Veröffentlicht in Deutschland, International, Vom alten Blog

Sicherheitsbefragung

08:36

Nun gibt es seit ein paar Jahren diese Sicherheitsbefragung zu der jeder Ausländer für die Aufenthaltsverlängerung muss, wenn er aus einem sogenannten Gefährderstaat kommt. Klar, das diese Staaten erst mal arabische Staaten sind.

Ich war von dieser Sache nie begeistert, denn zum einen hat jedes Land auf dieser Welt gewaltbereite und auch extrem friedliche Menschen und zum anderen halte ich die Einstellung manch anderer Staaten, bzw. gewisser Leute in diesen Staaten für so gefährlich das man dort zuerst schauen müsste.

Erinnern wir uns: unser Ex-Minister-Präsident Köhler musste gehen weil er darüber sprechen wollte das ein militärischer Eingriff notwendig ist, wenn es um unsere Handelswege und Ressourcen geht. Ex- Kriegsminister zu Guttenberg fand daran nichts schlimmes, sondern er war derselben Ansicht. Nur bedeutet dies ja nichts anderes als das meine Interessen, mein Leben, mein Bedarf (gerechtfertigt oder nicht) wichtiger ist als die anderer Menschen. Sollten also in einem anderen Staat Menschen unsere Handelswege blockieren darf unser Militär dort, im fremden Land, die Menschen töten, die sich nicht verängstigt zurückziehen sobald bis an die Zähne bewaffnete Horden von Soldaten die Angst und Schrecken verbreiten auftauchen.

Ich finde diese Einstellung gefährlich und diese Einstellung prägt auch die amerikanische Aussenpolitik. Immer nach dem Motto: gibst du uns was wir wollen darfst du Diktator, Mörder, oder was immer du willst sein. Gibst du uns nichts, oder wir sollen viel dafür zahlen werden wir unsere Soldaten schicken. So geschehen beispielsweise im Irak.

Warum also gezielt Araber unter Generalverdacht gestellt werden ist eine wichtige Frage. Ich habe mehr Angst vor meinen eigenen Landsleuten und den Konsequenzen die sich aus der Einstellung ergeben.

Unsere Sicht der Gerechtigkeit ist leider sehr ungerecht und so sind es vor allem Araber, die bei jeder Verlängerung ihres Aufenthaltstitels zu dieser Befragung müssen.

Nun soll bei dieser Befragung vor allem die politische Gesinnung und die Mitgliedschaft in Vereinen, Parteien, Organisationen abgefragt werden, die (angeblich) ein Sicherheitsrisiko darstellen.

Allein aus diesem Grund hätte ich einfach quer über die erste Seite der Liste „Bin nirgendwo Mitglied“ geschrieben.

Nicht allein deshalb weil ich nicht so dumm wäre dort anzugeben das ich Mitglied bin- ich will schließlich meinen Aufenthalt verlängern und  das nicht nur wochenweise- sondern auch deshalb, weil es schlicht der Wahrheit entspricht.

Mein Mann nahm das Anfangs sehr ernst, las sich alles sorgfältig durch,machte brav bei jeder Frage sein gut sichtbares Kreuzchen.

Dadurch haben wir dann aber auch gesehen wer als gefährlich betrachtet wird, allerdings ohne jeden Hinweis über die Gründe.

Schon beim ersten Mal sahen wir uns fragend an und wunderten uns, denn obwohl Deutschland die palästinensische Fatah immer propagiert hat, stand in der Liste eine Untergruppe der Fatah.

Auch interessant: ein kurdischer Künstlerverein, oder war es ein irakischer? Bilder von hässlichen Gemälden, undefinierbaren Statuen, Tänzer die allen auf die Füße sprangen tauchten in meinen Gedanken auf. Künstler sind gefährlich?

Nach der Befragung zwinkerte mein Mann mir grinsend zu und meinte, er hätte die Frage vermisst, ob er mich schlägt. Ich meinte das wäre derzeit egal und wird erst relevant wenn er die Einbürgerung beantragt. Wir lachten darüber so traurig es im Grunde auch ist.

Bei der nächsten Befragung entdeckten wir einen Verein, von dem mein Mann sagt, das dieser überhaupt keine Mitglieder hat, nur einen Gründer, der im Exil in Großbritannien lebt und  gar nichts macht. Weder sucht er nach Mitgliedern, noch verfasst er Reden, Bücher o.ä. oder unternimmt irgendetwas außer das was jeder Mensch zwischen aufstehen und schlafen gehen unternimmt.

Inzwischen betrifft uns die Sicherheitsbefragung nicht mehr.Nach langen Überlegungen über das Für und Wider hat mein Mann sich entschlossen zwar nicht die Staatsbürgerschaft, aber zumindest eine Niederlassungserlaubnis zu beantragen.

Tatsächlich werde ich das durchlesen der Liste vermissen, obwohl wir letztes Mal mehr überflogen als tatsächlich gelesen haben, denn mein Mann ist gelassener geworden. Zwar hat er nicht auf der ersten Seite verbindlich vermerkt das er (immer noch) keine Mitgliedschaft besitzt, aber er hat auf jeder Seite oben ein Kreuzchen, unten ein Kreuzchen bei „Nein“ gemacht und diese dann mit langem Strich verbunden.

Der letzte Kommentar meines Mannes bestand dann darin, das er meinte, das Innenministerium hat überhaupt keine Ahnung. Sie bezahlen Leute als Spione und die erzählen ihnen irgendetwas und es wird geglaubt.

Leider ist da viel Wahres dran. Es gibt hier einige die Probleme mit ihrem Aufenthalt haben weil falsche Beschuldigungen sie diskreditiert haben.

Merke: falle nie bei jemandem in Ungnade der für Spionage bezahlt wird!

Autor: Deutsche-Muslima
Kategorien: keine
25.03.2011
keine Empfehlungen |
Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s