicht in Deutschland, Mobbing

Was du nicht willst…

…das man dir tu, das füg auch keinem anderen zu!

Eines der vielen Sprichwörter die mich meine Mutter als Kind lehrte. Eines das mir immer wieder zu denken gab und gibt. Anwendbar bei jeder Gelegenheit.

Leider ist es in der heutigen deutschen Gesellschaft nicht sehr populär.

Das moderne Schlagwort lautet: Mobbing.

Mobbing ist viel mehr als nur jemanden hin und wieder hänseln, mit jemandem raufen oder andere ärgern. Von Mobbing spricht man, wenn jemand an einer anderen Person wiederholt und über längere Zeit herabsetzende und ausgrenzende Handlungen verübt. Dabei wird die Kluft zwischen Täter und Opfer nach jedem Übergriff größer: Der Mobber fühlt sich noch mächtiger, das Opfer fühlt sich immer mehr erniedrigt.

Herabsetzende und ausgrenzende Handlungen sind zum Beispiel:

  • jemanden nicht beachten, nicht mit ihm sprechen und von gemeinsamen Aktivitäten ausschließen (psychisches Mobbing)
  • jemandem Schimpfwörter nachrufen, ihn lächerlich machen, ihm drohen (verbales Mobbing)
  • jemandem wehtun, z.B. schlagen, ein Bein stellen, kneifen, an die Wand pressen usw. (physisches Mobbing)
  • jemanden gegen seinen Willen festhalten, z.B. einsperren, unter Wasser tauchen usw.
  • fremdes Eigentum beschmutzen, beschädigen oder kaputtmachen
  • jemanden per E-Mail, SMS oder im Netz schikanieren (E-Mobbing)

In den allermeisten Fällen wird nicht nur auf eine Art gemobbt. Schlagen, treten, üble Gerüchte, Schimpfwörter, fiese E-Mails. – in der Regel sind Mobbing-Opfer vielen unterschiedlichen Angriffen und Erniedrigungen ausgesetzt. Und wozu dienen diese Schikanen? Mobber wollen nur eines: Sie wollen ihre Stellung in der Gruppe festigen. Indem sie wehrlose Opfer einschüchtern und ihnen immer mehr Angst einjagen, demonstrieren ihre Stärke und ihre Macht.

So erklärt es die Seite Mobbing-Schluss damit! sehr gut für Kinder. Über die Opfer heißt es da:

Besonders häufig erwischt es Kinder und Jugendliche, die zu keiner Clique gehören, weil sie aus irgendeinem Grund „anders“ sind als die Kinder, die das Sagen haben. Es gibt es ganz unterschiedliche Gründe, warum ein Kind an den Rand gedrängt wird. Mal ist es die „falsche“ Kleidung, mal das Aussehen, ihre Schüchternheit, die strengen Eltern oder der Dialekt, der Kinder zu Außenseitern abstempelt.

So weit, so gut! Oder eben nicht gut.

Ist Mobbing ein neues Phänomen? Nein!

Ich erinnere mich an meine Grundschulzeit. Eine damalige Mitschülerin war ein solches Mobbingopfer. Ich weiß gar nicht mehr was mit ihrer Mutter war, aber ihr Vater war arbeitsloser Alkoholiker. Finanziell sah es also schlecht aus, daher war die Kleidung verwaschen und in der Regel zwei Nummern zu klein. Statt Mitleid, Hilfe, Solidarität gab es Lästereien, Ausgrenzung, Gelächter.

Selber kam ich auch nicht unbedingt gut weg. Schüchtern, unsportlich und etwas zu dick geraten war vor allem der Sportunterricht für mich reiner Horror. Wenn Mannschaften gebildet wurden, wollte mich keine haben und die Mannschaft die mich aufgezwungen bekam machte mit murren ihrem Unmut Luft.

So schlimm manches auch war hatten wir eines nicht: die neuen Medien. Was heute auf Facebook und Co. statt findet, gab es bei uns nur auf dem Pausenhof oder nachmittags auf dem Spielplatz oder wo auch immer man zum spielen zusammen kam.

Persönliche Treffen sind heute nicht mehr notwendig, man sitzt daheim, im Bus, beim Arzt,… am PC oder Handy. Dank neuer Programme , wie „Whatsapp“ oder „Voxer Talkie-Walkie“ kann man auch mit dem Handy den Kontakt halten, Bilder posten, chatten und damit natürlich auch mobben. Über die Seite „Ask“ kann man anonym Seiteninhabern Beleidigungen posten,oder auch Fragen stellen die man sonst nie stellen würde.

Eltern sind mit dem was sich in vielen Kinderzimmern tut meist überfordert da sie wenig bis keine Ahnung haben was ihre Kinder tatsächlich zur Verfügung haben. Das neueste Handy kaufen ist eine Sache, aber auch zu wissen das dieses Handy nicht nur zum SMS schreiben und telefonieren zu gebrauchen ist, ist etwas anderes. Oft sind sie aber wohl auch froh das ihre Kinder beschäftigt sind und kümmern sich nicht weiter. Und, nicht zu vergessen: da es dieses Verhalten schon lange gibt wird meist auch keine Notwendigkeit zum handeln gesehen.

Meine Mutter sagte immer: „Ärger dich nicht. Wenn die merken das du dich ärgerst, machen sie immer weiter. Wenn du dich nicht ärgerst, verlieren sie den Spaß und hören von selber auf.“

Leicht gesagt, aber schwer um zu setzen. Sich Verletzungen nicht anmerken zu lassen schaffen nur wenige. Ich konnte es nicht und war dankbar das es Mitschüler gab die trotzdem mit mir befreundet waren.

Manchmal denke ich noch an das Mädchen aus der Grundschule und ich frage mich was aus ihr geworden ist.  Vielleicht eine Frau wie ich, die mobben nicht „cool“ findet. Doch Mobbing gibt es auch bei Erwachsenen. Am Arbeitsplatz z.B. „Die Konkurrenz schläft nicht“ würde meine Mutter dazu vielleicht sagen.

Mobbing erleben auch ein paar Mitschüler meines Mannes.

Mein Mann befindet sich in einer alters-gemischten Klasse. Da sind 16jährige Schulabgänger die noch gar nicht wissen was sie wollen und nur das nächst beste angefangen haben, Umschüler wie mein Mann, aber auch Leute die einfach nur einen Ort brauchen an dem sie sich profilieren können. So z.B. der Lieblingsmitschüler meines Mannes der von Anfang an mit Angeberei, Besserwisserei und Arroganz versuchte über allen zu stehen und der nun inzwischen sehr viel niedriger stapelt. „Hochmut kommt vor dem Fall“ wäre wohl der passende Spruch meiner Mutter.

Ausgrenzung erlebt mein Mann immer dann wenn die Schüler etwas miteinander machen sollen. Vermeintliche „fremdenfreundliche“ Mitschüler zeigen da sehr schnell ihr wahres Gesicht. Sofort suchen sich einen deutschen Mitschüler und flüchten vor den „Ausländern“.

Ich frage mich: würden die auch gern so behandelt werden?

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